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Verwischte Wirklichkeit

Gudrun Kemsa macht in ihren fotogra­fi­schen und Video­ar­beiten die Welt zu ihrer Bühne, erzählt Galerist Bernd Lausberg, als er am 25. April ihre neue Ausstellung Flowing Motions im Wirtschaftsclub Düsseldorf eröffnet, die bis zum 1. September zu sehen ist. Von der Ruhe und der Ausstrah­lungs­kraft der Fotografien können sich die zahlreichen Besucher der Vernissage dann selbst überzeugen.

Foto © Michael Zerban

Als Bernd Lausberg seine eigene Galerie aufgab, war der Schrecken seiner Anhän­ger­schar im ersten Augen­blick groß. Seither lädt er an außer­ge­wöhn­liche und exklusive Orte ein – und das Konzept geht auf. Auch an diesem Freitag versammelt sich die Gemeinde im Wirtschaftsclub Düsseldorf. Man kennt sich, und so ist die aktuelle Vernissage nicht nur dem Interesse an der Kunst geschuldet, sondern auch ein Wieder­sehen langjäh­riger Bekannter. Dementspre­chend kann der Abend nur ein Erfolg werden. Zumal Gudrun Kemsa zu den Künstlern gehört, die Lausberg seit vielen Jahren betreut und die eben auch seinen Besuchern längst bekannt ist.

Kemsa wurde 1961 in Datteln, einer Stadt mit rund 35.000 Einwohnern im Kreis Reckling­hausen, geboren. Heute lebt sie in Düsseldorf. Sie studierte an der Düssel­dorfer Kunst­aka­demie und schloss als Meister­schü­lerin ab. Seit 2001 lehrt sie als Profes­sorin für „Bewegte Bilder und Fotografie“ an der Hochschule Nieder­rhein in Krefeld.

In ihrer fotogra­fi­schen Arbeit hat sie sich nie für die Dokumen­tation des Gewesenen inter­es­siert. Wichtiger ist für sie „die Darstellung der Wahrnehmung von Licht, Raum und Zeit“. Ihre vielfach preis­ge­krönten Arbeiten strahlen dabei stets Bewegung aus. Sei es die Verschiebung der Wirklichkeit, wenn sie die Topografie mit niedriger Verschlusszeit abfährt, sei es, dass sie Bewegung vorweg­nimmt, die sich dann erst im Kopf des Betrachters abspielt.

Foto © Michael Zerban

Die schlechte Nachricht verkündet Lausberg gleich zu Beginn. „Bei der Auswahl für diese Ausstellung haben wir uns bewusst gegen Fotos mit Perso­nen­staffage entschieden“, erzählt er und meint damit einen wesent­lichen Teil von Kemsas Arbeit, wie sie ihn in der Serie New York, New York zeigte. Hier wurde New York für die Künst­lerin zu einer enormen Kulisse. „Aus dem rauschenden Großstadt­alltag löst sie zwischen­mensch­liche Szenen und die anonymen Protago­nisten agieren inmitten der urbanen Archi­tektur wie im Film: vorüber­eilend, reglos wartend vor Boutiquen oder Straßen­kreu­zungen“ ist im dazuge­hö­rigen Bildband zu lesen. Tatsächlich wirken die Menschen in ihrer Street Photo­graphy, als bewegten sie sich auf einer Bühne. Damit hat sie eine für das Genre mögli­cher­weise einzig­artige Ästhetik geschaffen, und umso bedau­er­licher ist, diesen Teil ihres Schaffens nicht im Wirtschaftsclub zu erleben.

In ihren Serien Moving Images, Seaside oder Water sind Landschafts­fo­to­grafien zu sehen, die von vielen Reisen erzählen. Darunter mischen sich, wie auch bei den Straßen­fo­to­grafien, immer wieder Bilder aus Düsseldorf wie etwa ein verwischtes Foto vom Schau­spielhaus, das dem schnellen Pinsel­strich in der Malerei ähnelt. Dabei ist eigentlich allen Bildern gemein, dass sie nie unruhig wirken, fast schon eine meditative Ausstrahlung bieten. Das ist auch in Kemsas zweiter Beschäf­tigung, nämlich der Video­grafie spürbar, die in der Ausstellung nur auf einem Monitor zu sehen und damit unter­re­prä­sen­tiert ist.

Ein Lob gilt sicher der Hängung, die sich über den gesamten Raum erstreckt, thema­tisch überzeugend geordnet ist und so Kapitel bildet, in die die Besucher gern eintauchen und davor auch verweilen. Die Ausstellung ist für die Öffent­lichkeit zugänglich. Das Gesamtwerk von Gudrun Kemsa ist in zahlreichen Bildbänden dokumen­tiert. Es lohnt sich, danach Ausschau zu halten.

Michael S. Zerban

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