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Franz Schreker, dessen Opern in der Weimarer Republik zu den meistgespielten gehörten, geriet nach seinem Tod 1934 fast vollständig in Vergessenheit. Der jüdischstämmige Komponist war ein Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik, sein Werk wurde verboten. Seit den 1970-er Jahren hat Schrekers Oeuvre jedoch eine bemerkenswerte und nachhaltige Renaissance erlebt. Damals entdeckte auch der britische Musikwissenschaftler Christopher Hailey sein Interesse an ihm. 1986 gründete er die Franz Schreker Foundation, deren Vorsitzender er bis heute ist, und publizierte 1993 die erste umfangreiche Biografie, allerdings in englischer Sprache. Sie liegt nun endlich, erweitert und aktualisiert, auch in Deutsch vor, in der flüssigen und gut lesbaren Übersetzung von Caroline Schneider-Kliemt und Volkmar Putz.
Franz Schreker, geboren 1878, wächst in bescheidenen Verhältnissen in Wien auf. Mit 14 Jahren beginnt er am Konservatorium zunächst Geige, dann Komposition zu studieren. Erste Sporen im Musikbetrieb verdient er sich als Organist und Chordirigent – 1907 gründet er den Philharmonischen Chor, mit dem er Schönbergs Gurrelieder zur Uraufführung bringt. Mit Liedern, das früheste entsteht 1894, beginnt er seine kompositorische Laufbahn. Kein Glück hat er mit seinem Opernerstling Flammen, datiert von 1901. Er wird nur konzertant und mit Klavierbegleitung gegeben, im Original erst hunderte Jahre später in Kiel. Der Durchbruch gelingt Schreker 1908 mit der Pantomime Der Geburtstag der Infantin, und 1912 erringt die Oper Der ferne Klang einen sensationellen Erfolg. Sie ist keine Eintagsfliege: mit Die Gezeichneten und Der Schatzgräber erobert er die deutschsprachigen Musiktheaterbühnen. Die symbolhaften, erotisch aufgeladenen und in üppigsten Orchesterfarben schillernden Opern, zu denen er selbst den Text schreibt, treffen den Nerv der Zeit.
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Auch als Lehrer ist er hochangesehen, zu seinen Schülern gehören Alois Hába und Ernst Krenek. 1912 wird er als Dozent an die Wiener Akademie und 1920 als Rektor an die Berliner Musikhochschule berufen. Doch Mitte der Goldenen Zwanziger beginnt sein Stern zu sinken. Er ringt um neue Formen, aber es sind andere Stilrichtungen, wie die Zeitopern von Krenek oder Weill, die bei Kritik und Publikum ankommen. Überdies ist Schreker zunehmend antisemitischen Ressentiments ausgesetzt. Seine Oper Christophorus, die in Freiburg ankündigt ist, wird abgesagt. 1932 wird er zum Rücktritt von seinem Hochschulposten gedrängt, und im gleichen Jahr erlebt er an der Berliner Staatsoper mit seinem letzten Bühnenwerk Der Schmied von Gent ein Fiasko und wird ausgebuht. Er bemüht sich noch vergeblich um eine Ausreise nach Amerika, doch angesichts gesundheitlicher und existenzieller Probleme bleibt er in Berlin, wo er 1934 stirbt.
Christopher Hailey zeichnet Schrekers Lebensgeschichte mittels einer Fülle von Quellen fundiert nach, beschränkt sich aber nicht auf eine rein biografische Nacherzählung, sondern bildet auch die kulturellen, gesellschafts- und hochschulpolitischen Verflechtungen in den Städten Wien und Berlin ab. Auszüge aus Schrekers Korrespondenz, unter anderem mit dem Universal-Verlag, mit Arnold Schönberg und dem Musikkritiker Paul Bekker, vertiefen den Einblick in sein kompositorisches Wirken und dokumentieren das Zweifeln und die Krisen.
Der akribisch recherchierte, zudem reich bebilderte und mit vielen Notenbeispielen versehene Band ist im Rahmen der Reihe Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte im Böhlau-Verlag erschienen. Er bietet zudem einen Anhang mit Kommentaren sowie eine Auflistung von Schrekers Werken, sämtlichen Aufführungsdaten und Mitwirkenden der Opern sowie seiner Tondokumente und ist somit eine Schatzgrube für alle, die sich mit dem Komponisten und seinem Umfeld näher beschäftigen wollen.
Karin Coper