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Domenico Barbaja

Der Impre­sario Domenico Barbaja prägte im 19. Jahrhundert über 30 Jahre lang das Opern­ge­schehen in Italien mit. Philip Eisen­beiss hat ihm eine ausführ­liche Biografie gewidmet, deren Übersetzung bei Sieveking erschienen ist. Karin Coper hat sich mit dem umfang­reich ausge­stat­teten, lesefreund­lichen Werk ausein­an­der­ge­setzt und kann die Lektüre empfehlen. 

Philip Eisenbeiss - Foto © N.N.

Vom Kellner zum Opernherrscher

Vom Kellner zum Opernherrscher 

Wie es hinter den Kulissen eines Theaters so zugehen kann und welche Querelen es vor einer Aufführung manchmal zu bewäl­tigen gilt, davon handelt in überspitzter Form Gaetano Donizettis Buffa Le Conve­nienze e le Incon­ve­nienze teatrali, in Deutschland besser bekannt unter dem Namen Viva la Mamma. Sie wurde 1827 im Teatro Nuovo in Neapel urauf­ge­führt, zur Zeit des Impre­sarios Domenico Barbaja, der solche Aufre­gungen nur zu gut kannte. Donizetti war einer der Kompo­nisten, die von ihm gefördert wurden, auch Rossini und Bellini haben ihm ihre Karriere zu verdanken. Das Belcanto-Dreige­stirn ist in die Musik­ge­schichte einge­gangen, Barbaja hingegen höchstens Fachleuten bekannt.

Das will der Autor Philip Eisen­beiss ändern. Er begab sich auf die Spuren des Theater­mannes und erforschte seinen Lebensweg, der ihn dermaßen faszi­nierte, dass er eine eigen­ständige Biografie über ihn verfasste. Ungewöhnlich dabei ist nicht nur das Sujet, sondern auch der beruf­liche Hinter­grund von Eisen­beiss. Denn im wirklichen Leben arbeitet er in Hongkong als Headhunter im Finanz­be­reich. Die Leiden­schaft zur Oper treibt ihn aller­dings seit Teenager­tagen um. Damals wollte er sogar Sänger werden, woraus aufgrund mangelnder Stimm­qua­lität nichts wurde. Statt­dessen tritt er nun mit einem bemer­kens­werten Opernbuch an die Öffentlichkeit.

Domenico Barbaja wurde 1778 in einem kleinen Ort nahe Mailand geboren. Er verdiente sein Geld zunächst als Kaffee­haus­kellner, dann wechselte er als Croupier an die Scala. In deren Foyers fanden Glücks­spiele statt, die eine wichtige Einnah­me­quelle für die Oper waren. Barbaja entwi­ckelte ein untrüg­liches Gespür für das Gewerbe, führte das Roulette ein und wurde reich damit. Dadurch empfahl er sich für größere Aufgaben. Er fand sie im Teatro San Carlo in Neapel. Hier übernahm er 1809 nicht nur das Glücks­spiel­ge­schäft, sondern auch die daran gekop­pelte Leitung des größten Opern­hauses Italiens und das des kleineren Teatro del Fondo, in dem meistens Komödien gespielt wurden, gleich mit dazu.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Dieser Posten umfasste einer­seits alle finan­zi­ellen und wirtschaft­lichen Angele­gen­heiten, anderer­seits die künst­le­ri­schen Belange. In beiden Bereichen erwies sich Barbaja als gewieft. Er war ein klug agierender Geschäftsmann und Strip­pen­zieher, und er hatte ein gutes Gespür für Gesangs­ta­lente. Es gelang ihm, ein Künst­ler­mo­nopol mit den damals gefrag­testen Prima­donnen und männlichen Stars wie Isabella Colbran, Giuditta Pasta, Domenico Donzelli und Luigi Lablache aufzu­bauen und dadurch das Teatro San Carlo in eine Blütezeit zu führen. 1822 übernahm Barbaja auch das Wiener Kärnt­nertor-Theater und etablierte dort mit großem Erfolg italie­nische Spiel­zeiten. 1826 kam die Mailänder Scala hinzu, so dass der Impre­sario zeitweise für drei Opern­häuser verant­wortlich war. Mitte der 30-er Jahre aber begann sein Stern zu sinken. Er machte finan­zielle Verluste, führte anstren­gende Prozesse und erlebte persön­liche Nieder­lagen. Im Oktober 1841 starb er unerwartet.

Barbaja beherrschte über dreißig Jahre die Opernwelt. Das lag auch daran, dass er stets gute Bezie­hungen zu Neapels Königshaus und seinen wechselnden Macht­habern unter­hielt. Deshalb begnügt sich Eisen­beiss nicht mit der Schil­derung von Barbajas Lebensweg, sondern bezieht den politi­schen und gesell­schaft­lichen Hinter­grund mit ein. Darüber hinaus erfährt man Näheres zu Theater­ar­chi­tektur und den Städten, in denen Barbaja wirkte, und nicht zuletzt zu den mit ihm verbun­denen Kompo­nisten, Sängern und Kollegen. Ergebnis ist eine so fakten­reiche wie kurzweilige Kultur­ge­schichte. Das Buch, das von Harald Stadler in ein flüssiges Deutsch übersetzt wurde, ist mit histo­ri­schen Stichen, teils in Farbe, reich bebildert. Ein Anhang mit Erläu­te­rungen, Kurzan­gaben zu den beschrie­benen Persön­lich­keiten, einer Auflistung der von Barbaja in Auftrag gegebenen Opern und sogar ein Stammbaum der damals regie­renden Königs­häuser runden es ab.

Im Übrigen hat das Buch einen sicht­baren Erfolg gebracht. Die Büste Barbajas, die etwas verborgen in der Unter­ge­schoss-Cafeteria des Teatro San Carlo postiert war, steht jetzt im präch­tigen Foyer des Hauses.

Karin Coper

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