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Spitze Zielgruppe

Vom 11. bis zum 14. April findet auf dem Areal Böhler in Meerbusch die sechste Ausgabe der Art Düsseldorf statt. Das ist keine Kunst­aus­stellung, sondern eine Messe für Galeristen. Die hoffen nach eher dürftigen Jahren auf die vom Veran­stalter verspro­chenen „Sammler aus Übersee“. Die Verkaufs­ver­an­staltung richtet sich also auch weniger an die Düssel­dorfer oder Meerbu­scher Bürger.

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Vor 110 Jahren entstand zwischen den Städten Meerbusch und Düsseldorf eine neue Fabrik der Stahl­in­dustrie. Fünf Jahre später wurden dort bereits 2.500 Menschen beschäftigt. 1993 wurden das Stahlwerk und die Schmiede geschlossen. Seither erfährt das Areal Böhler eine perma­nente Umnutzung. Zwar stehen die Gebäude wie die alte Schmie­de­halle, Glühofen­halle, Kaltstahl­halle und das alte Kesselhaus noch, produ­ziert wird doch jedoch nichts mehr. Statt­dessen finden auf den Flächen, die insgesamt 18.000 Quadrat­meter auf einem Grund­stück von 230.000 Quadrat­metern umfassen, Ausstel­lungen jeglicher Art statt. Es ist das, was man heute mit dem Charme alter Industrie eine „coole Location“ nennt.

Große Plakate weisen den Weg zur sechsten Ausgabe der Art Düsseldorf. Groß ist auch die Hoffnung der Kunst­händler. Walter Gehlen, Geschäfts­führer des Kölner Veran­stalters, erzählt, dass 60 bis 75 Prozent der Bewerber um einen Stand hätten abgewiesen werden müssen. Dieje­nigen, die einen Stand bekommen haben, sind trotz hoher Einstands­kosten zufrieden. Clara Maria Sels betreibt eine erfolg­reiche Galerie in der Düssel­dorfer Altstadt und hat sich eigentlich aus dem Messe­be­trieb zurück­ge­zogen. Jetzt will sie es noch einmal wissen und präsen­tiert sich wie der Großteil der 105 Anbieter mit einem gemischten Angebot verschie­dener Künstler. „Bei zehn Quadrat­metern pro Künstler ist kein Platz, in die Tiefe zu gehen“, sagt Gehlen.

Der zieht alle Register des Marke­tings, um die Anbieter zufrie­den­zu­stellen. Und übertreibt es damit ein wenig. Zum wieder­holten Mal steuert er 5.000 Euro bei, um Ankäufe des Mäzena­ten­kreises der Freunde des Kunst­pa­lastes zu unter­stützen. Bei einer solchen Summe ist das Erscheinen von Kunst­palast-Direktor Felix Krämer quasi Pflicht. Susanne Gaens­heimer, Direk­torin der Kunst­sammlung NRW, begleitet ihn. Beide haben allen­falls Margi­nales zu einer Kunst­messe zu erzählen, ist ja auch nicht ihre Aufgabe. Ohnehin lassen solche Verflech­tungen eher ein ungutes Gefühl zurück. Auch die Anwesenheit von Miriam Koch, Düssel­dorfer Dezer­nentin für Kultur und Integration wirkt eher fehl am Platz. Die Stadt Düsseldorf unter­stützt weder Messe noch Galeristen finan­ziell. Also freut sich die Dezer­nentin darüber, dass es mehr Besucher in der Stadt gibt.

Bunter Markt­platz

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Die erhofft sich Gehlen auch. Er baut dabei auf die Menschen, die eigentlich aus Übersee zur Biennale nach Venedig wollen und die Art Düsseldorf als Zwischen­auf­enthalt in ihre Reise einbauen. Das klingt gewagt. Aber die Messe ist bestens darauf vorbe­reitet. Die englische Sprache hat Vorrang – abgesehen von den Podiums­runden unter dem Titel talks, die vorsichts­halber auf Deutsch gehalten werden. Das dürfte dem einen oder anderen Galeristen auch so manche Peinlichkeit ersparen. Denn auf Anbie­ter­seite geht es dann doch nicht ganz so inter­na­tional zu. Gerade mal ein Drittel kommt aus dem Ausland – und da sind die öster­rei­chi­schen Galerien schon mit eingerechnet.

Die Vorschau-Veran­staltung ist recht gut besucht. Statt der vielbe­schwo­renen Diskurse über Kunst gibt es hier wohl eher Wieder­se­hens­freude alter Bekannter. Es gibt auch wenig zu disku­tieren, denn Themen wie Gesell­schaft, Politik oder gar Soziales gehören natur­gemäß nicht bevorzugt zum Angebot. Wenn Gehlen überhaupt Trends erkennen will, sieht er sie in einem Hang zu Textil, Keramik und Foto – ein Eindruck, der sich während des Rundgangs nicht bestä­tigen lassen will. Es ist eher der bunte Markt­platz mit vielen verschie­denen Impres­sionen. Und eigentlich ist das ja für eine Messe auch gar kein Manko. Was da schon eher stört, ist, dass es wenige Objekte gibt, bei denen das Auge mal aufleuchtet.

Die Düssel­dorfer oder Meerbu­scher Bürger braucht das nicht weiter zu scheren. Sie sind bei dieser Messe bei einem Eintritts­preis von 26 Euro – gemeint ist nicht der Gruppen­ein­tritt, sondern der Preis pro Person – ohnehin nicht angesprochen. Die Bentley-Flotte vor der Tür dürfte ihr Übriges dazu beitragen, dass man die Signale versteht. Die Art Cologne hat es in ihren Anfängen anders gemacht. Aber da war auch der Anspruch ein anderer. Aus Sicht von Galeristen könnte hier eine Chance vertan sein, unter­füttert die Dekadenz doch das Vorurteil, am Heimatort lieber nicht die Galerie zu betreten. Bleibt also die Hoffnung auf die „Sammler aus Übersee“.

Michael S. Zerban

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