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Erst machen sie ein Rennpferd aus dir, dann wollen sie einen Arbeitsgaul. Dieses Zitat trifft wohl auf die meisten Ausbildungsberufe zu. Und damit auch auf die Akteure, die uns Tag für Tag auf den Bühnen begeistern. Da hat man im Schauspielstudium gelernt, die Seele zu entblößen, um alles auf der Bühne zu geben. Und im Arbeitsalltag am Theater heißt es dann, die Seele zu verkaufen, um die Abläufe zu gewährleisten. Geteilte Dienste, unvorhersehbare Probenänderungen und Führungspersonal, das sich auf dem Rücken der Darsteller profilieren will, von einem Privatleben spricht ohnehin keiner mehr: Schier übermenschlicher Kraftanstrengungen bedarf es da, will man noch das eigene Genie auf die Bühne bringen. Wenn man nicht schon vorher kapituliert.
Christina Barandun hat Theaterwissenschaften studiert und arbeitet heute als Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement in Theatern. Aus ihren praktischen Erfahrungen heraus hat sie, wissenschaftlich unterfüttert, den mehr als 200 Seiten umfassenden Ratgeber Erste Hilfe für die Künstlerseele erarbeitet, der beim Alexander Verlag in Berlin erschienen ist. Versehen mit zahlreichen Illustrationen, Übungsanleitungen und Praxistipps ist ein Werk entstanden, das seinem Untertitel gerecht wird: Stressbewältigung, Kommunikation und Konfliktlösung im Kulturbetrieb werden hier ausführlich behandelt. Weniger treffend ist der Titel. Wer daraus für sich ableitet, hier schnelle Hilfe im Notfall zu erwarten wie etwa: Wie bekomme ich am schnellsten Hilfe beim Betriebsrat? Oder: Wann ist der Gang zum Rechtsanwalt vonnöten? Der ist hier falsch.
Vielmehr setzt sich Barandun mit den eigenen Befindlichkeiten des Lesers auseinander und gibt Hilfen, wie man seine eigene Lebenssituation langfristig verbessern kann. Was natürlich, lässt man sich darauf ein, auf Dauer bedeutend hilfreicher ist. Das Buch eröffnet ein tieferes Verständnis eher grundlegender Prozesse und gehört damit nicht erst in die Hände bereits in den Strukturen gefangener Mitarbeiter, sondern sollte seinen Platz schon bei den Studenten als sinnvolle Ergänzung ihres Curriculums finden. Und auch Menschen anderer Ausbildungsgänge und Berufsfelder werden hier wichtige Anregungen finden, den Herausforderungen des Arbeitsalltags zu begegnen. Dazu braucht es nicht die besonderen Arbeitsumstände des Theaters.
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Trotzdem wird man im Theater besonders häufig die jungen Menschen antreffen können, die ein besonderes Sendungsbewusstsein haben. Barandun nennt das Genie. Ein Begriff, über den man sicher länger diskutieren könnte und mit dem die Autorin sich ausführlicher auseinandersetzt. „Entlastend und beflügelnd zugleich wäre entsprechend eine künstlerische Grundhaltung, bei der es darum geht, das eigene Wesen herauszuschälen, ohne sich selbst oder das Eigene zu überhöhen. Nicht etwas Neues zu schaffen, sondern das Eigene zu sein – in dem Wissen, dass dies zwangsläufig neu und einzigartig ist. In dem Wissen aber auch, dass das Eigene zu leben bedeutet, gleichzeitig die Einzigartigkeit der anderen auf Augenhöhe anzuerkennen“, beschließt die Autorin das Kapitel sehr eigen für die Theaterarbeiter.
Will man den vollen Gewinn aus diesem Buch ziehen, wird es mit dem Lesen nicht getan sein. Die Übungen und Tipps abzuarbeiten, wird zur Lebensaufgabe, selbst wenn man sich nicht auf die asiatischen Philosophien einlassen will, die Barandun den Lesern mit auf den Weg gibt. Aber: Es lohnt sich. Und zwar weniger für die konkrete Arbeitssituation vor Ort – das auch – als für das Leben selbst.
Michael S. Zerban