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Dunkle Wolken am Horizont

Ein Düssel­dorfer Fotohändler scheut weder Kosten noch Mühen, um ein „Networking-Event“ zu veran­stalten und lädt inter­es­sierte Fotografen in eine Brauerei ein, um ihnen Gelegenheit zu geben, sich kennen­zu­lernen und gleich­zeitig auch noch in Kurzvor­trägen etwas über die Zukunft der Fotografie und den richtigen Umgang mit den so genannten sozialen Medien zu erfahren. Dabei geht es um mehr als Kundenbindung.

Foto © Michael Zerban

Wer in den vergan­genen Jahren Kameras und Zubehör verkaufen wollte, fand im Internet einen starken Helfer. Ein regel­rechter Boom an Videos bot alles, was das Herz des Foto-Enthu­si­asten begehrt. Lehrvideos, Produkt­vor­stel­lungen und ‑tests, Fotobe­spre­chungen – es gab nichts, was der angehende, der Hobby- oder auch der profes­sio­nelle Fotograf nicht auf einer Video­plattform fand. Da war die Versu­chung groß, sich endlich mal wieder eine Kamera anzuschaffen, um auf Instagram mit der Konkurrenz mitzu­halten. Das Schöne für die Kamera­her­steller: Sie brauchten nicht einmal teure Werbe­filme bereit zu stellen. Ganze Scharen von Video­grafen sorgten dafür, dass die neue, noch bessere, noch schönere Kamera in den Zielgruppen vorge­stellt wurde. Aller­dings war der Aufwand für die Produktion solcher Videos wohl größer als der erhoffte Nutzen. Und so haben sich in der jüngsten Vergan­genheit zahlreiche „große Namen“ aus der Szene verab­schiedet. Der Überdruss an techni­schen Super­la­tiven nimmt zu, zumal die techni­schen Ausstat­tungen der Kameras immer ähnlicher werden. Mit der Aufzählung von „specs“, also techni­schen Merkmalen, kann man schon lange keine Reich­weiten mehr erzielen. Angesichts steigender Preise nimmt der Unmut weiter zu. Bei der Vorstellung eines neuen Produkts zu deutlich überteu­ertem Preis in den vergan­genen Wochen kam es gar zu so etwas wie einer „Revolution“. Kaum ein Rezensent, der diesen Preis noch recht­fer­tigen mochte. Gelang es vor einigen Monaten einem anderen Hersteller, mit der Vorstellung einer neuen Kamera einen Hype auszu­lösen, erfahren die Käufer nun, dass das neueste Modell die Super-Kamera in den Schatten stellt. So verlieren nicht nur die Hersteller, sondern auch die Rezen­senten an Glaub­wür­digkeit. Kurzum: Es ziehen Wolken am Horizont auf.

Fotografen, insbe­sondere im Hobby-Bereich, sind Einzel­kämpfer. Und Einzel­kämpfer sind als Zielgruppe sehr schwer zu erreichen. Einzel­kämpfer verlieren auch eher die Lust an ihrem Hobby. Und wenn die Kamera erst mal im Schrank verschwunden ist, holt sie so schnell niemand mehr hervor, eher inves­tiert man in ein neues Mobil­funk­gerät, dessen Kamera inzwi­schen immer besser wird. Dem wirken die Kamera-Verkäufer entgegen, indem sie zu Veran­stal­tungen einladen, ihren Zielgruppen eine Plattform zur Vernetzung anzubieten. Und tatsächlich scheinen sie damit einen Nerv zu treffen. Wenn etwa Foto Koch an einem Diens­tag­abend in eine Düssel­dorfer Brauerei für satte fünf Stunden zum „Networking-Event“ bittet, sind alle Plätze ausge­bucht. Der Händler lässt sich den Spaß etwas kosten, wird dabei von einem bekannten asiati­schen Kamera-Hersteller unter­stützt. Kosten­freie Getränke und Speisen locken zusätzlich zum freien Eintritt. Da fragt man sich aller­dings, warum es dann nicht für Namens­schilder reicht, die dem Netzwerk-Gedanken durchaus förderlich sind.

