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Alban-Berg-Biografie

Bei Königs­hausen & Neumann ist eine neue Biografie von Alban Berg erschienen. Barbara Meier, die bereits Biografien zu Verdi, Liszt und Schumann vorgelegt hat, gelingt der Spagat zwischen fesselnd erzählter Biografie und kundiger Werkanalyse, urteilt Karin Coper. Insbe­sondere die Darstellung konkreter Lebens­si­tua­tionen eröffnet dem Leser die Nähe zum Musiker. 

Alban Berg - Foto © N. N.

Komponist und Privatmensch

Das erste Kapitel von Barbara Meiers neuer Biografie über Alban Berg heißt Famili­enfoto. Es schildert ein Mittag­essen im Hause der Bergs so genau und detail­liert, dass die Szene und ihre Protago­nisten bildlich vor dem inneren Auge entstehen. Solche plastisch beschrie­benen charak­te­ris­ti­schen Momente im Leben des Kompo­nisten durch­ziehen das Buch wie ein roter Faden. Sie sind im Kaffeehaus angesiedelt, im Konzertsaal oder im Sommer­quartier und machen im Verein mit diffe­ren­zierten Porträts von Famili­en­an­ge­hö­rigen, Musiker­kol­legen und anderen wichtigen Bezugs­per­sonen einen beträcht­lichen Reiz der Lektüre aus.

Alban Berg wird 1885 geboren und wächst mit drei Geschwistern in einer begüterten, kunst­in­ter­es­sierten Wiener Familie auf. Bereits als Jugend­licher beginnt er, zu kompo­nieren. Dabei entstehen nahezu 80 Lieder, von denen bis heute viele unver­öf­fent­licht sind. Nach dem Schul­ab­schluss schlägt er erst eine Verwal­tungs­laufbahn ein. Auf Initiative seines Bruders Charly wird Alban 1904 Schüler Schön­bergs. Daraus entwi­ckelt sich eine ambiva­lente Beziehung zu dem bereits anerkannten Musiker: Anfangs verehrt Berg ihn bedin­gungslos, unter­stützt ihn auch materiell, doch fühlt er sich von ihm immer wieder abgewertet und finan­ziell ausge­nutzt. Nach massiver persön­licher Kritik Schön­bergs schreibt er einmal: „Ich mußte aus all dem schließen, daß Ihnen mein ganzes Wesen unsym­pa­thisch und unangenehm war.“

Schönberg ist die Leitfigur der um 1900 entstan­denen Zweiten Wiener Schule, der Keimzelle der Atona­lität und Zwölf­ton­musik. Neben ihm und Anton Webern wird Berg zu einer der drei Zentral­per­sonen. Sein Oeuvre ist nicht besonders umfang­reich, doch sind kompo­si­to­rische Meilen­steine des 20. Jahrhun­derts darunter: die beiden Opern Wozzeck und Lulu, die Lyrische Suite für Streich­quartett, das Violin­konzert Dem Andenken eines Engels, das der jung verstor­benen Manon Gropius, der Tochter von Alma Mahler-Werfel, gewidmet ist, die fünf Orches­ter­lieder nach Ansichts­kar­ten­texten von Peter Altenberg. Zwei von ihnen dirigiert Schönberg erstmals 1913 in Wien, im Rahmen einer Veran­staltung mit zeitge­nös­si­schen Kompo­si­tionen. Dabei kommt es nach Störungen des konser­va­tiven Teils des Publikums zum Abbruch, das Skandal­konzert geht in die Musik­ge­schichte ein. Mit dem 1925 in Berlin urauf­ge­führten Wozzeck gelingt Berg der endgültige Durch­bruch und die Emanzi­pation von Schönberg.

Leicht macht es sich Berg nicht beim Kompo­nieren, er ringt um die Werke, braucht Zeit zur Vollendung. Seine Zweifel gehen einher mit einer labilen Gemüts­ver­fassung. Oft zieht es ihn deshalb heraus aus der Stadt. Die Sommer­ur­laube in idylli­scher Natur auf dem Berghof seiner Schwie­ger­eltern, dem Landhaus der Mutter und zuletzt im eigenen, so genannten Waldhaus am Wörther See sind Zufluchtsorte für den lebenslang kränkelnden Kompo­nisten. Nur im selbst ernannten Exil, wie er es nennt, könne er sich konzentrieren.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Starken Einfluss auf Bergs Befinden haben seine Frauen­be­zie­hungen. Schon mit 16 Jahren wird er Vater. Ein Dienst­mädchen seiner Eltern bringt die Albine genannte Tochter zur Welt, die er zwar anerkennt, aber zu der er keinen Kontakt hält. 1911 heiratet er nach langem Werben und gegen familiäre Wider­stände Helene Nahowski. Die Ehe inspi­riert ihn und gilt bis zu Bergs Tod 1935 als glücklich, doch hat er nebenbei intensive Affären. Bei Hanna Fuchs etwa fühlt er sich wie ein „dahin­tor­kelnder Wahnsin­niger“, dem alles außer seiner Liebe „vollständig gleich­gültig, sogar verhaßt“ sei.

Barbara Meier fängt Bergs Persön­lichkeit und die Atmosphäre in seinem Umfeld kongenial ein: jene innerhalb der Familie, des Schönberg-Kreises und der Intel­lek­tu­ellen-Szene – und bezieht dabei das gesell­schaft­liche und kultu­relle Klima zwischen den Weltkriegen und beim Aufkommen des Natio­nal­so­zia­lismus mit ein. Sie belegt ihre fakten- und kennt­nis­reiche, lebendig und flüssig geschriebene Biografie durch eine Fülle von teils erstmals veröf­fent­lichten Brief­zi­taten, die sie in den Text integriert hat. Vervoll­kommnet wird der Band durch profunde musika­lische Analysen der Kompositionen.

Der Anhang listet die Quellen­an­gaben der verwen­deten Zitate penibel auf, einige sind mit kurzen Erklä­rungen versehen. Einziger Wermuts­tropfen: Auf Fotos, Noten­bei­spiele oder ein Verzeichnis der Tondo­ku­mente wurde verzichtet.

Karin Coper

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