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Foto © O-Ton

Creatio ex Nil

Was eigentlich heißt, schöp­fe­risch zu sein? Joachim Eckl hat darüber lang nach­gedacht. Weniger im stillen Kämmerlein. Der weltab­ge­wandte Grübler, ein Wieder­gänger von Dürers Hiero­nymus im Gehäus mit der Nase in Büchern, das ist Joachim Eckl nicht. Sicher, ein Psychologie­studium hat er absol­viert. Das schon. Aber doch nach seinem Gusto, seinem Lehrplan, wenn er sich in Kinder­zeich­nungen vertieft, einen faszi­nierten Blick wirft in die noch nicht überformte Welt am Anfang jeglicher Gestaltung, vor jeglicher Gestaltung, wenn er auf vermeint­liche Kritze­leien mit den Augen des Künstlers schaut, der er eigentlich schon immer gewesen ist, wie er sagt. 

Joachim Eckl und Thomas Rath – Foto © O‑Ton

Belege gefällig? Nun, bis zur Eröffnung seiner Ausstellung Klang-Schöpfung | Atem-Innenraum im Rahmen von Opening 24, dem Internatio­nalen Festival für Aktuelle Klang­kunst in Trier ist noch Zeit. Also besteigen wir den Fahrstuhl und sausen ins Unter­ge­schoss dieser Künstler-Biografie, halten in den frühen 1960-er Jahren in Haslach an der Großen Mühl. Dort ist er aufge­wachsen. Die Vorfahren Müller; der Urgroß­vater Betreiber des ersten Wasser­kraft­werks am Fluss. Und dort spielen sie dann, diese Geschichten. Da wäre einmal die Begebenheit, als Klein-Joachim die in seinem Elternhaus hängende Vermeersche Milch­aus­gie­ßerin mit Buntstiften übermalt. Die Milch muss blau sein! Der Herr Papa quittiert die Blaumilch­aktion mit einer Backpfeife. Kunst sollst du ehren, nicht schänden! Wogegen der Junior gar nichts hat, nur denkt er schon ans Weiter­schreiben, daran, anderes zu Seinem zu machen. Oder da ist die Geschichte, wie der Bub seinen ersten Schneemann hinstellt. Gefro­renes Wasser lässt sich formen! Dass es dahin­schmilzt, ist sein gutes Recht. Die Anekdote ist kaum zu Ende erzählt, da bekommt man mit einem vielsa­genden Lächeln eine Einla­dungs­karte in die Hand gedrückt. The Ice-Pyramid, steht da zu lesen. Weißer Kegel auf braunem Grund vor wolken­losem Himmel. Wahrhaft verwegen dieses Projekt, das 2010 in der ägypti­schen Wüste nahe Faiyum Gestalt annimmt. 25.000 Liter Nilwasser, geformt zu Eisquadern, überein­an­der­ge­schichtet in Pyrami­denform wie zu Pharaos Zeiten. „This ice-monument refers to time and the sun.” Eine Eispy­ramide in der Wüste? Im Ernst?

Noch ein Rückblick

Als die Menschheit ins neue Millenium startet, steht Eckl künst­le­risch fest auf eigenen Beinen. Heute blickt er auf mehr als einhundert Projekte zurück. Noch davor liegen die Jahre, in denen er als Assistent namhafter Kollegen tätig ist. Für Cragg, Christo & Jean-Claude, Koons, Rinke, für die aller­erste Liga. Eckl kennt sie von innen heraus. Inklusive deren Stärken und Schwächen. Was daran Betrieb ist, ist ihm ein Gräuel. Kunst, die ins Geld tendiert, ins Egoma­nische, inter­es­siert ihn nicht. Für ihn braucht Kunst eine Form, die die gesell­schaft­liche Natur des Menschen abbildet. Weswegen sie soziale Skulptur sein muss. Beuys hätte es gefallen.