Gereicht hat das Budget aller­dings für zwei Kurzvor­träge, die mögli­cher­weise für Gesprächs­stoff sorgen können, zumal als Vortra­gende zwei Personen gewonnen werden konnten, die man getrost als Publi­kums­ma­gneten bezeichnen darf. Die 27-jährige Hanna Ki kommt aus Hamburg und positio­niert sich selbst als „Fotografin für visuelles Storytelling“. Nach eigener Aussage fotogra­fiert sie „kreative und authen­tische Kampagnen für Hideaways, Outdoor und Lifesty­le­marken“. In nicht ganz 15 Minuten referiert sie zum Thema Fotografie im Wandel – Storytelling statt Algorithmus. Die Heraus­for­de­rungen liegen auf dem Tisch. Die Technik ist inzwi­schen so weiter­ent­wi­ckelt, dass nahezu jeder fotogra­fieren kann. Ob Fotografie in Zukunft überhaupt noch notwendig ist, wird mit der so genannten Künst­lichen Intel­ligenz in Frage gestellt. Und die so genannten Sozialen Medien sorgen mit ihren Vorgaben für eine Gleich­för­migkeit, die indivi­duelle Ideen oder Weiter­ent­wick­lungen unter­drückt. Ist die Fotografie also im Wandel, womöglich gar vor dem Aus? Ki blickt eher optimis­tisch in die Zukunft. „Ich möchte mich selber und jeden anderen Fotografen ermutigen, einfach den eigenen Stil wirklich ernst zu nehmen, eine eigene Sprache weiter­zu­ent­wi­ckeln, sich dafür auch wirklich Zeit zu lassen und sich nicht stressen zu lassen von den ganzen Trends, die uns irgendwie umgeben“, sagt sie. Nach ihrer Auffassung bietet eine neue Wirklichkeit auch neue Chancen. „Ich glaube ganz fest daran, dass jeder von uns seine ganz eigene visuelle Sprache hat und das eine Linie ist, die sich durch unsere Arbeit zieht, auch wenn sie sich mit jedem einzelnen Projekt, das wir haben, weiter­ent­wi­ckelt. Also von dem, mit dem wir heute zu tun haben, sollten wir uns nicht unter­kriegen lassen, sondern ganz im Gegenteil sollten wir uns inspi­rieren lassen“, ist die Fotografin überzeugt. Abschließend zitiert sie, was sie tief beein­druckt hat. „Wir sind überhaupt nicht hier, um Erwar­tungen zu erfüllen, wir sind hier, um Deutung zu schaffen.“

Call to Action

Foto © Michael Zerban

Während immer häufiger zu hören ist, dass sich Fotografen aus Instagram zurück­ziehen und zu alten Foto-Commu­nities zurück­kehren, entpuppt sich Werbe­fo­to­grafin Eleni Bogatini als glühende Verfech­terin der Plattform. Schließlich, so erzählt sie in ihrem Vortrag Social Media für Fotografen – mehr als nur schöne Bilder posten, beziehe sie so gut wie alle Aufträge über den Kanal. Studiert hat sie auf Lehramt, ein Marketing-Studium angeschlossen, heute gibt sie Workshops, übernimmt Aufträge von Model-Agenturen und Influencern. „Es ist super spannend, die Social-Media-Bubble als positives Instrument zu betrachten und eben nicht als etwas Negatives. Denn es geht nun mal darum, dass wir Fotografen auch gesehen werden wollen für das, was wir kreieren und was wir schaffen“, eröffnet sie, um anschließend ihre Arbeits­weise in den Sozialen Medien zu erläutern. „Ich zeige immer wieder Behind the Scenes anhand von Reels, ich zeige Vlogs ebenfalls anhand von Reels und ich zeige meine Fotoer­geb­nisse natürlich mit Postings und Texten. Und im Alltag, das ist das, was ich mache, ich zeige im Alltag Privates, zum Beispiel, wie ich mich heute fertig gemacht habe. Ich wurde geschminkt, ich hatte heute Morgen noch ein Fotoshooting“. Unter dem Motto Authen­ti­zität schlägt Ästhetik erzählt Bogatini alles das, was auch Influencer kennen. Ergänzt es um den Hinweis, den Call to Action nicht zu vergessen, also unter einem Post auch dazu aufzu­fordern, den Workshop jetzt zu buchen, selbst ein Fotoshooting in Auftrag zu geben und so weiter. „Eure Stories zeigen, wer ihr seid, und euer Erfolg zeigt sich, wenn ihr euch traut, sichtbar zu sein“, schließt Bogatini enthusiastisch.

Es ist erfreulich, wenn die junge, attraktive Frau mit ihrem Geschäfts­modell Erfolg hat. Aber es erinnert eben doch sehr an die Arbeits­weisen von Influencern. Und bekanntlich gibt es auch da sehr wenige, die wirklich erfolg­reich sind, auch wenn die Finanz­be­hörden in diesen Tagen gerade einen anderen Eindruck erwecken, indem sie Jagd auf Influencer als Steuer­sünder machen. Trotz des freund­lichen Applauses der überwiegend älteren Herren stößt das Thema nur auf begrenztes Interesse. Vielleicht auch deshalb, weil sich an diesem Abend doch überwiegend Gäste aus dem Hobby-Bereich einge­funden haben. Was ja durchaus im Interesse des Gastgebers liegt, sind das doch die eigent­lichen Umsatz­bringer. Und von denen denkt auch keiner daran, nach den Vorträgen nach Hause zu gehen.

Bleibt am Ende des Tages die Frage, ob sich der Besuch auch für den Fotografen mit künst­le­ri­schen Ambitionen gelohnt hat. Ja, weil man sich unter Gleich­ge­sinnten immer ein kleines bisschen zuhause fühlt. Eher nicht, wenn man tatsächlich als Einzel­kämpfer erschienen ist, weil man das dann auch bleibt. Und damit offenbart sich auch die Kritik an einem noch so opulent ausge­stat­teten Treffen. Wenn das Team des Gastgebers und seine Freunde unter sich bleiben, anstatt sich um die Gäste zu kümmern, mögli­cher­weise neue Kontakte herzu­stellen oder sonstige Methoden zu nutzen, um die Besucher mitein­ander zu vernetzen, hat der Veran­stalter eine Menge Geld verbrannt.

Michael S. Zerban

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