O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Was eigentlich heißt, schöpferisch zu sein? – Joachim Eckl hat darüber lang nachgedacht. Weniger im stillen Kämmerlein. Der weltabgewandte Grübler, ein Wiedergänger von Dürers Hieronymus im Gehäus mit der Nase in Büchern, das ist Joachim Eckl nicht. Sicher, ein Psychologiestudium hat er absolviert. Das schon. Aber doch nach seinem Gusto, seinem Lehrplan, wenn er sich in Kinderzeichnungen vertieft, einen faszinierten Blick wirft in die noch nicht überformte Welt am Anfang jeglicher Gestaltung, vor jeglicher Gestaltung, wenn er auf vermeintliche Kritzeleien mit den Augen des Künstlers schaut, der er eigentlich schon immer gewesen ist, wie er sagt.

Belege gefällig? Nun, bis zur Eröffnung seiner Ausstellung Klang-Schöpfung | Atem-Innenraum im Rahmen von Opening 24, dem Internationalen Festival für Aktuelle Klangkunst in Trier ist noch Zeit. Also besteigen wir den Fahrstuhl und sausen ins Untergeschoss dieser Künstler-Biografie, halten in den frühen 1960-er Jahren in Haslach an der Großen Mühl. Dort ist er aufgewachsen. Die Vorfahren Müller; der Urgroßvater Betreiber des ersten Wasserkraftwerks am Fluss. Und dort spielen sie dann, diese Geschichten. Da wäre einmal die Begebenheit, als Klein-Joachim die in seinem Elternhaus hängende Vermeersche Milchausgießerin mit Buntstiften übermalt. Die Milch muss blau sein! Der Herr Papa quittiert die Blaumilchaktion mit einer Backpfeife. Kunst sollst du ehren, nicht schänden! Wogegen der Junior gar nichts hat, nur denkt er schon ans Weiterschreiben, daran, anderes zu Seinem zu machen. Oder da ist die Geschichte, wie der Bub seinen ersten Schneemann hinstellt. Gefrorenes Wasser lässt sich formen! Dass es dahinschmilzt, ist sein gutes Recht. Die Anekdote ist kaum zu Ende erzählt, da bekommt man mit einem vielsagenden Lächeln eine Einladungskarte in die Hand gedrückt. The Ice-Pyramid, steht da zu lesen. Weißer Kegel auf braunem Grund vor wolkenlosem Himmel. Wahrhaft verwegen dieses Projekt, das 2010 in der ägyptischen Wüste nahe Faiyum Gestalt annimmt. 25.000 Liter Nilwasser, geformt zu Eisquadern, übereinandergeschichtet in Pyramidenform wie zu Pharaos Zeiten. „This ice-monument refers to time and the sun.” Eine Eispyramide in der Wüste? Im Ernst?
Noch ein Rückblick
Als die Menschheit ins neue Millenium startet, steht Eckl künstlerisch fest auf eigenen Beinen. Heute blickt er auf mehr als einhundert Projekte zurück. Noch davor liegen die Jahre, in denen er als Assistent namhafter Kollegen tätig ist. Für Cragg, Christo & Jean-Claude, Koons, Rinke, für die allererste Liga. Eckl kennt sie von innen heraus. Inklusive deren Stärken und Schwächen. Was daran Betrieb ist, ist ihm ein Gräuel. Kunst, die ins Geld tendiert, ins Egomanische, interessiert ihn nicht. Für ihn braucht Kunst eine Form, die die gesellschaftliche Natur des Menschen abbildet. Weswegen sie soziale Skulptur sein muss. Beuys hätte es gefallen.
