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Michael S. Zerban - Foto © O-Ton

Hohe Erwartungen

Am 6. Mai hat der nordrhein-westfä­lische Minis­ter­prä­sident, Armin Laschet, verkündet, dass Theater, Opern­häuser und Kinos am 30. Mai ihren Türen für das Publikum wieder öffnen dürfen. Die anderen Bundes­länder werden früher oder später folgen. Wenn das mal so einfach wäre. Zuschauer sollten ihre Erwar­tungen nicht zu hoch schrauben, denn die Hürden in der Organi­sation liegen höher. Aber auf sie warten jetzt ohnehin andere Aufgaben.

Armin Laschet, Minis­ter­prä­sident von Nordrhein-Westfalen – Foto © Laurence Chaperon

In vierzehn Tagen geht es endlich wieder los. Dann dürfen – zumindest in Nordrhein-Westfalen – Theater, Opern­häuser und Kinos unter strengen Auflagen wieder öffnen. Das hat Armin Laschet, Minis­ter­prä­sident von Nordrhein-Westfalen, am 6. Mai offiziell angekündigt. Na ja, wenn die Infek­ti­ons­zahlen bis dahin nicht wieder steigen. Aber davon gehen wir jetzt mal gar nicht aus, denn das wäre der nächste GAU. Bleiben wir optimis­tisch, und das ist schlimm genug. Viele Häuser haben ihren Spiel­be­trieb für diese Spielzeit bereits offiziell einge­stellt. Und die können den Betrieb jetzt nicht einfach mal schnell wieder hochfahren. Denn vor allem steht der Hygie­neplan. Und es ist ganz sicher nicht damit getan, einen Desin­fek­ti­ons­mit­tel­spender am Eingang aufzu­hängen und ein paar Plätze im Saal freizu­halten. Ein- und Ausgänge müssen geregelt werden bis hin zum Gang zur Toilette. Das Catering bleibt ohnehin geschlossen – und was ist mit der Masken­pflicht? Wie will man die paar Karten aufteilen, die es zu verkaufen gibt? Wird das vielfach angespro­chene Hybrid-Modell umsetzbar sein, nach dem die Zuschauer, die keine Karten bekommen – oder sich womöglich gar nicht trauen, ins Theater zu gehen – die Auffüh­rungen am Bildschirm daheim verfolgen können? Wenn also die Zuschauer endlich im Saal sitzen, ist noch lange nicht geklärt, was überhaupt auf der Bühne zu sehen sein soll. Die ganz große Aufführung wird es ohnehin nicht, denn das Kontakt­verbot gilt weiterhin bis mindestens zum 5. Juni. Da wird die Bühne und der Bewegungs­spielraum ziemlich eng. Wir dürfen gespannt sein, wie viele Theater und Opern­häuser diese Heraus­for­derung überhaupt annehmen und dann auch meistern werden und können.

Nein, ich werde hier nicht den Miesmacher und Pessi­misten geben. Ganz im Gegenteil. Die großen Häuser sind eh durch­sub­ven­tio­niert. Sie werden es verschmerzen können, wenn sie nur für wenige spielen dürfen oder gleich geschlossen bleiben, zumal damit die Aussicht, die nächste Spielzeit in gewohnter Weise in Angriff nehmen zu können, wächst. Wenn sie also überhaupt noch öffnen, brauchen wir uns da wenig Sorgen zu machen. Nein, es gibt vielmehr Grund zum Jubeln. Denn das Ende des Auftritts­verbots gibt unendlich vielen Solisten und Klein­künstlern endlich wieder die Möglichkeit, aktiv zu werden. Im Juni könnte die Stern­stunde der so genannten Freien Szene anbrechen. Weder das ganz große Tanz‑, noch das auch nur mittel­große Musik­theater oder das perso­nal­in­tensive Schau­spiel werden Anfang Juni auftrumpfen können. Kleine Spiel­stätten mit kurzen Wegen, keine überfüllten Foyers, sondern geräumige Außen­flächen bieten ideale Voraus­set­zungen, um Kontakt­verbote zu beachten. Lieder­abende, Drei-Personen-Stücke und Tanzauf­füh­rungen sind jetzt angesagt, weil sie im Sinne der Hygiene einfach, schnell und unkom­pli­ziert umzusetzen sind.

Aber nicht nur freie Schau­spieler, Musiker, Sänger und Tänzer sind jetzt in der Pflicht, mit größt­mög­licher Kreati­vität noch das Geld einzu­spielen, das ihnen der Staat mit seinem Auftritts­verbot verwehrt hat und auch nicht ausgleichen wollte, sondern vor allem die Zuschauer können jetzt zeigen, dass sie all die Lippen­be­kennt­nisse in den so genannten Sozialen Medien einlösen wollen. Jetzt heißt es auf beiden Seiten nicht mehr: Wir vermissen Euch so sehr. Jetzt heißt es, Augen auf, nach kleinen Veran­stal­tungen schauen und Karten ergattern. Und bitte nicht nach so genannten Ehren­karten fragen. Die Zeit ist gekommen, echte Solida­rität zu zeigen und die Künstler zu unter­stützen, die jetzt ihre Kreati­vität aufwenden, um in kürzester Zeit Auffüh­rungen zu organi­sieren, weil ihnen so viele Aufträge wegge­brochen sind. Es braucht jetzt keine „Spenden“ im Internet mehr, sondern handfeste Eintritts­karten, die an Mann und Frau gebracht werden müssen.

Wer als Zuschauer mit offenen Augen und wachem Verstand durch die Welt geht, wird in den Sommer­mo­naten – hoffentlich – aufre­gende Auffüh­rungen erleben können. Daran kann man sich dann berau­schen und die verlo­ren­ge­gangene Zeit zumindest gefühlt aufholen. Und das große Ballett sowie die großartige Oper kann man auch in der nächsten Spielzeit wieder erleben. Wenn es dann auch keine Diskus­sionen mehr um Aerosole gibt, die Sänger und Bläser angeblich versprühen.

Michael S. Zerban

Kommentare geben die persönliche Meinung der Verfasserin oder des Verfassers, aber nicht in jedem Fall die Auffassung von O‑Ton wieder.

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