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Als die Welt innehielt, ..

Wozu dienen Wettbe­werbe? Jeden­falls in den seltensten Fällen dazu, die Besten zu finden. 1958 gab es verse­hentlich eine Ausnahme, als der Van Cliburn den ersten Tschai­kowski-Wettbewerb in Russland gewann. Stuart Isacoff hat ein sehr lesens­wertes Buch darüber geschrieben, das im Staccato-Verlag erschienen ist. 

Van Cliburn - Foto © N.N.

Die Ausnahme von der Regel

Solange man unter Wettbe­werben im kultu­rellen Bereich inter­es­sen­ge­leitete Veran­stal­tungen der Öffent­lich­keits­arbeit versteht, die in den aller­we­nigsten Fällen dazu dienen, den Besten unter den Teilnehmern heraus­zu­finden, kann man ihnen zumindest so etwas wie einen Unter­hal­tungswert abgewinnen. Aus journa­lis­ti­scher Sicht ist es geradezu unseriös, über die „Gewinner“ von Wettbe­werben zu berichten. Das sagt jemand, der jahrelang selbst in Jurys saß und ausrei­chend Gelegenheit hatte, hinter die Kulissen so genannter bedeu­tender Wettbe­werbe zu schauen. Dieje­nigen, die schon einmal die vorderen Plätze bei solchen Veran­stal­tungen belegt haben, werden das energisch bestreiten, schließlich haben sie sich die Urkunden, Preis­gelder, Platten­ver­träge und so weiter aus eigener Sicht hart erarbeitet. Die wenigsten unter ihnen sind so ehrlich zuzugeben, dass es da noch jemanden in den hinteren Reihen gab, der sehr viel besser, aber aus den verschie­densten Gründen nicht opportun war.

Eine der berühm­testen Ausnahmen von der Regel begann im Grunde so, wie die meisten Wettbe­werbe beginnen. Es gibt Menschen, die die Idee haben, eine solche Konkur­renz­ver­an­staltung aus der Taufe zu heben, häufig noch mit edlen Motiven. Dann kommen Leute hinzu, die Potenzial für ihre eigenen Inter­essen entdecken und den Einfluss übernehmen. Es werden ein paar eitle und möglichst bekannte Personen für die Jury gewonnen, um das Geschehen öffent­lich­keits­wirksam zu gestalten. Es reicht im Grunde schon, wenn die Juroren das Gefühl eigener Bedeut­samkeit haben, den Rest erledigt das Regularium des Wettbe­werbs. 1958 wurde der erste Tschai­kowski-Wettbewerb in Moskau ausge­rufen. Wider aller Erwar­tungen und Steue­rungs­ver­suche seitens der Regierung gewann Van Cliburn aus Texas, USA, den Wettbewerb.

Stuart Isacoff wurde 1949 in Brooklyn, New York, geboren. Er ist Autor, Pianist, Komponist, Dozent, war 30 Jahre lang Heraus­geber von Piano Today und blickt auf eine lange Liste von Buchver­öf­fent­li­chungen zurück. Bis heute hält er Vorträge in Nordamerika und Europa. Sein neuestes Werk befasst sich mit Van Cliburn. Beim Staccato-Verlag ist nun die deutsche Übersetzung unter dem Titel Als die Welt innehielt, um zuzuhören – Van Cliburns Triumph im Kalten Krieg und die Folgen in der Übersetzung von Ludwig Madlehner erschienen. Um dieses Buch schreiben zu können, hat Isacoff nicht nur gründlich recher­chiert, sondern auch zahlreiche Inter­views geführt. Das Ergebnis ist ein mehr als 300 Seiten umfas­sendes Buch, in dem er nicht nur das Leben und die Psyche Cliburns aufdröselt, sondern auch die Hinter­gründe des Wettbe­werbs im histo­ri­schen Kontext des Kalten Krieges und die weitere Entwicklung nach dem spekta­ku­lären Sieg in Moskau erzählt.

„Es gibt keine einfache Erklärung, warum Van gerade in diesem Moment das wohl beste Konzert seines Lebens spielte. Manchmal erlebt ein Musiker einen Augen­blick künst­le­ri­scher Gnade, bei dem sich der Himmel zu öffnen scheint und ihn in der Hand hält, wenn der Wirbel weltlicher Betrieb­samkeit einer allge­gen­wär­tigen, vielsa­genden Stille weicht und er sich als Teil des nie endenden Lebens­tanzes fühlt. Wenn das auch vielleicht nicht genau Vans Erfahrung war, als er Rachma­ninows 5. Klavier­konzert spielte, so musste es doch ungefähr so in ihm ausge­sehen haben. Er und [der Dirigent] Kondra­schin wurden zu einer Einheit und in engstem Mitein­ander brachten sie die Musik zu strah­lender Vollendung.“ Es ist eine der wenigen, wenn nicht die einzige Stelle, an der sich Isacoff zu Pathos versteigt. Ansonsten gefällt das Buch mit seinem unauf­ge­regten Erzählstil, dem es gelingt, den Leser zu fesseln.

Der Autor beschreibt die Marotten und Krisen des Pianisten, ohne zu urteilen oder nach Entschul­di­gungen zu suchen. Das ist mindestens so angenehm und erkennt­nis­reich, wie er die Rolle der Mutter und der Lebens­ge­fährten oder Freunde einordnet. Strecken­weise liest sich das spannender als ein Roman. Spätestens zur Mitte des Buchs ist jedem klar, dass Cliburn die Ausnahme der Regel darstellt, indem er vollkommen zurecht und gegen alle Wider­stände diesen Preis gewann, der ihm Weltruhm einbrachte. Davon zeugen auch die Schwarzweiß-Bilder, die als Fotostrecke in der Buchmitte einge­bunden sind. Glück hat Cliburn sein sensa­tio­neller Aufstieg persönlich nicht gebracht. Aber das sollte unbedingt jeder selbst lesen. Es lohnt sich.

Michael S. Zerban

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