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Als Bach nach Dresden kam

Anekdoten der Musik­ge­schichte erfreuen sich großer Beliebtheit. Erst recht, wenn es sich um Petitessen aus dem Leben Johann Sebastian Bachs handelt. Ralf Günther hat eine solche Geschichte ausge­graben und genüsslich wieder­ge­geben. Oder so ähnlich zumindest. Ist ja ein Roman, der in schönstem Deutsch geschrieben ist. Für die dunklen Tage im Herbst dringend empfohlen. Schönes Büchlein

Ralf Günther - Foto © HL Boehme

Wohlfühl-Faktor garantiert

Ralf Günther ist 1967 in Köln geboren, lebt heute mit seiner Familie in Dresden. Ein Rhein­länder in Dresden? Scheint zu funktio­nieren. Er schrieb Krimis, Hörspiele und Kinder­bücher und arbeitete äußerst erfolg­reich als Autor für das Fernsehen. Daneben legte Günther eine Reihe von histo­ri­schen Romanen vor. Sein neuestes Werk heißt Als Bach nach Dresden kam und ist bei Kindler erschienen.

Im September 1717 bekommt Jean-Baptiste Volumier, Konzert­meister der Hofka­pelle August des Starken, den Auftrag, den Tunichtgut und begna­deten Tasten­künstler Louis Marchand aus Brüssel an den Dresdner Hof zu holen. Wider­willig und in Angst um seine Stellung reist Volumier in die ehemalige Heimat, und es gelingt ihm, den Franzosen nach Dresden zu locken. Seine Idee: Ein Duell zwischen Marchand und Johann Sebastian Bach soll Marchand in seine Grenzen weisen. Obwohl Marchand und Bach einwil­ligen, läuft die Geschichte aus dem Ruder, und nur mit einer List kann Volumier seinen Posten retten. Es gibt in dieser Geschichte nur Verlierer. Trotzdem werden die rund 170 Seiten nie langweilig.

Günther erzählt ganz wunderbar in einer Sprache, die vor veral­teten Wörtern kaum zurück­schreckt, ohne ins Alter­tüm­liche zu verfallen. Dass die musika­li­schen Kennt­nisse des Autors sich in Grenzen zu halten scheinen, wird hier zum Vorteil. Denn damit erspart er dem Leser auch, selbst musika­lische Vorkennt­nisse zu besitzen. Mit diesem Buch möchte man sich auf die Couch kuscheln, eine Tasse Tee, aus der Zimt und Kräuter in die Nase kräuseln, vor sich auf dem Wohnzim­mer­tisch, während draußen die ersten Herbst­stürme durch die Straßen ziehen. Ein Orgel­konzert Bachs dabei zu hören, das leise auf dem CD-Player läuft, kann sicher die Stimmung beflügeln, muss aber nicht sein.

Am Ende der Geschichte löst Jan Katzschke die Fiktion auf und erzählt, was wirklich dran war an der Begegnung von Marchand und Bach. Inter­essant und um der Vervoll­stän­digung histo­ri­scher Wahrheit willen in Ordnung, aber nicht wirklich notwendig.

Dass man dieses Büchlein so genießen kann, liegt sicher auch an der großar­tigen Verar­beitung des festen Einbandes. Fast schon liebevoll möchte man das nennen. Völlig unver­ständlich deshalb, warum das Geld für ein Kapitelband nicht reichte. Hier hat Kindler bei aller Sorgfalt gepatzt. Gewiss, das Ärgernis ist mit einem Lesezeichen schnell behoben, aber es trübt den ansonsten so positiven Gesamteindruck.

Ralf Günther erzählt eine wunderbare Geschichte, die aus dem Rahmen der üblichen Krimis und Liebes­ge­schichten fällt – obwohl es auch hier eine gibt. Am Ende des Buches, das viel zu schnell erreicht ist, sieht man den fertigen Film eigentlich schon vor sich, der zwar noch nicht existiert, aber längst schon am Sonntag­abend hätte gezeigt werden sollen. So müssen Bücher geschrieben sein.

Michael S. Zerban

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