Und das ist dann der Moment, da Eckl auch die, respektive seine Antwort findet auf die Frage nach dem Schöp­fe­ri­schen. Wie alle diese Antworten im weiten Feld des Geistig-Philo­so­phi­schen, ist auch diese im Prinzip einfach: Wer schöp­fe­risch sein will, muss schöpfen. – Und was, bitte schön, soll er schöpfen? – Alles, was fließt, lautet der Bescheid. – Zuallererst einmal das Wasser der Großen Mühl, die sich vor dem Ecklschen Haus im öster­rei­chi­schen Mühlviertel in Richtung Donau bewegt. Eine Idee, für deren Reali­sierung der Künstler HEIM​.ART® aus der Taufe hebt, eine Wort-Schöpfung, für die er anfänglich viel Prügel bezieht von wegen der darin vermeintlich steckenden Tümelei. Ein Missver­ständnis, wie sich bald heraus­stellt. Mittler­weile ist HEIM​.ART® in Neufelden/​Österreich fest etabliert mit Kooperations­partnern in aller Welt, solchen aus den Verei­nigten Staaten, aber auch Partnern vom afrika­ni­schen Kontinent. Wasser verbindet. Wasser berührt Existen­zi­elles. Vielleicht ist es diese Einsicht, die nun nicht wenige bewegt, mitzutun, sich anwerben zu lassen für dieses und jenes Schöp­fungs-Projekt, das Eckl vorschlägt. Plötzlich sind da viele Hände, die die gefüllten Eimer mit Donau-Wasser in der Kette weiter­reichen, um es in großen Containern einzu­lagern. 2003 fängt das an. 2004 entnimmt der kreative Wasser­schöpfer auch Proben von der Donau-Quelle zu Donau­eschingen. Und von dort spinnt sich das fort.

Apropos Container

Foto © O‑Ton

Die stehen jetzt im großen Ausstel­lungsraum des Trierer Opening-Festivals, sind geleert, gesäubert und bereit für eine ganz andere Aktion. Auf der Oberseite sind Saiten aufge­spannt. Eine kleine Strei­cher­gruppe formiert sich, um die klobigen Instru­mente zu bespielen. Kopfhörer liegen bereit. Man kann mithören. Und an ein Schälchen Moos ist auch gedacht. Eckl kann sehr liebevoll darüber sprechen. Gegenüber hat er ein großes Tuch aufge­spannt. Zu Hause in Neufelden dient es zum Reinigen des Wassers. Hier ist es Behältnis für aufge­blasene Ballons. Letztere liefern die Ausstel­lungs­be­sucher, geben die Atem-Kugeln in die Vertiefung des Tuches. Zu Festi­val­schluss soll die gespei­cherte Luft in den Container freige­lassen werden, so dass sie die Resonanz­räume zum Klingen und Singen bringt. Klang-Schöpfung und Atem-Innenraum sagt Eckl dazu. Was eigentlich heißt, schöp­fe­risch sein? – Wenn Kunst welt- und menschen­haltig geworden ist, wenn sie – und so viel ist jetzt sonnenklar – sozial­plas­tische Gestalt annimmt.

Mit der Einladung an Joachim Eckl haben Bernd Bleffert und Thomas Rath, die die künst­le­rische Leitung des Trierer Opening-Festivals gerade in jüngere Hände legen, noch einmal ein hoffnungs­volles Zeichen gesetzt. Denn genau das ist dieser Öster­reicher in der Tradition des legen­dären Kunst­re­formers vom Nieder­rhein, jenem Apostel einer besseren Welt, an die heute nur mehr schwer zu glauben ist. Oder vielleicht doch? – „Als Mensch bin ich Optimist!“ sagt Eckl. Spricht‘s und greift nach der Kopfbe­de­ckung. Ohne die ging auch bei Beuys, Joseph nichts. Nun, um beim Thema zu bleiben: Begeg­nungen mit seinem späten Geist­ver­wandten aus der Alpen­re­publik können tatsächlich zu einem spontanen Hut ab! führen. Und zwar auch deshalb, weil der Klang-Schöp­fungs-Künstler – ganz nebenbei und mögli­cher­weise sogar ohne, dass es ihm selbst bewusst geworden wäre – ein uraltes Philo­sophen-Rätsel einer Lösung zugeführt hat. Gibt es, lautet die Preis­frage, eine Creatio ex nihilo? Gibt es die Schöpfung aus dem Nichts? Darüber sind so manche Köpfe grau geworden. Muss nicht sein. Mit Bezug auf den Eckl-Kosmos, auf den Meister der Schöp­fungs-Kunst ließe sich ohne Weiteres sagen: Die Creatio ex nihilo mag schwer möglich sein. Die Creatio ex Nil aber schon.

Georg Beck

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