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Bach bewegt

Der Filmjour­nalist Knut Elstermann hat eine spannende Film-Biografie über den Kompo­nisten Johann Sebastian Bach verfasst, in der er die bislang inter­na­tional veröf­fent­lichten Filme auflistet und histo­risch einordnet. Andreas H. Hölscher hat das Buch gelesen und viel neues über Bach entdeckt. 

Knut Elstermann - Foto © Bebra Verlag Berlin

Bach im Film

Im Frühjahr feiert die Musikwelt den 340. Geburtstag des großen deutschen Kompo­nisten Johann Sebastian Bach, der am 21. März 1685 in Eisenach in eine weitver­zweigte Familie von Musikern geboren wird. 1695, nach dem frühen Tod beider Eltern nimmt ihn sein älterer Bruder Johann Christoph zu sich nach Ohrdruf. Anno 1700, Bach ist gerade einmal 15 Jahre alt, erhält er ein Stipendium an der Michaelis-Kloster­schule in Lüneburg. Von dort unter­nimmt Bach mehrere Reisen nach Hamburg. Im März 1703 wird Bach als Lakai und Violinist am Hofe von Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar angestellt. Bereits nach wenigen Monaten verlässt er Weimar wieder, um in Arnstadt das Amt des Organisten an der Neuen Kirche zu übernehmen. Bachs beruf­liche Pflichten, Kirchen­dienst und Ausbildung von Schülern, lassen ihm genug Zeit, um seinen musika­li­schen Neigungen nachzu­gehen. Er schreibt seine ersten bedeu­tenden Orgel­kom­po­si­tionen. 1705 ist eine Reise Bachs nach Lübeck verbürgt, bei der er von einem anderen großen deutschen Orgel­meister, Dietrich Buxtehude, unter­richtet wird. Bach gerät mehrmals in Ausein­an­der­set­zungen mit seinem Arbeit­geber und muss sich vor dem Kirchen­kon­sis­torium verant­worten. 1707 ergreift er die Gelegenheit, Arnstadt zu verlassen und wird Organist der St.-Blasius-Kirche in Mühlhausen. Im gleichen Jahr heiratet er seine Cousine Maria Barbara.

Im Juni 1708 reicht der mittler­weile 23jährige Bach sein Entlas­sungs­gesuch ein, um sich in Weimar bei Herzog Wilhelm Ernst als Hofor­ganist und Kammer­mu­siker zu verdingen. Im Dezember des gleichen Jahres wird sein erstes Kind geboren, danach folgen sechs weitere Kinder in sieben Jahren. 1714 steigt er zum Konzert­meister auf, sein Ruf als Orgel­vir­tuose verbreitet sich rasch über die deutschen Lande. Im August 1717 wird Bach von Fürst Leopold zum Hofka­pell­meister an dessen Hof in Anhalt-Köthen ernannt, zugleich wird dieses Jahr vom Tod seiner Frau Maria Barbara überschattet. Im Juli 1720 wird die erst 35-Jährige in Köthen begraben. Ein Jahr später heiratet Bach zum zweiten Mal, die Musiker­tocher Anna Magdalene Wilcke. Musika­lisch ist die Zeit in Köthen fruchtbar, hier entstehen vor allem Instru­men­tal­werke wie Violin­kon­zerte, Orches­ter­suiten, und zahlreiche Klavier­stücke. Im Jahr 1723 wird die Position des Thomas­kantors in Leipzig vakant, auf die Bach sich bewirbt. Im April wird er in das angesehene Amt gewählt und vereidigt. Auf seiner letzten Lebens­station schuf Bach seine großen Vokal­werke, die Johannes- und die Matthä­us­passion, sowie zahlreiche Kantaten und Motetten. Am 28. Juli 1750 stirbt Johann Sebastian Bach 65-jährig in Leipzig. Sein Grab befindet sich heute unter einer schlichten Grabplatte in der Leipziger Thomaskirche.

Es gibt viele Biografien und Abhand­lungen über das Leben von Bach, wobei im Vergleich zu anderen großen Kompo­nisten wenige persön­liche Zeugnisse oder Schriften überliefert sind, was wiederum Stoff und Anreiz für filmische Darstel­lungen des Kompo­nisten bietet. Pünktlich zum letzten Weihnachtsfest erschien der Film Bach – Ein Weihnachts­wunder von Regisseur Florian Baxmeyer über die Entstehung des Weihnachts­ora­to­riums im deutschen Fernsehen, mit Devid Striesow in der Titelrolle.

Nun hat sich der beken­nende Bach-Enthu­siast und Filmjour­nalist Knut Elstermann mit der filmi­schen Biografie Johann Sebastian Bachs beschäftigt, in Archiven gekramt, unzählige Stunden Videos und DVDs geschaut und Protago­nisten zahlreicher Filme und Bachex­perten befragt, wie auch den aktuellen Thomas­kantor in Leipzig, Andreas Reize. Heraus­ge­kommen ist ein spannendes Buch mit dem doppel­deu­tigen Titel Bach bewegt über die Darstellung des Kompo­nisten, Menschen und Famili­en­vaters, Luthe­raners und streit­baren Geistes gegen die Obrigkeit, Johann Sebastian Bach. Elstermann hat dafür alle verfüg­baren Filme unter­sucht, in denen Bach darge­stellt wird. Er reiste dafür an die Origi­nal­schau­plätze von Bachs Leben und sprach mit Filmschaf­fenden und Musik-Enthu­si­asten über die Heraus­for­derung, sich einem großen Künstler anzunähern, dessen Persön­lichkeit ganz im Schatten seiner Werke steht. So konnte er sich ein Bild vom Kompo­nisten machen, im Aussehen, als Mensch und als Musiker. Was sich zeigte, Bach war kein auf Inspi­ra­tionen wartendes Genie, sondern ein unermüd­licher Arbeiter mit genialer Begabung.

