O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Im Frühjahr feiert die Musikwelt den 340. Geburtstag des großen deutschen Komponisten Johann Sebastian Bach, der am 21. März 1685 in Eisenach in eine weitverzweigte Familie von Musikern geboren wird. 1695, nach dem frühen Tod beider Eltern nimmt ihn sein älterer Bruder Johann Christoph zu sich nach Ohrdruf. Anno 1700, Bach ist gerade einmal 15 Jahre alt, erhält er ein Stipendium an der Michaelis-Klosterschule in Lüneburg. Von dort unternimmt Bach mehrere Reisen nach Hamburg. Im März 1703 wird Bach als Lakai und Violinist am Hofe von Herzog Johann Ernst von Sachsen-Weimar angestellt. Bereits nach wenigen Monaten verlässt er Weimar wieder, um in Arnstadt das Amt des Organisten an der Neuen Kirche zu übernehmen. Bachs berufliche Pflichten, Kirchendienst und Ausbildung von Schülern, lassen ihm genug Zeit, um seinen musikalischen Neigungen nachzugehen. Er schreibt seine ersten bedeutenden Orgelkompositionen. 1705 ist eine Reise Bachs nach Lübeck verbürgt, bei der er von einem anderen großen deutschen Orgelmeister, Dietrich Buxtehude, unterrichtet wird. Bach gerät mehrmals in Auseinandersetzungen mit seinem Arbeitgeber und muss sich vor dem Kirchenkonsistorium verantworten. 1707 ergreift er die Gelegenheit, Arnstadt zu verlassen und wird Organist der St.-Blasius-Kirche in Mühlhausen. Im gleichen Jahr heiratet er seine Cousine Maria Barbara.
Im Juni 1708 reicht der mittlerweile 23jährige Bach sein Entlassungsgesuch ein, um sich in Weimar bei Herzog Wilhelm Ernst als Hoforganist und Kammermusiker zu verdingen. Im Dezember des gleichen Jahres wird sein erstes Kind geboren, danach folgen sechs weitere Kinder in sieben Jahren. 1714 steigt er zum Konzertmeister auf, sein Ruf als Orgelvirtuose verbreitet sich rasch über die deutschen Lande. Im August 1717 wird Bach von Fürst Leopold zum Hofkapellmeister an dessen Hof in Anhalt-Köthen ernannt, zugleich wird dieses Jahr vom Tod seiner Frau Maria Barbara überschattet. Im Juli 1720 wird die erst 35-Jährige in Köthen begraben. Ein Jahr später heiratet Bach zum zweiten Mal, die Musikertocher Anna Magdalene Wilcke. Musikalisch ist die Zeit in Köthen fruchtbar, hier entstehen vor allem Instrumentalwerke wie Violinkonzerte, Orchestersuiten, und zahlreiche Klavierstücke. Im Jahr 1723 wird die Position des Thomaskantors in Leipzig vakant, auf die Bach sich bewirbt. Im April wird er in das angesehene Amt gewählt und vereidigt. Auf seiner letzten Lebensstation schuf Bach seine großen Vokalwerke, die Johannes- und die Matthäuspassion, sowie zahlreiche Kantaten und Motetten. Am 28. Juli 1750 stirbt Johann Sebastian Bach 65-jährig in Leipzig. Sein Grab befindet sich heute unter einer schlichten Grabplatte in der Leipziger Thomaskirche.
Es gibt viele Biografien und Abhandlungen über das Leben von Bach, wobei im Vergleich zu anderen großen Komponisten wenige persönliche Zeugnisse oder Schriften überliefert sind, was wiederum Stoff und Anreiz für filmische Darstellungen des Komponisten bietet. Pünktlich zum letzten Weihnachtsfest erschien der Film Bach – Ein Weihnachtswunder von Regisseur Florian Baxmeyer über die Entstehung des Weihnachtsoratoriums im deutschen Fernsehen, mit Devid Striesow in der Titelrolle.
Nun hat sich der bekennende Bach-Enthusiast und Filmjournalist Knut Elstermann mit der filmischen Biografie Johann Sebastian Bachs beschäftigt, in Archiven gekramt, unzählige Stunden Videos und DVDs geschaut und Protagonisten zahlreicher Filme und Bachexperten befragt, wie auch den aktuellen Thomaskantor in Leipzig, Andreas Reize. Herausgekommen ist ein spannendes Buch mit dem doppeldeutigen Titel Bach bewegt über die Darstellung des Komponisten, Menschen und Familienvaters, Lutheraners und streitbaren Geistes gegen die Obrigkeit, Johann Sebastian Bach. Elstermann hat dafür alle verfügbaren Filme untersucht, in denen Bach dargestellt wird. Er reiste dafür an die Originalschauplätze von Bachs Leben und sprach mit Filmschaffenden und Musik-Enthusiasten über die Herausforderung, sich einem großen Künstler anzunähern, dessen Persönlichkeit ganz im Schatten seiner Werke steht. So konnte er sich ein Bild vom Komponisten machen, im Aussehen, als Mensch und als Musiker. Was sich zeigte, Bach war kein auf Inspirationen wartendes Genie, sondern ein unermüdlicher Arbeiter mit genialer Begabung.
