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Kunstmärkte gibt es viele, die Qualität ist durchaus unterschiedlich. Sehr häufig geht es dabei in erster Linie darum, den Veranstaltern Geld in die Kassen zu spülen. Dass es auch anders funktionieren kann, zeigt das Loft of Art Weekend, das am Pfingstwochenende zum zweiten Mal in Düsseldorf stattfindet.

Künstler, zumal, wenn sie nicht durch ein Studium in Netzwerke und damit Zugang zum Kunstmarkt finden, haben es schwer, auf Kunden zu treffen, vor allem, wenn die Kunst sich für mehr als einen Flohmarkt eignet. Da kann Selbsthilfe ein probates Mittel sein. Haben sich auch Künstler in Düsseldorf gedacht und im vergangenen November einen eigenen Kunstmarkt gegründet. Erstmalig fand das Loft of Art Weekend im Düsseldorfer Stadtteil Flingern statt, einem Stadtviertel, das sich durch zahlreiche Galerien auszeichnet. Elf Künstler unterschiedlichster Genres haben sich im vergangenen Jahr zusammengefunden und konnten bereits mit dieser Veranstaltung mehr als 400 Besucher verzeichnen. Von solchem Erfolg ermutigt, darf es diesmal sogar das Pfingstwochenende sein, ein Zeitpunkt, den traditionell viele Menschen für Kurzreisen nutzen, anstatt in der eigenen Stadt Märkte zu besuchen.
Der neue Veranstaltungsort, die Spieloase im Stadtteil Bilk, könnte kaum passender sein. Zum einen gibt es auf der Brunnenstraße zahlreiche Ateliers, andererseits ist die Spieloase in einem Hinterhof eine Art Bürgertreff mit Schwerpunkt Kinder und Frauen, von dem die Anwohner unterschiedlichste Angebote gewohnt und entsprechend offen dafür sind. Der Empfang in der Hofzufahrt ist ausgesprochen freundlich. Nach herzlicher Begrüßung gibt es eine Erläuterung der Örtlichkeiten und – warum auch immer bei freiem Eintritt – einen Stempel auf die Hand. Der Hinterhof ist riesig und von einer Spiellandschaft geprägt. Linkerhand liegt die Spieloase. An einem Außenstand werden kleine Speisen angeboten. Ebenerdig geht es in eine Halle. Ein wenig nervig ist die Ausschilderung auf Möchtegern-Englisch schon. Also ab in die „Turntable Halle“. Links in dem Saal ist eine Bühne errichtet, auf der ein junger Mann für Musik aus der Konserve sorgt. An den Wänden entlang und in der Mitte des Raums sind Stände aufgebaut, an denen die Künstler die Besucher freundlich willkommen heißen. In dieser freundlichen Atmosphäre bedauert man fast schon ein wenig, nicht bereits am Vorabend dagewesen zu sein, um das musikalische Programm mitzuerleben. Im oberen Saal, der über eine Außenterrasse erreichbar ist, gibt es zudem eine „Bar“, die jetzt am Nachmittag Kaffee und Kuchen ausgibt. Das künstlerische Angebot ist breitgefächert, reicht von Kunstgewerbe über Modedesign bis zu hochwertigen Fotografien und Gemälden. So ist für jeden Geldbeutel etwas dabei.

Carolin Herzberg, Matthias Diebels, Vernice Collet, Lotta Krickel, Gerrit Jansen und Alexandra Lehmberg haben das Loft of Art Weekend gegründet und sind Düsseldorfer Künstler „aus Leidenschaft. Ohne Kunsthochschulabschluss. Wir teilen die Überzeugung, dass es mehr denn je darauf ankommt, Horizonte zu erweitern, neue Perspektiven zu entdecken, offen und neugierig zu sein und zu bleiben. Dass es nicht mehr ausreicht, nur in gewohnten Grenzen zu denken – weder in der Kunst noch in der Gesellschaft“. Herzberg lässt Bilderrahmen zum Teil ihrer Kunst werden. Ihre lebhafte Acrylmalerei sprengt dabei die Grenzen des Gemäldes, ohne es wirklich zu verlassen. Diebels trägt den Künstlernamen Pierce und schafft als solcher ASCII-Kunst, also Gemälde aus Code-Zeilen. Illustrationen gibt es bei Collet. Mit Sicherheit den Höhepunkt des Marktplatzes stellt die inszenierte Fotografie Das letzte Abendmahl von Dmytro Geshengorin dar, die bereits in New York und Tokyo Preise eingeheimst hat. Der Künstler zeigt seine ganz eigene Auffassung von den Jüngern, bei der die Jesus-Anhänger keine allzu rühmliche Rolle spielen. Lena Claus repräsentiert den modischen Teil der Ausstellung. Die Modedesignerin fertigt individuelle Modelle, immer mit der Nachhaltigkeit der Materialien im Blick. Bei Creact gibt es die Möglichkeit, gleich selbst vor Ort kreativ zu werden. Ebenfalls mit einer besonderen Idee beeindruckt Luca Thiel, der mit einer Schreibmaschine auf der Terrasse Platz genommen hat und Gedichte tippt, die die Besucher mitnehmen können.
Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen, denn aus den elf Künstlern der ersten Veranstaltung sind inzwischen bereits 25 geworden. Die Zeit verfliegt hier im nu. Wenn man möchte, kommt man schnell mit den Künstlern ins Gespräch, auch ohne gleich Kaufabsichten zu äußern. Oder verschafft sich einfach einen Überblick dank der Kurzcharakteristiken, die an jedem Stand aushängen. Man merkt, dass das Organisationsteam hier im Vorfeld jede Menge Arbeit investiert hat. Das Besucherinteresse ist groß und dürfte die 400 Besucher des Vorjahres deutlich übertreffen. Was zeigt, dass solche Veranstaltungen auch Menschen für Kunst begeistern können, die sich üblicherweise von diesem Thema nicht so angesprochen fühlen.
Michael S. Zerban