O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Fritz und Alfred Rotter

Ein Leben zwischen Theater­glanz und Tod im Exil, so der Unter­titel der Biografie von Peter Kamber, die bei Henschel erschienen ist. Auf fast 500 Seiten berichtet er über das glamouröse Leben der Brüder, die in den 1920-er Jahren die bekann­testen und erfolg­reichsten Theater­di­rek­toren Berlins waren. 

Charlie Chaplin und Alfred Rotter - Foto © N.N.

Aufstieg und Fall eines Theaterimperiums

Das Theater war ihr Leben, und umgekehrt nahm ihr Leben nicht selten theatra­lische Züge an. Tatsächlich glich die Vita der Gebrüder Alfred und Fritz Rotter einer der von ihnen produ­zierten Operetten, nur dass es für sie kein Happy End, sondern ein tragi­sches Finale gab, das in einen realen Krimi mündete: Der Zusam­men­bruch ihres Bühnen­kon­zerns parallel zu Hitlers Ernennung zum Reichs­kanzler zwingt sie 1933 zur Flucht nach Liech­ten­stein. Dort versucht eine natio­nal­so­zia­lis­tisch gesinnte Gruppe, sie zu entführen und nach Deutschland zu bringen. Bei dem Versuch, zu entkommen, stürzen Alfred und seine Ehefrau von einem Felsen, Fritz wird später festge­nommen und stirbt 1939 während der Haft im elsäs­si­schen Colmar aus unbekannten Gründen.

Was damals die Öffent­lichkeit bewegt hat, ist heute vergessen. Ein Grund für den Histo­riker Peter Kamber, an die Brüder zu erinnern. Mit der Biografie Fritz und Alfred Rotter – Ein Leben zwischen Theater­glanz und Tod im Exil hat er ihnen ein litera­ri­sches Denkmal gesetzt. Detail­liert und spannend erzählt er in seiner fast 500 Seiten umfas­senden Doppel­bio­grafie von ihrem Werdegang, der mit vielen Höhen und Tiefen verbunden ist, gleich­zeitig aber auch vom kultu­rellen Leben während der Weimarer Republik bis 1933.

Alfred und Fritz Rotter, die 1886 und 1888 in Leipzig zur Welt kommen, stammen aus einer jüdischen Familie, die eigentlich Schaie heißt. Den neuen Namen nehmen sie am Beginn ihrer beruf­lichen Laufbahn an, um antise­mi­ti­schen Feind­se­lig­keiten auszuweichen.

Beide entdecken schon in frühester Jugend ihre Leiden­schaft fürs Theater, studieren aber erst einmal Jura. 1908 gründen sie den Verein Akademie Bühne an der Univer­sität Berlin. Der Intendant Otto Brahm stellt ihnen das Lessing-Theater zur Verfügung, wo sie Klassiker und aktuelle Autoren aufführen: Strindberg, Ibsen, Wedekind. Das Feuil­leton reagiert reser­viert und bleibt es auch, als die Rotters ins Unter­hal­tungs­genre umschwenken. Doch die profes­sio­nelle Kritik, die die Vermarktung nach ameri­ka­ni­scher Art bemängelt, ist ihrem Erfolg nicht abträglich, weil sie ein gutes Gespür für den Publi­kums­ge­schmack haben. Auf sieben Bühnen, die ihnen teils gehören, teil gepachtet sind, produ­zieren sie Salon­ko­mödien in präch­tiger Ausstattung, Revuen und Operetten. Dabei ist Alfred mehr für das Künst­le­rische zuständig, Fritz für das Geschäft­liche. Auch persönlich gibt es Unter­schiede. Im Gegensatz zum bürgerlich mit seiner Ehefrau zusam­men­le­benden Alfred ist Fritz eine schil­lernde Figur, der sich ein möbliertes Zimmer mietet, um dort in Frauen­kleidung Gäste zu empfangen.

Von Nieder­lagen lassen sich die Rotters nicht beein­drucken. Nach einer zweijäh­rigen Auszeit zwischen 1925 bis 1927 pachten sie das Metro­pol­theater, die heutige Komische Oper, und spielen Operetten von Franz Lehár. Friederike und Das Land des Lächelns werden zu Kassen­schlagern, auch wegen der Mitwirkung von Richard Tauber und Käthe Dorsch. Überhaupt gehört das Engagement von Stars zum unter­neh­me­ri­schen Konzept. Wenn Max Hansen, Gitta Alpár oder Fritzi Massary auftreten, ist das Haus voll.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Doch die künst­le­ri­schen Höhen­flüge gehen einher mit waghal­sigen finan­zi­ellen Aktionen und Börsen­spe­ku­la­tionen, bei denen die Brüder viel Geld und die Kontrolle über ihre Geschäfte verlieren und in eine Schul­den­spirale geraten.

Trotz der prekären pekuniären Lage gelingt ihnen im Dezember 1932 mit der Urauf­führung von Paul Abrahams Ball im Savoy ein letzter Triumph. Doch er bedeutet gleich­zeitig ihren Bühnen­ab­schied. Erbit­terte Kontra­henten wie Heinz Hentschke und Richard Bars, die Leiter der Gesell­schaft der Funkfreunde, eines Besucher­dienstes, und der Zentral­stelle der Bühnen­au­toren und ‑verleger, tragen durch knall­hartes Agieren zum Konkurs bei, nicht zuletzt aber die begin­nenden Ressen­ti­ments gegenüber Juden. Das Ende ist bekannt.

Kleiner Nachtrag: Die Operetten-Renais­sance, die Barrie Kosky 2013 an der Komischen Oper Berlin einleitet, wurde spekta­kulär mit Ball im Savoy eröffnet. Im Programmheft wurden nebenbei auch die Rotters erwähnt. Peter Kambers Biografie, die mit einer Vielzahl wunder­barer Fotos illus­triert ist, etliche davon privater Natur, rückt sie wieder in den Mittelpunkt.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: