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Kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr äußerte der Düsseldorfer Maler Wolfgang Fröhlich den Wunsch, dass die Bilder aus seinem Privatbesitz für einen „guten Zweck“ verkauft werden. Seine Freunde Manfred Trinkhaus und Oskar Tasch-Schott kümmerten sich darum und so konnte nun in Düsseldorf die Ausstellung dieser Bilder eröffnet werden, um die Kunstwerke der Nachwelt zu erhalten.

Im November vergangenen Jahres haben Gabriele und Dietrich Ahrens, vielen Düsseldorfern bekannt als Betreiber des Gerresheimer Bahnhofs, im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth eine ehemalige Trafostation der Deutschen Bahn, die längst in Privatbesitz übergegangen ist, als Pächter übernommen. Der Name des an der Kalkumer Schlossallee gelegenen Gebäudes täuscht. Es handelt sich um ein villenähnliches Gebäude, das mit seinen hergerichteten und wertig ausgestatteten Sälen und Ebenen ein wunderschöner, ausgefallener Ort für Feiern aller Art ist. Wie schon im Bahnhof an der ehemaligen Glashütte gehört es für Ahrens zum Konzept, die Örtlichkeiten gleichermaßen für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen. Jetzt wird dort eine Ausstellung für einen guten Zweck eröffnet, die noch bis zum 3. März zu sehen sein wird.
Am 22. Juli 1950 wird Wolfgang Fröhlich in Düsseldorf geboren. Er besucht das Gerresheimer Gymnasium bis zur Mittleren Reife, absolviert anschließend eine Lehre als Schriftsetzer und legt das Fachabitur für Gestaltung ab. Damit studiert er an der Fachhochschule Düsseldorf Visuelle Kommunikation. Seit 1983 arbeitet er als freier Künstler in seiner Heimatstadt. Viele Jahre verbrachte er in Künstlerkollektiven mit verschiedenen Projekten, die ihn unter anderem seine Malerei mit Musik verbinden ließen. Von 1997 bis 2004 verband ihn die Künstlergemeinschaft New Rose Factory mit dem Kollegen Bernd Laser aka Kobermann, die mit dem unerwarteten plötzlichen Herztod Kobermanns endete. Danach arbeitete Fröhlich als Solokünstler. Teile seines Schaffens sind in verschiedenen Sammlungen erhalten. Die letzten Lebensjahre verbrachte Fröhlich gesundheitsbedingt im Pflegeheim. Aber er blieb nicht allein. Seine Freunde Manfred Trinkhaus und Oskar Tasch-Schott kümmerten sich um ihn. Ihnen erzählte er auch, dass er die Bilder, die sich noch in seinem Privatbesitz befanden, gerne für „einen guten Zweck“ verkaufen wolle. Dazu kam es nicht mehr.
Je älter man als Künstler wird, desto klarer wird der kritische Punkt im Leben. Was wird nach meinem Tod aus den verbliebenen Werken? Da lässt sich schlecht Vorsorge treffen, wenn nicht schon Museen oder Verlage mit den Hufen scharren, um das posthume Werk zu vermarkten. Im Fall von Wolfgang Fröhlich ist es gut ausgegangen. Trinkhaus und Tasch-Schott sicherten die Gemälde aus dem Haus des Künstlers, ehe sie einer Entrümpelungsfirma zum Opfer fielen, erinnert sich Tasch-Schott.
In Dietrich Ahrens fanden die beiden schließlich den Partner, den sie brauchten, um die letzten Bilder Fröhlichs einem geneigten Publikum anzubieten. Schlossallee 1 nennt Ahrens das Gebäude jetzt, das über einen ganz besonderen Blickfang verfügt. Im Hof steht ein Waggon der Lissaboner Straßenbahn. Das Hauptgebäude ist an diesem Sonntag mit Bildern vollgehängt und ‑gestellt. 84 Exponate der verbliebenen über hundert Bilder haben Trinkhaus und Tasch-Schott ausgewählt und in dem Veranstaltungsort untergebracht. Sie überraschen die Besucher mit einer erstaunlichen Motiv- und Formenvielfalt. Hier findet kein „Resteverkauf“ statt, sondern vielmehr wirkt es, als habe Fröhlich in seinem Haus eine eigene Sammlung aus verschiedenen Schaffensperioden angelegt. Da finden sich Landschaften, Porträts, Figurengruppen, Fantasiegemälde bis hin zu politischen Motiven Bilder in allen Größenordnungen.
Alle Beteiligten sind zufrieden

Ebenso erstaunlich ist die Preisgestaltung. Hier hätte ein Galerist mit Muße und Geduld sicher bei so manchem Werk ohne mit der Wimper zu zucken noch eine Null hinten drangehängt. Tasch-Schott und Trinkhaus geht es allerdings nicht um Gewinnmaximierung oder darum, aus dem Tod des Malers und damit dem gestiegenen Marktwert Kapital zu schlagen. Denn was mit dem Erlös wird, ist bereits geklärt. Düsseldorf teilt heißt die gemeinnützige Organisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Bedürftigen in der Landeshauptstadt unter die Arme zu greifen. Geschäftsführerin Nina Sauerland ist bei der Vernissage zugegen, versäumt es aber, ein Grußwort an das Publikum zu richten. Das allerdings hat dafür auch nicht die rechte Zeit, denn man muss sich beeilen. Besonders schnell werden die roten Punkte auf die eher großformatigen, abstrakten Gemälde geklebt.
Es herrscht emsiges Treiben, das bei angeregten Gesprächen ein Grundrauschen verursacht. So geht die Darbietung der Sängerin und Liedermacherin Annalena Oelhausen aka Alohsn nahezu vollständig unter, die weder bei Gitarre noch Stimme technische Unterstützung sucht. Nach dieser ausgesprochen erfolgreichen Vernissage erscheint es fast unwahrscheinlich, dass bei der Finissage am 3. März noch Bilder zu erwerben sein werden. Dann soll allerdings eine Versteigerung für einen weiteren Anreiz sorgen.
Oskar Tasch-Schott ist in Gedanken längst weiter. Er hat bereits im August vergangenen Jahres die Idee der Kaiserswerther Boutique-Besitzerin Andrea Dahmen gemeinsam mit dem Künstler Ralf Buchholz umgesetzt, einen Kunstmarkt in der Kaiserpfalz, einer Ruine, die als einer der wichtigen touristischen Anziehungspunkte in Düsseldorf gilt und direkt am Rhein im Stadtteil Kaiserswerth liegt, zu veranstalten. Auch in diesem Jahr will Tasch-Schott am 17. und 18. August sein „Klein-Montmartre“ veranstalten. Rund 45 Künstler haben bereits ihr Interesse angemeldet. Allmählich scheint der Stadtteil, der für seine pittoreske Altstadt und die Curry-Wurst am Clemensplatz bekannt ist, auch in Sachen Kunst aufzuholen.
Bis es so weit ist, wird es aber vermutlich noch viele Besucher zu interessanten kulturellen Veranstaltungen in der Schlossallee 1 ziehen, die Dietrich Ahrens für dieses Jahr verspricht.
Michael S. Zerban