Und das ist dann der Moment, da Eckl auch die, respektive seine Antwort findet auf die Frage nach dem Schöpferischen. Wie alle diese Antworten im weiten Feld des Geistig-Philosophischen, ist auch diese im Prinzip einfach: Wer schöpferisch sein will, muss schöpfen. – Und was, bitte schön, soll er schöpfen? – Alles, was fließt, lautet der Bescheid. – Zuallererst einmal das Wasser der Großen Mühl, die sich vor dem Ecklschen Haus im österreichischen Mühlviertel in Richtung Donau bewegt. Eine Idee, für deren Realisierung der Künstler HEIM.ART® aus der Taufe hebt, eine Wort-Schöpfung, für die er anfänglich viel Prügel bezieht von wegen der darin vermeintlich steckenden Tümelei. Ein Missverständnis, wie sich bald herausstellt. Mittlerweile ist HEIM.ART® in Neufelden/Österreich fest etabliert mit Kooperationspartnern in aller Welt, solchen aus den Vereinigten Staaten, aber auch Partnern vom afrikanischen Kontinent. Wasser verbindet. Wasser berührt Existenzielles. Vielleicht ist es diese Einsicht, die nun nicht wenige bewegt, mitzutun, sich anwerben zu lassen für dieses und jenes Schöpfungs-Projekt, das Eckl vorschlägt. Plötzlich sind da viele Hände, die die gefüllten Eimer mit Donau-Wasser in der Kette weiterreichen, um es in großen Containern einzulagern. 2003 fängt das an. 2004 entnimmt der kreative Wasserschöpfer auch Proben von der Donau-Quelle zu Donaueschingen. Und von dort spinnt sich das fort.
Apropos Container

Die stehen jetzt im großen Ausstellungsraum des Trierer Opening-Festivals, sind geleert, gesäubert und bereit für eine ganz andere Aktion. Auf der Oberseite sind Saiten aufgespannt. Eine kleine Streichergruppe formiert sich, um die klobigen Instrumente zu bespielen. Kopfhörer liegen bereit. Man kann mithören. Und an ein Schälchen Moos ist auch gedacht. Eckl kann sehr liebevoll darüber sprechen. Gegenüber hat er ein großes Tuch aufgespannt. Zu Hause in Neufelden dient es zum Reinigen des Wassers. Hier ist es Behältnis für aufgeblasene Ballons. Letztere liefern die Ausstellungsbesucher, geben die Atem-Kugeln in die Vertiefung des Tuches. Zu Festivalschluss soll die gespeicherte Luft in den Container freigelassen werden, so dass sie die Resonanzräume zum Klingen und Singen bringt. Klang-Schöpfung und Atem-Innenraum sagt Eckl dazu. Was eigentlich heißt, schöpferisch sein? – Wenn Kunst welt- und menschenhaltig geworden ist, wenn sie – und so viel ist jetzt sonnenklar – sozialplastische Gestalt annimmt.
Mit der Einladung an Joachim Eckl haben Bernd Bleffert und Thomas Rath, die die künstlerische Leitung des Trierer Opening-Festivals gerade in jüngere Hände legen, noch einmal ein hoffnungsvolles Zeichen gesetzt. Denn genau das ist dieser Österreicher in der Tradition des legendären Kunstreformers vom Niederrhein, jenem Apostel einer besseren Welt, an die heute nur mehr schwer zu glauben ist. Oder vielleicht doch? – „Als Mensch bin ich Optimist!“ sagt Eckl. Spricht‘s und greift nach der Kopfbedeckung. Ohne die ging auch bei Beuys, Joseph nichts. Nun, um beim Thema zu bleiben: Begegnungen mit seinem späten Geistverwandten aus der Alpenrepublik können tatsächlich zu einem spontanen Hut ab! führen. Und zwar auch deshalb, weil der Klang-Schöpfungs-Künstler – ganz nebenbei und möglicherweise sogar ohne, dass es ihm selbst bewusst geworden wäre – ein uraltes Philosophen-Rätsel einer Lösung zugeführt hat. Gibt es, lautet die Preisfrage, eine Creatio ex nihilo? Gibt es die Schöpfung aus dem Nichts? Darüber sind so manche Köpfe grau geworden. Muss nicht sein. Mit Bezug auf den Eckl-Kosmos, auf den Meister der Schöpfungs-Kunst ließe sich ohne Weiteres sagen: Die Creatio ex nihilo mag schwer möglich sein. Die Creatio ex Nil aber schon.
Georg Beck