Elstermann, Jahrgang 1960, studierte Journa­listik in Leipzig und arbeitete als Redakteur bei verschie­denen DDR-Medien. Seit der Wende ist er freier Moderator und Filmjour­nalist, vor allem für den MDR und den RBB. Er verfasste Bücher sowie zahlreiche Features für Fernsehen und Hörfunk, unter anderem über das Kino in Israel und Russland und die DEFA-Geschichte. Elstermann ist Mitglied der Akademie der Darstel­lenden Künste.

Sechzehn Filme, von Friedemann Bach aus dem Jahre 1941 bis hin zu Bach – Ein Weihnachts­wunder von 2024, in denen es um die Figur des Kompo­nisten geht, werden von Elstermann in unter­schied­licher Ausführ­lichkeit besprochen, weitere zwölf Filme werden erwähnt, wo die Musik Bachs eine zentrale Rolle spielt, dabei sind Verfil­mungen seiner Passionen aufge­führt, wie auch Steven Spiel­bergs bewegender Film Schindlers Liste aus dem Jahr 1993. Auf 170 Seiten, mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos illus­triert, ist das Buch auch eine Liebes­er­klärung an Bach und sein Oeuvre, das Elstermann sein ganzes Leben begleitet hat, wie er in seinem als Präludium überschrie­benem Vorwort deutlich heraus­stellt. Im ersten Kapitel, Varia­tionen eines Lebens, beschäftigt sich Elstermann mit dem aktuellen Film, Bach – Ein Weihnachts­wunder, über die Entstehung der Kompo­sition des Weihnachts­ora­to­riums. Elstermann spricht mit Regisseur, Produzent und natürlich über Haupt­dar­steller Devid Striesow, der im Film als JSB die Urauf­führung des Weihnachts­ora­to­riums mit den echten Thomanern dirigiert. Der sehr musika­lische Striesow wird dazu von keinem anderen als Andreas Reize gecoacht, dem heutigen Leiter des Thoman­er­chores und dem 17. Thomas­kantor in der direkten Nachfolge Bachs. Das beschreibt Elstermann in seinem letzten Kapitel des Buches, Besuch beim Thomas­kantor, bei dem es neben der Pflege der Bachschen Musik und der Ausbildung des Chornach­wuchses auch ebenda um diesen Film geht, in dem ihm eigenen Enthu­si­asmus und gleich­zei­tigem Respekt vor der Kunst und den Werken Bachs. So schließt sich das Buch mit demselben Thema, mit dem es begonnen hat.

Die aufge­lis­teten Filme werden in unter­schied­licher Inten­sität besprochen, da merkt man auch sofort, welcher Film dem Urteil Elster­manns standhält und welcher nicht. Inter­essant auch zu lesen, dass die meisten Filme aus DDR-Produk­tionen stammen, wohl auch, weil Bach die meiste Zeit seines Lebens in den heutigen Bundes­ländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verbracht hat und die DDR-Führung Bach gerne als Mann aus dem Volke beschrieben hat. Dass sich in einem Film ein Chor junger FDJ-ler mit der Bauern­kantate (BWV 212) beschäftigt, entbehrt hier nicht einer gewissen Komik. Auch die Darstellung des Showmasters Hans-Joachim Kulen­kampff in seinem Sketch Bach hat einen Einfall von 1985 wird hier gewürdigt. Der Sketch war Teil einer seiner erfolg­reichen Quizsen­dungen Einer wird gewinnen und ist auch heute noch auf YouTube abrufbar, sehr empfehlenswert.

Nicht alle bespro­chenen Filme halten dem Urteil Elster­manns stand. Besonders vernichtend sein Urteil als überhaupt schlech­testen Bach-Film, der franzö­sische Film Il était une foit Jean Sébastien Bach des Regis­seurs Jean-Louis Guillermou aus dem Jahre 2003. Elstermann listet jede Menge Fehler auf, die histo­risch so nie statt­ge­funden haben und ein völlig falsches Bach-Bild zeigen, jeden­falls in seiner Wahrnehmung. Elstermann kreiert für diesen Film einen eigenen Preis, analog der „Goldenen Himbeere“ für die schlech­teste schau­spie­le­rische Leistung in Hollywood. Es ist der „Christian-Ludwig-Sieglitz-Preis“ für den mit Abstand schlech­testen Bach-Film, benannt nach dem Leipziger Ratsherren, dem Intim­feind Bachs während seiner Zeit in Leipzig.

Das Lesen dieser Kurzbio­grafie Bachs enthüllt nicht nur viele Aspekte seines Lebens und seines Schaffens, sondern es macht vor allem Lust, sich den einen oder anderen Film über Bach mit dessen Musik einmal anzuschauen. Eine wunderbare Lektüre, nicht nur für Bach-Enthu­si­asten, sondern auch für Filmfreunde.

Andreas H. Hölscher

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