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Am 6. Mai hat der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, Armin Laschet, verkündet, dass Theater, Opernhäuser und Kinos am 30. Mai ihren Türen für das Publikum wieder öffnen dürfen. Die anderen Bundesländer werden früher oder später folgen. Wenn das mal so einfach wäre. Zuschauer sollten ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben, denn die Hürden in der Organisation liegen höher. Aber auf sie warten jetzt ohnehin andere Aufgaben.

In vierzehn Tagen geht es endlich wieder los. Dann dürfen – zumindest in Nordrhein-Westfalen – Theater, Opernhäuser und Kinos unter strengen Auflagen wieder öffnen. Das hat Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, am 6. Mai offiziell angekündigt. Na ja, wenn die Infektionszahlen bis dahin nicht wieder steigen. Aber davon gehen wir jetzt mal gar nicht aus, denn das wäre der nächste GAU. Bleiben wir optimistisch, und das ist schlimm genug. Viele Häuser haben ihren Spielbetrieb für diese Spielzeit bereits offiziell eingestellt. Und die können den Betrieb jetzt nicht einfach mal schnell wieder hochfahren. Denn vor allem steht der Hygieneplan. Und es ist ganz sicher nicht damit getan, einen Desinfektionsmittelspender am Eingang aufzuhängen und ein paar Plätze im Saal freizuhalten. Ein- und Ausgänge müssen geregelt werden bis hin zum Gang zur Toilette. Das Catering bleibt ohnehin geschlossen – und was ist mit der Maskenpflicht? Wie will man die paar Karten aufteilen, die es zu verkaufen gibt? Wird das vielfach angesprochene Hybrid-Modell umsetzbar sein, nach dem die Zuschauer, die keine Karten bekommen – oder sich womöglich gar nicht trauen, ins Theater zu gehen – die Aufführungen am Bildschirm daheim verfolgen können? Wenn also die Zuschauer endlich im Saal sitzen, ist noch lange nicht geklärt, was überhaupt auf der Bühne zu sehen sein soll. Die ganz große Aufführung wird es ohnehin nicht, denn das Kontaktverbot gilt weiterhin bis mindestens zum 5. Juni. Da wird die Bühne und der Bewegungsspielraum ziemlich eng. Wir dürfen gespannt sein, wie viele Theater und Opernhäuser diese Herausforderung überhaupt annehmen und dann auch meistern werden und können.
Nein, ich werde hier nicht den Miesmacher und Pessimisten geben. Ganz im Gegenteil. Die großen Häuser sind eh durchsubventioniert. Sie werden es verschmerzen können, wenn sie nur für wenige spielen dürfen oder gleich geschlossen bleiben, zumal damit die Aussicht, die nächste Spielzeit in gewohnter Weise in Angriff nehmen zu können, wächst. Wenn sie also überhaupt noch öffnen, brauchen wir uns da wenig Sorgen zu machen. Nein, es gibt vielmehr Grund zum Jubeln. Denn das Ende des Auftrittsverbots gibt unendlich vielen Solisten und Kleinkünstlern endlich wieder die Möglichkeit, aktiv zu werden. Im Juni könnte die Sternstunde der so genannten Freien Szene anbrechen. Weder das ganz große Tanz‑, noch das auch nur mittelgroße Musiktheater oder das personalintensive Schauspiel werden Anfang Juni auftrumpfen können. Kleine Spielstätten mit kurzen Wegen, keine überfüllten Foyers, sondern geräumige Außenflächen bieten ideale Voraussetzungen, um Kontaktverbote zu beachten. Liederabende, Drei-Personen-Stücke und Tanzaufführungen sind jetzt angesagt, weil sie im Sinne der Hygiene einfach, schnell und unkompliziert umzusetzen sind.
Aber nicht nur freie Schauspieler, Musiker, Sänger und Tänzer sind jetzt in der Pflicht, mit größtmöglicher Kreativität noch das Geld einzuspielen, das ihnen der Staat mit seinem Auftrittsverbot verwehrt hat und auch nicht ausgleichen wollte, sondern vor allem die Zuschauer können jetzt zeigen, dass sie all die Lippenbekenntnisse in den so genannten Sozialen Medien einlösen wollen. Jetzt heißt es auf beiden Seiten nicht mehr: Wir vermissen Euch so sehr. Jetzt heißt es, Augen auf, nach kleinen Veranstaltungen schauen und Karten ergattern. Und bitte nicht nach so genannten Ehrenkarten fragen. Die Zeit ist gekommen, echte Solidarität zu zeigen und die Künstler zu unterstützen, die jetzt ihre Kreativität aufwenden, um in kürzester Zeit Aufführungen zu organisieren, weil ihnen so viele Aufträge weggebrochen sind. Es braucht jetzt keine „Spenden“ im Internet mehr, sondern handfeste Eintrittskarten, die an Mann und Frau gebracht werden müssen.
Wer als Zuschauer mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Welt geht, wird in den Sommermonaten – hoffentlich – aufregende Aufführungen erleben können. Daran kann man sich dann berauschen und die verlorengegangene Zeit zumindest gefühlt aufholen. Und das große Ballett sowie die großartige Oper kann man auch in der nächsten Spielzeit wieder erleben. Wenn es dann auch keine Diskussionen mehr um Aerosole gibt, die Sänger und Bläser angeblich versprühen.
Michael S. Zerban