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Am Stand von Lena Claus - Foto © O-Ton

Sympathische Vielfalt

Kunst­märkte gibt es viele, die Qualität ist durchaus unter­schiedlich. Sehr häufig geht es dabei in erster Linie darum, den Veran­staltern Geld in die Kassen zu spülen. Dass es auch anders funktio­nieren kann, zeigt das Loft of Art Weekend, das am Pfingst­wo­chenende zum zweiten Mal in Düsseldorf stattfindet.

Das letzte Abendmahl von Dmytro Geshen­gorin – Foto © O‑Ton

Künstler, zumal, wenn sie nicht durch ein Studium in Netzwerke und damit Zugang zum Kunst­markt finden, haben es schwer, auf Kunden zu treffen, vor allem, wenn die Kunst sich für mehr als einen Flohmarkt eignet. Da kann Selbst­hilfe ein probates Mittel sein. Haben sich auch Künstler in Düsseldorf gedacht und im vergan­genen November einen eigenen Kunst­markt gegründet. Erstmalig fand das Loft of Art Weekend im Düssel­dorfer Stadtteil Flingern statt, einem Stadt­viertel, das sich durch zahlreiche Galerien auszeichnet. Elf Künstler unter­schied­lichster Genres haben sich im vergan­genen Jahr zusam­men­ge­funden und konnten bereits mit dieser Veran­staltung mehr als 400 Besucher verzeichnen. Von solchem Erfolg ermutigt, darf es diesmal sogar das Pfingst­wo­chenende sein, ein Zeitpunkt, den tradi­tionell viele Menschen für Kurzreisen nutzen, anstatt in der eigenen Stadt Märkte zu besuchen.

Der neue Veran­stal­tungsort, die Spieloase im Stadtteil Bilk, könnte kaum passender sein. Zum einen gibt es auf der Brunnen­straße zahlreiche Ateliers, anderer­seits ist die Spieloase in einem Hinterhof eine Art Bürger­treff mit Schwer­punkt Kinder und Frauen, von dem die Anwohner unter­schied­lichste Angebote gewohnt und entspre­chend offen dafür sind. Der Empfang in der Hofzu­fahrt ist ausge­sprochen freundlich. Nach herzlicher Begrüßung gibt es eine Erläu­terung der Örtlich­keiten und – warum auch immer bei freiem Eintritt – einen Stempel auf die Hand. Der Hinterhof ist riesig und von einer Spiel­land­schaft geprägt. Linkerhand liegt die Spieloase. An einem Außen­stand werden kleine Speisen angeboten. Ebenerdig geht es in eine Halle. Ein wenig nervig ist die Ausschil­derung auf Möchtegern-Englisch schon. Also ab in die „Turntable Halle“. Links in dem Saal ist eine Bühne errichtet, auf der ein junger Mann für Musik aus der Konserve sorgt. An den Wänden entlang und in der Mitte des Raums sind Stände aufgebaut, an denen die Künstler die Besucher freundlich willkommen heißen. In dieser freund­lichen Atmosphäre bedauert man fast schon ein wenig, nicht bereits am Vorabend dagewesen zu sein, um das musika­lische Programm mitzu­er­leben. Im oberen Saal, der über eine Außen­ter­rasse erreichbar ist, gibt es zudem eine „Bar“, die jetzt am Nachmittag Kaffee und Kuchen ausgibt. Das künst­le­rische Angebot ist breit­ge­fä­chert, reicht von Kunst­ge­werbe über Modedesign bis zu hochwer­tigen Fotografien und Gemälden. So ist für jeden Geldbeutel etwas dabei.

Getippte Gedichte von Luca Thiel – Foto © O‑Ton

Carolin Herzberg, Matthias Diebels, Vernice Collet, Lotta Krickel, Gerrit Jansen und Alexandra Lehmberg haben das Loft of Art Weekend gegründet und sind Düssel­dorfer Künstler „aus Leiden­schaft. Ohne Kunst­hoch­schul­ab­schluss. Wir teilen die Überzeugung, dass es mehr denn je darauf ankommt, Horizonte zu erweitern, neue Perspek­tiven zu entdecken, offen und neugierig zu sein und zu bleiben. Dass es nicht mehr ausreicht, nur in gewohnten Grenzen zu denken – weder in der Kunst noch in der Gesell­schaft“. Herzberg lässt Bilder­rahmen zum Teil ihrer Kunst werden. Ihre lebhafte Acryl­ma­lerei sprengt dabei die Grenzen des Gemäldes, ohne es wirklich zu verlassen. Diebels trägt den Künst­ler­namen Pierce und schafft als solcher ASCII-Kunst, also Gemälde aus Code-Zeilen. Illus­tra­tionen gibt es bei Collet. Mit Sicherheit den Höhepunkt des Markt­platzes stellt die insze­nierte Fotografie Das letzte Abendmahl von Dmytro Geshen­gorin dar, die bereits in New York und Tokyo Preise einge­heimst hat. Der Künstler zeigt seine ganz eigene Auffassung von den Jüngern, bei der die Jesus-Anhänger keine allzu rühmliche Rolle spielen. Lena Claus reprä­sen­tiert den modischen Teil der Ausstellung. Die Modede­si­gnerin fertigt indivi­duelle Modelle, immer mit der Nachhal­tigkeit der Materialien im Blick. Bei Creact gibt es die Möglichkeit, gleich selbst vor Ort kreativ zu werden. Ebenfalls mit einer beson­deren Idee beein­druckt Luca Thiel, der mit einer Schreib­ma­schine auf der Terrasse Platz genommen hat und Gedichte tippt, die die Besucher mitnehmen können.

Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen, denn aus den elf Künstlern der ersten Veran­staltung sind inzwi­schen bereits 25 geworden. Die Zeit verfliegt hier im nu. Wenn man möchte, kommt man schnell mit den Künstlern ins Gespräch, auch ohne gleich Kaufab­sichten zu äußern. Oder verschafft sich einfach einen Überblick dank der Kurzcha­rak­te­ris­tiken, die an jedem Stand aushängen. Man merkt, dass das Organi­sa­ti­onsteam hier im Vorfeld jede Menge Arbeit inves­tiert hat. Das Besucher­interesse ist groß und dürfte die 400 Besucher des Vorjahres deutlich übertreffen. Was zeigt, dass solche Veran­stal­tungen auch Menschen für Kunst begeistern können, die sich üblicher­weise von diesem Thema nicht so angesprochen fühlen.

Michael S. Zerban

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