Elstermann, Jahrgang 1960, studierte Journalistik in Leipzig und arbeitete als Redakteur bei verschiedenen DDR-Medien. Seit der Wende ist er freier Moderator und Filmjournalist, vor allem für den MDR und den RBB. Er verfasste Bücher sowie zahlreiche Features für Fernsehen und Hörfunk, unter anderem über das Kino in Israel und Russland und die DEFA-Geschichte. Elstermann ist Mitglied der Akademie der Darstellenden Künste.
Sechzehn Filme, von Friedemann Bach aus dem Jahre 1941 bis hin zu Bach – Ein Weihnachtswunder von 2024, in denen es um die Figur des Komponisten geht, werden von Elstermann in unterschiedlicher Ausführlichkeit besprochen, weitere zwölf Filme werden erwähnt, wo die Musik Bachs eine zentrale Rolle spielt, dabei sind Verfilmungen seiner Passionen aufgeführt, wie auch Steven Spielbergs bewegender Film Schindlers Liste aus dem Jahr 1993. Auf 170 Seiten, mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos illustriert, ist das Buch auch eine Liebeserklärung an Bach und sein Oeuvre, das Elstermann sein ganzes Leben begleitet hat, wie er in seinem als Präludium überschriebenem Vorwort deutlich herausstellt. Im ersten Kapitel, Variationen eines Lebens, beschäftigt sich Elstermann mit dem aktuellen Film, Bach – Ein Weihnachtswunder, über die Entstehung der Komposition des Weihnachtsoratoriums. Elstermann spricht mit Regisseur, Produzent und natürlich über Hauptdarsteller Devid Striesow, der im Film als JSB die Uraufführung des Weihnachtsoratoriums mit den echten Thomanern dirigiert. Der sehr musikalische Striesow wird dazu von keinem anderen als Andreas Reize gecoacht, dem heutigen Leiter des Thomanerchores und dem 17. Thomaskantor in der direkten Nachfolge Bachs. Das beschreibt Elstermann in seinem letzten Kapitel des Buches, Besuch beim Thomaskantor, bei dem es neben der Pflege der Bachschen Musik und der Ausbildung des Chornachwuchses auch ebenda um diesen Film geht, in dem ihm eigenen Enthusiasmus und gleichzeitigem Respekt vor der Kunst und den Werken Bachs. So schließt sich das Buch mit demselben Thema, mit dem es begonnen hat.
Die aufgelisteten Filme werden in unterschiedlicher Intensität besprochen, da merkt man auch sofort, welcher Film dem Urteil Elstermanns standhält und welcher nicht. Interessant auch zu lesen, dass die meisten Filme aus DDR-Produktionen stammen, wohl auch, weil Bach die meiste Zeit seines Lebens in den heutigen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verbracht hat und die DDR-Führung Bach gerne als Mann aus dem Volke beschrieben hat. Dass sich in einem Film ein Chor junger FDJ-ler mit der Bauernkantate (BWV 212) beschäftigt, entbehrt hier nicht einer gewissen Komik. Auch die Darstellung des Showmasters Hans-Joachim Kulenkampff in seinem Sketch Bach hat einen Einfall von 1985 wird hier gewürdigt. Der Sketch war Teil einer seiner erfolgreichen Quizsendungen Einer wird gewinnen und ist auch heute noch auf YouTube abrufbar, sehr empfehlenswert.
Nicht alle besprochenen Filme halten dem Urteil Elstermanns stand. Besonders vernichtend sein Urteil als überhaupt schlechtesten Bach-Film, der französische Film Il était une foit Jean Sébastien Bach des Regisseurs Jean-Louis Guillermou aus dem Jahre 2003. Elstermann listet jede Menge Fehler auf, die historisch so nie stattgefunden haben und ein völlig falsches Bach-Bild zeigen, jedenfalls in seiner Wahrnehmung. Elstermann kreiert für diesen Film einen eigenen Preis, analog der „Goldenen Himbeere“ für die schlechteste schauspielerische Leistung in Hollywood. Es ist der „Christian-Ludwig-Sieglitz-Preis“ für den mit Abstand schlechtesten Bach-Film, benannt nach dem Leipziger Ratsherren, dem Intimfeind Bachs während seiner Zeit in Leipzig.
Das Lesen dieser Kurzbiografie Bachs enthüllt nicht nur viele Aspekte seines Lebens und seines Schaffens, sondern es macht vor allem Lust, sich den einen oder anderen Film über Bach mit dessen Musik einmal anzuschauen. Eine wunderbare Lektüre, nicht nur für Bach-Enthusiasten, sondern auch für Filmfreunde.
Andreas H. Hölscher