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Bilderschlachten

Es war wohl das Großereignis im zeitge­nös­si­schen Tanz des vergan­genen Jahres: Die Aufführung von Stephanie Thierschs neuester Arbeit Bilder­schlachten. Jetzt ist ein schmales Buch im Eigen­verlag zu dem Projekt erschienen, das neben eindrucks­vollen Bildern auch Erklä­rungen der Akteure anbietet. Die ungewöhn­liche Aufma­chung lädt zum Schmökern und Staunen ein. 

Stephanie Thiersch - Foto © O-Ton

Spaß an der Größe

Am 9. Mai vergan­genen Jahres feierte eines der eindrucks­vollsten Stücke des jüngeren zeitge­nös­si­schen Tanzes im franzö­si­schen Nîmes seine Urauf­führung. Ende September kam es dann zur deutschen Erstauf­führung im Rahmen des Beetho­ven­festes an der Oper Bonn. Die Batailles d’Images oder zu Deutsch Bilder­schlachten von Stephanie Thiersch sprengten so ziemlich alles, was es in diesem Genre bislang auf den Bühnen der so genannten Freien Szene zu sehen gab. Eine eigens kompo­nierte und arran­gierte Musik für ein Orchester und ein Quartett, das aus der Rolle fiel, Tänzer, ungewöhn­liche Kostüme und Inhalte, die zu Diskus­sionen Anlass geben konnten. Die Choreo­grafin schuf mit ihrem Team, darunter die Kompo­nistin Brigitta Muntendorf, die ohnehin ein Faible für großes Theater hat, ein Werk von histo­ri­scher Größe. O‑Ton berichtete über die deutsche Erstauf­führung.

Vermutlich wäre das Stück trotzdem den üblichen Weg zeitge­nös­si­scher Choreo­grafien gegangen. Ein paar Auffüh­rungen mehr oder weniger, und schon wäre es in der Schublade verschwunden. Weil es eben in aller Regel keine Förderung bereits vorhan­dener Werke gibt. Und damit sind die Choreo­grafen auf die Förder­gelder für neue Stücke angewiesen. Ein ziemlich brutales System, aber offenbar haben sich alle Betei­ligten längst daran gewöhnt, anstatt es permanent zu hinter­fragen. Thiersch aber wollte es offenbar nicht dabei bewenden lassen – und wer weiß, vielleicht half hier sogar die Corona-Krise, zeitliche Freiräume zu schaffen, die für ein Buch-Projekt norma­ler­weise fehlen.

Und so erscheint in diesen Tagen eine Dokumen­tation, die als Buch im Eigen­verlag veröf­fent­licht wird. Und wie es sich für ein „künst­le­ri­sches“ Buch zu gehören scheint, darf hier offenbar nichts so sein, wie man es von einem „normalen“ Buch erwartet. Im Din-A4-Format gibt es eine ungewöhn­liche Bindung, die bei der ersten Betrachtung den Eindruck erweckt, das Buch falle bereits ausein­ander. Das täuscht. Nahezu sämtliche grafi­schen Regeln sind hier ebenso unbeachtet wie die Rechtschreibregeln.

Davon darf man sich nicht abschrecken lassen. Schließlich gibt es großartige Bilder von Proben und Auffüh­rungen. Begleit­worte von Bettina Masuch, Inten­dantin im Tanzhaus NRW, und Nike Wagner, Inten­dantin des Beetho­ven­festes, schmücken einleitend das Werk. Anschließend kommen die Betei­ligten zu Wort. Thiersch erklärt ihren Zugang zum Thema, Muntendorf ihr Verständnis von der Musik, François-Xavier Roth kommt als musika­li­scher Leiter des Orchesters ebenso zu Wort wie Drama­turgen, das Asasello-Quartett und die Darsteller. Das macht das Buch dann inhaltlich rund für den, der sich von Asterisken und grellen Farben nicht irritieren lässt.

Offenbar ist das Buch als Merchan­dising-Produkt unter anderem für zukünftige Auffüh­rungen gedacht. Da darf man den Akteuren wünschen, dass es noch eine Menge Vorstel­lungen geben wird, bei denen sie es anbieten können. Denn die Bilder­schlachten sind immer einen Besuch wert. Und für die Liebhaber außer­ge­wöhn­licher Buchdrucke mag der schmale Band, der zweisprachig daher­kommt, ohnehin einen Kauf wert sein. Denn es ist so ungewöhnlich wie das Stück selbst. Und es wird vermutlich Selten­heitswert besitzen. Wann gibt es im zeitge­nös­si­schen Tanz schon mal eine ausführ­liche Dokumen­tation zu einem Stück? Sicher viel zu selten.

Zu beziehen ist das Buch über info@mouvoir.de gegen eine Schutz­gebühr von 15 Euro.

Michael S. Zerban

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