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Aus erster und zweiter Hand

Kurato­ren­füh­rungen, Kunstcafé oder musika­lische Auffüh­rungen: Ausstel­lungen im Kunstraum Hilden werden von einem Rahmen­pro­gramm begleitet, das Erhel­lendes zu den Hinter­gründen liefert. So auch bei der derzeit laufenden Ausstellung Zero+. Sandra Abend hat Ansgar Maria van Treeck ins Kunstcafé einge­laden, um über Charles Wilp zu reden. Und die Kuratorin nutzt die Gelegenheit, ein großar­tiges Buch vorzustellen.

Buchan­sicht

Es ist ein vielfach zu beobach­tendes Phänomen. Ist ein Format erst einmal erfolg­reich einge­führt, scheint Kommu­ni­kation überflüssig zu werden. Ein schönes Beispiel dafür ist das Kunstcafé, das regel­mäßig in das Rahmen­pro­gramm von Ausstel­lungen im Kunstraum Hilden gehört. Die Veran­staltung erfreut sich großer Beliebtheit. Kuratorin Sandra Abend lädt Gäste ein, die Hinter­grund­in­for­ma­tionen und Anekdoten über die jeweils laufende Ausstellung liefern, während das Publikum nicht nur Kaffee und Plätzchen, sondern auch die Gelegenheit bekommt, Fragen zu stellen oder eigene Geschichten zum Thema beizu­tragen. „Ein Nachmittag mit Charles Wilp“ hätte als Überschrift womöglich dafür gesorgt, dass man noch mehr Stühle hätte herein­tragen müssen als ohnehin schon notwendig. Da belässt man es halt bei dem Hinweis auf das Kunstcafé.

An diesem Samstag­nach­mittag findet das Kunstcafé im Rahmen der Ausstellung Zero+ statt, die noch bis Mitte Juni zu besich­tigen ist. Abend hat Ansgar Maria van Treeck einge­laden. Der ist in Ratingen-Tiefen­broich bei Düsseldorf geboren, absol­vierte nach dem Abitur eine Lehre als Kunst­schmied und studierte anschließend Innen­ar­chi­tektur an der Fachhoch­schule Düsseldorf. Schon während des Studiums nahm er seine Tätigkeit als freier Fotograf auf. Bis heute lebt und arbeitet er in Düsseldorf. In den 1990-er Jahren war er Assistent von Charles Wilp. „Wir siezten uns. Er nannte mich Ansgar, und ich sagte Herr Wilp“, erzählt van Treeck. Er hat so manche Anekdote aus dieser Zeit für das Publikum parat. Nicht alles, was er zu berichten weiß, stammt aus erster Hand, aber wie es so mit den Histörchen ist, klingt es aus dem Munde des Zeitge­nossen wunderbar authentisch.

Charles Paul Wilp ist, anders als der Name vermuten lässt, in Witten, einer Stadt im Sauerland mit annähernd 100.000 Einwohnern, geboren. Nach dem Besuch der Académie de la Grande Chaumière in Paris studierte er in Aachen Synäs­thesie, Publi­zistik, Kunst und Wirkungs­psy­cho­logie. Berühmt wurde er für seine Werbe-Kampagnen für Puschkin, Stiebel Eltron, Pirelli und Volks­wagen, aber vor allem für Afri-Cola. Zur Sprache kommt an diesem Nachmittag auch seine Begeis­terung für den Weltraum.

Inter­dis­zi­pli­närer Kunstbegriff

Ansgar Maria van Treeck – Foto © Michael Zerban

Van Treeck war auch derjenige, der die Idee zu einem Buch lieferte, das Abend parallel zu seinen Erzäh­lungen vorstellt. 2019 berichtete er bei einer Vernissage von seiner Freund­schaft und Zusam­men­arbeit mit Wilp berichtete. Wenige Wochen später kam es zu einem Gespräch mit Ingrid Freifrau von Droste zu Hülshoff Wilp, in dessen Folge Sandra Abend beschloss, ein Buch heraus­zu­geben. Dazu fanden zahlreiche Inter­views mit Wegge­fährten Wilps statt, Studenten eines Praxis­se­minars des Instituts für Kunst­ge­schichte der Heinrich-Heine-Univer­sität Düsseldorf wurden in das Projekt invol­viert. 2021 konnte dann das Buch Charles Wilp – Kunst im Rausch der Werbung erscheinen. „Die Intention dieses Buches ist es, sich dem Werk und der Lebens­ge­schichte von Charles Wilp, einem der schil­lerndsten Multi­ta­lente in der bundes­deut­schen Nachkriegs­ge­schichte, anzunähern. Dabei geht es nicht nur um innovative Arbeiten und Kampagnen, mit denen sich der Künstler ins kollektive Gedächtnis einge­schrieben hat, sondern auch um Werke, die nahezu in Verges­senheit geraten sind. Ein fasset­ten­reiches Œuvre, das es verdient hat, vor dem Vergessen bewahrt zu werden“, beschreibt Abend selbst das Ergebnis.

Sehen lassen kann sich das Werk allemal. Eine hochwertige Ausstattung, wie man sie heute nur noch selten findet – vierfarbig, schweres Papier, großzügige Aufteilung – machen allein haptisch schon etwas her. Grafi­kerin Nicole Meyer hat hervor­ra­gende Arbeit bei der Gestaltung auf 208 Seiten mit 120 Abbil­dungen geleistet, indem sie durchaus den Zeitgeist erfasst hat, ohne sich deshalb anzubiedern. Da macht die Betrachtung als Bilderbuch ebenso viel Spaß, wie man sich immer wieder gern in einzelne Texte vertieft, ohne sich unbedingt chrono­lo­gisch durch­ar­beiten zu müssen. Ein Buch, das garan­tiert nicht im Regal verstaubt, sondern durchaus zum langan­hal­tenden und wieder­keh­renden Gebrauch einlädt.

Die Praxis­taug­lichkeit beweist Abend an diesem Nachmittag, wenn sie zu jedem Thema, das van Treeck anspricht, gleich die entspre­chenden Abbil­dungen im Buch aufschlagen und hochhalten kann. Trotzdem will die Leiterin des Hildener Wilhelm-Fabry-Museums und Verant­wort­liche für Bildende Kunst in Hilden dem Werk keines­falls eine komplette Bestands­auf­nahme attes­tieren, sondern darin im besten Falle einen Anstoß für eine Vervoll­stän­digung des Puzzles um das Leben und Werk von Charles Wilp verstanden wissen. Man liegt mögli­cher­weise trotzdem nicht ganz falsch mit der Vermutung, dass man nach der Lektüre, um nicht zu sagen: dem Genuss des Buchs durchaus zu einem profunden Wilp-Kenner werden kann.

Wer sich mehr Verbin­dungen zur eigent­lichen Ausstellung Zero+ wünscht, bleibt nach dem Kunstcafé einfach etwas länger da. Denn im Anschluss tritt Zoran Velinov mit einer Projek­ti­onsshow und eigenen Kompo­si­tionen im Ausstel­lungsraum auf und schafft so noch einmal vollkommen neue Impressionen.

Das Buch Charles Wilp – Kunst im Rausch der Werbung, heraus­ge­geben von Sandra Abend, kann man entweder über den Kunstraum Gewer­bepark-Süd oder im Wilhelm-Fabry-Museum bestellen. Es lohnt sich.

Michael S. Zerban

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