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Foto © O-Ton

Im Glanz alter Zeiten

Die Stadt Hilden schließt südöstlich an die Landes­haupt­stadt Düsseldorf an und ist in Sachen Kultur mit einer Ausnahme nicht als Anzie­hungs­punkt für kunst- und kultur­be­geis­terte Menschen bekannt. Hans-Jürgen Braun hatte viel Platz „übrig“ und den genutzt, um in der Stadt mehr Raum für Kunst zu schaffen. Die Ausstellung des Fotografen Michael Dannenmann ist eine gute Gelegenheit, diesen Raum kennenzulernen.

Hans-Jürgen Braun – Foto © O‑Ton

Wenn man zu einer Vernissage mit Fotografien eines Michael Dannenmann einge­laden wird, geht man da sogar am Sonntag­mittag um 12 Uhr hin. Geboren in Stuttgart, studierte er zunächst Malerei an der heimi­schen Kunst­aka­demie, ehe er sich zu einem Studium der Fotografie an der Fachhoch­schule Dortmund entschloss und damit seinen weiteren Lebensweg festlegte. Dannenmann entwi­ckelte sich zu einem der inter­na­tional wichtigsten Vertreter der zeitge­nös­si­schen Porträt­fo­to­grafie. Seine Arbeiten erschienen in Magazinen wie Artnews, Forbes, Manager Magazin, Vogue, Die Zeit und dem Stern. Heute lebt und arbeitet der 64-Jährige in Düsseldorf. Umso mehr überrascht der Ort der Veran­staltung. Angegeben ist der „Kunstraum im Gewer­bepark Süd“ in Hilden. Noch nie gehört. Und die Lust, am Sonntag­mittag in irgendein Gewer­be­gebiet der knapp 56.000 Einwohner umfas­senden Stadt zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Solingen zu fahren, hält sich eher in überschau­baren Grenzen.

Die Hinweis­schilder führen aller­dings in Richtung Zentrum der Stadt, die kulturell, um es vorsichtig zu sagen, unauf­fällig, allen­falls für ihr alljähr­liches Jazz-Festival bekannt ist. In einer Seiten­straße liegt der Gewer­bepark Süd, ein abgegrenztes Gelände, auf dem verschiedene Gebäude, in denen heute Dienst­leister und Handwerks­be­triebe unter­ge­bracht sind, Geschichte atmen. 1904 begann es mit dem Bau einer Fabrik für Schirm­fur­niture. Das sind die Gestelle von Regen­schirmen. Bereits zehn Jahre später beschäf­tigte das Unter­nehmen W. Bauermann & Söhne mehr als 600 Mitar­beiter und passte sich in den Folge­jahren immer wieder den Erfor­der­nissen des Marktes an. 1928 begann beispiels­weise die Produktion des Taschen­schirms Boy, nicht zu verwechseln mit dem Knirps, den Hans Haupt ein Jahr zuvor in Solingen erfunden hatte. 1980 war dann Schluss mit dem Produk­ti­ons­be­trieb. Zehn Jahre lang wurde die Fabrik fremd­ver­mietet. Danach waren das Gelände und die darauf befind­lichen Gebäude herun­ter­ge­kommen, aber immer noch im Besitz der Familie Braun. Die Brüder Karlernst und Hans-Jürgen Braun beschlossen, das Gelände nicht für einen seelen­losen Neubau zu räumen, sondern bewirt­schaften es seit 1990 als Gewer­bepark Süd. 1997 war klar, dass dem Gebäu­de­be­stand etwas Entschei­dendes fehlte. Die Kunst. Und so entstand in der ehema­ligen Kantine der Fabrik der Kunstraum. In Zusam­men­arbeit mit dem Kulturamt der Stadt Hilden wurde der Ausstel­lungsort, der zwischen­zeitlich um einen barrie­re­freien Zugang erweitert wurde, zum Erfolgsmodell.

Neben dem Eröff­nungs­konzert der Hildener Jazz-Tage, das alljährlich in dem Ausstel­lungsraum statt­findet, werden im Kunstraum Jahr für Jahr vier Ausstel­lungen ausge­richtet. Nicht ohne Stolz berichtet Hans-Jürgen Braun, dass hier bereits Jörg Immendorf, Markus Lüpertz und Günther Uecker ausge­stellt haben und auch persönlich anwesend waren. Als Dieter Nuhr seine Fotos mit digitaler Bemalung präsen­tierte, erinnert er sich lachend, musste die Feuerwehr bei der Vernissage gar die Leute wegschicken, weil „nur“ 199 Menschen gleich­zeitig im Saal sein durften. Seit 2019 kuratiert Sandra Abend die Ausstel­lungen. Sie ist in der Nachbar­stadt Haan geboren, hat in Düsseldorf Kunst­ge­schichte, Germa­nistik und Philo­sophie studiert. Promo­viert hat sie über den Fotokünstler Jeff Wall. Bei der Stadt Hilden ist sie als Leiterin des Wilhelm-Fabry-Museums beschäftigt und für den Bereich Bildende Kunst verant­wortlich. Das Museum ist das einzige der Stadt, nach einem berühmten Arzt und Sohn der Stadt benannt und beher­bergt derzeit den zweiten Teil der Ausstellung Dannen­manns mit dem Titel Circus Portraits.

Museale Bilder mit Glanz

Sandra Abend – Foto © O‑Ton

Und damit schließt sich der Kreis zum Kunstraum im Gewer­bepark Süd. Hier lässt sich Dannenmann im vollbe­setzten Haus feiern. Mike Rafalczyk und Uwe Rössler vom Ensemble Die Synco­pators begeistern mit musika­li­schen Einlagen, Liedern von Kompo­nisten wie Rudi Schurike, Peter Igelhoff oder Peter Kreuder, die ausge­sprochen gute Laune verbreiten. Der Erklärung Rafal­czyks, man habe auf Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael von Nina Hagen verzichtet, weil es zu plakativ gewesen sei, mag man nur mit leichtem Bedauern folgen. Aber auf jeden Fall unter­streichen die beiden Musiker den musealen Charakter der Ausstellung. Aktuell ist das Spiel mit den Geschlechtern, das hier nicht mit ideolo­gi­scher Verbis­senheit, sondern mit künst­le­ri­scher Lust präsen­tiert wird. Was die vielge­rühmten Schwarzweiß-Porträts angeht, die mit einer Mittel­format-Kamera analog aufge­nommen sind, erinnern sie an längst vergangene Zeiten, glanz­volle Zeiten aller­dings, weil Dannenmann einen einfühl­samen Blick auf sein Gegenüber beweist, der oft unter die Haut – des Künstlers – geht. Als der Fotograf auf die Idee kam, auch farbige Fotografien zu zeigen, brachte er Abend vorüber­gehend in Gewis­sensnöte. Farbfotos auf geweißten Backstein­wänden – da sträubte sich alles in ihr. Wie sie den Wunsch bei der Hängung mit einfachen Mitteln gekonnt umsetzte, können sich Besucher der Ausstellung noch bis zum 2. Juni ansehen.

Am 6. April findet um 15.30 Uhr ein Kunstcafé mit Michael Dannenmann statt, und am 2. Mai wird Sandra Abend um 18 Uhr durch die Ausstellung führen.

Michael S. Zerban

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