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Wer sich in den vorweihnachtlichen Trubel auf der Düsseldorfer Königsallee begibt, sollte durchaus auch ein paar Schritte abseits wagen. Im Stilwerk in der Grünstraße stellt Maxim Wakultschik bis Anfang Januar 15 Optical Portraits unter dem Titel Behind the Point of Infinity aus. Der Besuch im ersten Obergeschoss der mehrstöckigen Einkaufspassage lohnt doppelt, weil sich hier einige Galerien angesiedelt haben.

Die Grünstraße in Düsseldorf geht von der Königsallee ab. Hier befindet sich das Stilwerk, eine mehrstöckige Einkaufspassage der gehobenen Preisklasse. Im ersten Obergeschoss residieren einige Galerien, darunter die Christian-Marx-Galerie. 2009 gegründet, konzentriert sich die Galerie auf die Betreuung eines festen Künstlerstamms. „In den Anfangsjahren lag der Fokus auf der Förderung junger Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie“, kann man auf der Netzseite lesen. Mit den Jahren hat die Galerie sich internationalisiert und damit auch Künstler aus verschiedensten Teilen der Welt versammelt. „Bei der Auswahl unserer Künstler legen wir größten Wert auf die Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit in der Bildsprache, sowie ein Höchstmaß an handwerklichen Fähigkeiten bei der Umsetzung ihrer Kunstwerke“, betont Marx.
Seit vierzehn Jahren gehört Maxim Wakultschik zu „seinen“ Künstlern. „Die Zusammenarbeit mit Maxim ist für mich etwas ganz Besonderes. Über viele Jahre hinweg hat er mit seiner Leidenschaft zur Kunst immer wieder neue Impulse gesetzt. So ist nicht nur eine beeindruckende künstlerische Entwicklung entstanden, sondern auch eine echte Freundschaft. Seine unterschiedlichen Werkzyklen mitzuerleben und zu fördern war eine besondere Freude, nicht nur für mich, sondern auch für meine kunstinteressierten Besucher”, erzählt Marx.
Wakultschik ist 1973 im weißrussischen Minsk geboren. In jungen Jahren bewies er ein außergewöhnliches Talent für Mathematik. „„Die Schönheit des Universums basiert auf mathematischen Gesetzen. Linien, Farben zeigen für mich dieselbe Präzision und Harmonie wie Formeln. Wenn ich kein Künstler geworden wäre, wäre ich heute Mathematiker“, sagt er. Am belarussischen Lyzeum der schönen Künste in seiner Heimatstadt erhielt er eine intensive Ausbildung in klassischer Kunst – eine Grundlage, die bis heute seine kreative Arbeit prägt. Von 1992 bis 2000 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf. Die Landeshauptstadt wurde ihm zur neuen Heimat. Hier arbeitet er, von hier aus organisiert er seine internationalen Ausstellungen.

In der Galerie ist nun seine neue Ausstellung zu begutachten. Behind the Point of Infinity – Hinter dem Punkt der Unendlichkeit – nennt Wakultschik sie und nimmt damit Bezug auf seine Philosophie, die er in einem Manifest formuliert hat. „Der schwarze Punkt ist für mich im Gegensatz zum schwarzen Quadrat ein Symbol der Kreativität, des Moments des Urknalls, der Genesis. An diesem Punkt konzentriert sich die Energie der unendlichen Möglichkeiten, aus der Licht, Bewegung und das Leben selbst entstehen“, ist da zu lesen. Die 15 neuen Arbeiten kann man als Weiterentwicklung des Pointillismus verstehen. Bei dieser Stilrichtung, die zwischen 1889 und 1910 ihre Blütezeit hatte, erfolgt der Farbauftrag in unzähligen Punkten, Tupfern oder kurzen Strichen, die sich erst im Auge des Betrachters mischen. Wakultschik verleiht seinen Werken eine neue Dimension. Er färbt Holzstäbchen ein und setzt sie dann zu, wie er es nennt, Optical Portraits zusammen. So gewinnen die Werke an Tiefe, bleiben je nach Blickwinkel unscharf und verändern vor allem, je nach Standpunkt des Betrachters, ihre Wirkung. Über 1.500 Farbtöne und bis zu 100.000 Stäbchen verwendet der Künstler in unterschiedlicher Dichte und verschiedenen Formaten.
Im dunklen Raum der Galerie erhellen Spots die Bilder, aber man muss schon genau hinschauen, um das Porträt von Frida Kahlo zu entdecken, die, so viel sei hier verraten, sich im Hintergrund der Theke versteckt. Bei der Vernissage sei der Künstler anwesend, hieß es in der Vorankündigung. Und dem ist auch so. Nur, dass er für seine Gäste keine Zeit hat. Denn er ist mit einem Foto-Shooting beschäftigt. Und da muss der Fotograf schon mal die Gäste beiseite drängen, damit sie nicht störend in den unaufschiebbar wichtigen Fotografien erscheinen. Für einen Freund der Mathematik beweist der Künstler da ein erstaunlich schlechtes Gefühl für das richtige Timing. Ein weiterer Fotograf benötigt viel Platz, damit er mit einer tragbaren Softbox Gäste fotografieren kann. Da rücken die Porträts, die an der Wand hängen, in den Hintergrund.
Dass man, sofern man nicht zum unmittelbaren Bekannten‑, Freundes- und Kundenkreis des Galeristen oder Künstlers gehört, bei einer Vernissage gern schon mal unbeachtet am Rand stehen bleibt, scheint zur Normalität zu gehören. Christian Marx ist es gelungen, das noch zu steigern. Da ist die Hoffnung groß, dass es bei einem Besuch in den kommenden Wochen ein wenig freundlicher zugeht.