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Victor van Keuren und Bernd Lausberg - Foto © O-Ton

Unbekannte Natur

Eine Kunst­aus­stellung in einem Wirtschaftsclub, die sich mit intakter Natur befasst – das klingt wohl erst mal nach einem Wider­spruch. Galerist Bernd Lausberg lässt sich auf das Spannungsfeld ein und zeigt Arbeiten des ameri­ka­ni­schen Fotografen Victor van Keuren, der Natur­ex­treme abbildet, ohne einen morali­schen Zeige­finger zu erheben. Das ist nicht nur angenehm, sondern auch faszi­nierend. Bis zum 27. Mai ist die Ausstellung noch zu sehen.

Foto © O‑Ton

Der Wirtschaftsclub Düsseldorf gibt sich gern exklusiv. In unmit­tel­barer Nähe zur Königs­allee im vierten Stock der Schadow-Arkaden gelegen, dürfen Mitglieder die Räumlich­keiten zum Beispiel für geschäft­liche Verab­re­dungen nutzen, können sich aber auch Clubfremde einmieten. Regel­mäßig finden dort auch Vorträge oder Veran­stal­tungen statt, die über rein wirtschaft­liche oder politische Themen hinaus­gehen. Galerist Bernd Lausberg hat in das gediegene Ambiente einge­laden, um eine Ausstellung der Werke von Victor van Keuren zu zeigen. Der Fotograf erhielt seine Ausbildung am Brooks Institute of Photo­graphy im kalifor­ni­schen Santa Barbara, am Rochester Institute of Technology und in den Kodak Labora­tories in New York. Seine künst­le­rische Tätigkeit hat er stets als Reise begriffen. Er versuchte sich in Fotografie, Film, Zeich­nungen und Malerei. Schritt für Schritt waren seine Werke mehr und mehr von Zeitlo­sigkeit und Ewigkeit gekenn­zeichnet. Berühmt wurde van Keuren mit schwarz­weißen Landschafts­fo­to­grafien. Zahlreiche Bildbände zeugen von seinem Schaffen.

Unter dem Titel Edge of the Worlds – Am Rande der Welten – sind jetzt in Düsseldorf 21 seiner Fotografien aus den Serien dos desertios, Metamor­phosis und Antar­ctica zu sehen. Für die Vernissage hat Lausberg die Kunst­his­to­ri­kerin Sophia Sotke einge­laden, um in das Werk van Keurens einzu­führen. Ein Glücksfall, möchte man meinen. Denn die gebürtige Düssel­dor­ferin ist nicht nur wissen­schaft­liche Mitar­bei­terin des Künstlers Heinz Mack, sondern hat auch ihre Doktor­arbeit über dessen vermutlich bedeu­tendste Arbeit, das Sahara-Projekt, geschrieben. Nachdem Mack 1957 zusammen mit Otto Piene die Zero-Gruppe gegründet hatte, die Kunst von Null an neu definieren und damit vom Konsum befreien wollte, formu­lierte er zwei Jahre später sein Kunstwerk in der Wüste, das er wiederum drei Jahre später umzusetzen begann. Sein Jardin artificiel bestand aus Sandre­liefs, Kuben, Spiegeln, Flügel­re­liefs, Segeln, Fahnen und monumen­talen Licht­stelen. Ein Kunstwerk, das als Vorläufer der Land Art verstanden werden kann. Die entstand in den 1960-er Jahren in Amerika als Kampf­ansage an das Besitz­bür­gertum, das Kunst­werke nur noch als Speku­la­ti­ons­ob­jekte betrachtete. Mit solchem Hinter­grund­wissen ist Sotke bestens gerüstet, das Werk van Keurens einzuordnen.

Foto © O‑Ton

„Ich glaube nicht, dass die Kunst mit der Natur mithalten kann. Stellen Sie das beste Objekt, das Sie kennen, neben den Grand Canyon, die Niagara-Fälle oder die Red Woods. Die großen Dinge gewinnen immer“, sagte Walter De Maria 1963. Und damit beginnt Sotke ihren kurzwei­ligen Vortrag. Ja, sie geht noch weiter zurück, zu den roman­ti­schen Malern der Hudson River School, die im 19. Jahrhundert „den Pionier­geist der Siedler zum Ausdruck brachten, in dem sie die Schönheit der ameri­ka­ni­schen Landschaft darstellten“. Über die Land Art, zu der eben auch De Maria gehörte, der Edelstahl­stäbe in der Wüste New Mexikos grub, die Blitze von Gewittern während der Monsun-Saison anziehen. Von dort aus schlägt Sotke den Bogen zu dem Fotografen der Gegenwart, der aus ihrer Sicht dafür bekannt ist, „die Essenz der abgele­gensten Orte unseres Planeten“ einfangen zu können.

Obwohl er damit eigentlich einen neuen Weg geht, wenn er eben nicht zugunsten der Kunst in die Natur eingreift, sondern sie mit seinen Mitteln neu erfahrbar macht. Unbekannte Bilder liefert, die durchaus geeignet sind, dem Betrachter kurzzeitig den Atem zu rauben. Auch wenn er Fotografien wie in Metamor­phosis um eigene Fantasien berei­chert, hebt van Keuren nie den Zeige­finger des Umwelt-Moralisten, sondern lässt die Bilder wirken. Und die Frage offen im Raum stehen: Wollen wir diese fantas­ti­schen Eindrücke von den Rändern der Welt, den Eisbergen und Wüsten, riskieren? Eine hypothe­tische Frage, wenn wir davon ausgehen, dass uns die Welt mögli­cher­weise selbst die hypno­tische Kraft der verschwin­denden Bilder entzieht und wir Menschen in unserer Überheb­lichkeit nur glauben, das sich seit jeher wandelnde Klima beein­flussen zu können. Van Keuren erliegt statt­dessen immer wieder der Lust des Entde­ckens von bislang unbekannten Texturen und Struk­turen und dem Spaß, diese Entde­ckungen mit anderen Menschen zu teilen.

Inzwi­schen ist van Keuren auf seiner Reise weiter­ge­zogen, fängt noch aufre­gendere Bilder nicht mehr mit der Kamera auf dem Boden ein, sondern lässt Drohnen über den Wüsten aufsteigen. Daraus entstanden bislang zwei Filme – dos desiertos und Dialogue Earth. Den Film über zwei Wüsten kann man sich am 16. Mai im Wirtschaftsclub Düsseldorf anschauen, dieses Mal untermalt mit der Musik des kubani­schen Gitar­risten Juniors César Sarracent. Von früheren Auffüh­rungen weiß man, wie aufregend diese Bilder sind – ob der Film sich ebenso ins Gedächtnis brennt wie die Bilder, muss jeder für sich selbst erfahren.

Michael S. Zerban

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