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Das erste Kapitel von Barbara Meiers neuer Biografie über Alban Berg heißt Familienfoto. Es schildert ein Mittagessen im Hause der Bergs so genau und detailliert, dass die Szene und ihre Protagonisten bildlich vor dem inneren Auge entstehen. Solche plastisch beschriebenen charakteristischen Momente im Leben des Komponisten durchziehen das Buch wie ein roter Faden. Sie sind im Kaffeehaus angesiedelt, im Konzertsaal oder im Sommerquartier und machen im Verein mit differenzierten Porträts von Familienangehörigen, Musikerkollegen und anderen wichtigen Bezugspersonen einen beträchtlichen Reiz der Lektüre aus.
Alban Berg wird 1885 geboren und wächst mit drei Geschwistern in einer begüterten, kunstinteressierten Wiener Familie auf. Bereits als Jugendlicher beginnt er, zu komponieren. Dabei entstehen nahezu 80 Lieder, von denen bis heute viele unveröffentlicht sind. Nach dem Schulabschluss schlägt er erst eine Verwaltungslaufbahn ein. Auf Initiative seines Bruders Charly wird Alban 1904 Schüler Schönbergs. Daraus entwickelt sich eine ambivalente Beziehung zu dem bereits anerkannten Musiker: Anfangs verehrt Berg ihn bedingungslos, unterstützt ihn auch materiell, doch fühlt er sich von ihm immer wieder abgewertet und finanziell ausgenutzt. Nach massiver persönlicher Kritik Schönbergs schreibt er einmal: „Ich mußte aus all dem schließen, daß Ihnen mein ganzes Wesen unsympathisch und unangenehm war.“
Schönberg ist die Leitfigur der um 1900 entstandenen Zweiten Wiener Schule, der Keimzelle der Atonalität und Zwölftonmusik. Neben ihm und Anton Webern wird Berg zu einer der drei Zentralpersonen. Sein Oeuvre ist nicht besonders umfangreich, doch sind kompositorische Meilensteine des 20. Jahrhunderts darunter: die beiden Opern Wozzeck und Lulu, die Lyrische Suite für Streichquartett, das Violinkonzert Dem Andenken eines Engels, das der jung verstorbenen Manon Gropius, der Tochter von Alma Mahler-Werfel, gewidmet ist, die fünf Orchesterlieder nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg. Zwei von ihnen dirigiert Schönberg erstmals 1913 in Wien, im Rahmen einer Veranstaltung mit zeitgenössischen Kompositionen. Dabei kommt es nach Störungen des konservativen Teils des Publikums zum Abbruch, das Skandalkonzert geht in die Musikgeschichte ein. Mit dem 1925 in Berlin uraufgeführten Wozzeck gelingt Berg der endgültige Durchbruch und die Emanzipation von Schönberg.
Leicht macht es sich Berg nicht beim Komponieren, er ringt um die Werke, braucht Zeit zur Vollendung. Seine Zweifel gehen einher mit einer labilen Gemütsverfassung. Oft zieht es ihn deshalb heraus aus der Stadt. Die Sommerurlaube in idyllischer Natur auf dem Berghof seiner Schwiegereltern, dem Landhaus der Mutter und zuletzt im eigenen, so genannten Waldhaus am Wörther See sind Zufluchtsorte für den lebenslang kränkelnden Komponisten. Nur im selbst ernannten Exil, wie er es nennt, könne er sich konzentrieren.
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Starken Einfluss auf Bergs Befinden haben seine Frauenbeziehungen. Schon mit 16 Jahren wird er Vater. Ein Dienstmädchen seiner Eltern bringt die Albine genannte Tochter zur Welt, die er zwar anerkennt, aber zu der er keinen Kontakt hält. 1911 heiratet er nach langem Werben und gegen familiäre Widerstände Helene Nahowski. Die Ehe inspiriert ihn und gilt bis zu Bergs Tod 1935 als glücklich, doch hat er nebenbei intensive Affären. Bei Hanna Fuchs etwa fühlt er sich wie ein „dahintorkelnder Wahnsinniger“, dem alles außer seiner Liebe „vollständig gleichgültig, sogar verhaßt“ sei.
Barbara Meier fängt Bergs Persönlichkeit und die Atmosphäre in seinem Umfeld kongenial ein: jene innerhalb der Familie, des Schönberg-Kreises und der Intellektuellen-Szene – und bezieht dabei das gesellschaftliche und kulturelle Klima zwischen den Weltkriegen und beim Aufkommen des Nationalsozialismus mit ein. Sie belegt ihre fakten- und kenntnisreiche, lebendig und flüssig geschriebene Biografie durch eine Fülle von teils erstmals veröffentlichten Briefzitaten, die sie in den Text integriert hat. Vervollkommnet wird der Band durch profunde musikalische Analysen der Kompositionen.
Der Anhang listet die Quellenangaben der verwendeten Zitate penibel auf, einige sind mit kurzen Erklärungen versehen. Einziger Wermutstropfen: Auf Fotos, Notenbeispiele oder ein Verzeichnis der Tondokumente wurde verzichtet.
Karin Coper