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Jacques Offenbach

Der 200. Geburtstag von Jacques Offenbach im kommenden Jahr wirft seine Schatten voraus. In Köln wurde eigens die Kölner Offenbach-Gesell­schaft gegründet. Die hat bei Heiko Schon die Biografie Jacques Offenbach – Meister des Vergnügens in Auftrag gegeben, die im November erschienen ist, gerade recht­zeitig, um sich in das Thema einzu­ar­beiten und ein Nachschla­gewerk zur Hand zu haben. 

Heiko Schon - Foto © privat

Mozart der Champs-Élysées

In Köln hat man einen verlo­ren­ge­gan­genen Sohn der Stadt wieder­ent­deckt. Das hat ziemlich lange gedauert. 2015 gründeten einige Anhänger des Kompo­nisten die Kölner Offenbach-Gesell­schaft. Gerade noch recht­zeitig, um im kommenden Jahr den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach gebührend zu feiern. Und schon jetzt ist abzusehen, dass es ein ziemlich großes Fest wird. Bis jetzt ist von 125 Veran­stal­tungen allein für Köln und Umland die Rede – und da sind die, die nicht im offizi­ellen Kalender der Gesell­schaft auftauchen, noch gar nicht mitge­rechnet. Drei Jahre hatten die Verant­wort­lichen Zeit, Gelder zu sammeln, eine schier unglaub­liche logis­tische Leistung zu vollbringen und eine Kampagne ins Leben zu rufen, die den ganzen Aufwand auch kommu­ni­ziert. Titel der Kampagne, über dessen Aussprache beim offizi­ellen Festakt der Eröffnung des „Offenbach-Jahres“ noch Zweifel herrschten, ist Yes, we cancan. Abgesehen vom fehlenden Leerzeichen, könnte man ihn etwa mit Ja, wir können Dose übersetzen. So ist das, wenn man mit Fremd­sprachen ohne Not herum­werkelt. Da darf man noch einige Kurio­si­täten erwarten, schließlich steht es mit den Franzö­sisch-Kennt­nissen der Kölner nicht zum Besten.

Um das Schlimmste zu vermeiden, kann man sich aller­dings als kultur­be­flis­sener Mensch schon mal auf die sprach­lichen Unwäg­bar­keiten in Offen­bachs Werk vorbe­reiten. Denn mit Hilfe eines finanz­kräf­tigen Sponsors hat die Offenbach-Gesell­schaft bei Heiko Schon das Buch Jacques Offenbach – Meister des Vergnügens in Auftrag gegeben, das recht­zeitig im November erschienen ist. Im Mittel­punkt steht der „Mozart der Champs-Élysées“, wie Rossini den Kollegen genannt hat.

Chrono­lo­gische Biografien sind unmodern geworden. Ob zu Recht oder Unrecht, darüber mögen die Leser entscheiden. Auch Schon durch­bricht die Zeitschiene, stellt Leben und Schaffen des Kompo­nisten unter verschie­denen Aspekten dar. Redun­danzen sind damit zwangs­läufig gegeben. Aber damit kann man ja unter Umständen leben, schließlich erhöhen sie auch den Lerneffekt. Gleich­zeitig will das Buch den Anspruch eines Nachschla­ge­werks erfüllen. Und da können solche Aspekte durchaus der schnellen Orien­tierung dienen. Zwischen die einzelnen Kapitel hat Schon Werkbe­schrei­bungen gesetzt, die er dankenswert um die „besten Nummern“ und „Hörtipps“ erweitert. Ob das jetzt wirklich zwischen die Kapitel oder als Katalog an das Ende des rund 200 Seiten starken, recht grobschlächtig gefer­tigten Buches gehört, ist Geschmacks­sache. Immerhin finden sich am Ende des Buches noch einmal entspre­chende Verzeich­nisse, mittels derer man dann wieder auf die Beschrei­bungen zurück­greifen kann.

Die einzelnen Kapitel sind von durchaus verschie­dener Qualität. Taucht der Autor vergleichs­weise tief in die Werkge­schichte ein, bleiben viele andere Themen – zu sehr – an der Oberfläche. Hier gibt es noch viel Luft nach oben. Für einen ersten Zugang aber reicht es allemal. Und das war der Anspruch der Auftrag­geber, die den Einstieg in das Thema Offenbach erleichtern wollten, ohne ein musik­wis­sen­schaftlich fundiertes Kompendium vorzu­legen. Eines aber wird klar: Es wird noch viel über Jacques Offenbach zu reden geben. Über Finanz­po­litik, Frauen­ge­schichten und das Seelen­leben des Menschen. Alles angerissen schon bei Schon, aber bar jeder Vollendung.

Was jedoch bei Schon aufleuchtet – und davor sollten sich die Kölner durchaus hüten – ist die Überbe­tonung kölni­scher Einflüsse. Gewiss, Offenbach wurde in Köln sozia­li­siert, aber wer dort aufge­wachsen ist, weiß, dass das Klischee lebt, glüht und gleißt. Um die „rheinische Frohnatur“ in Köln zu erleben, muss man lange suchen und wird eher zufällig fündig werden. Hier wäre eine realis­ti­schere Einschätzung abseits des Karnevals für die Zukunft durchaus wünschenswert.

Jede Menge Euphorie zu Beginn eines solchen Festjahres, in das sich offenbar jede Menge schlechtes Gewissen mischt, was bei Schon nicht statt­findet, ist absolut begrü­ßenswert. Und da passt das Werk von Schon durchaus hinein. Für Menschen, die sich bislang mit Offenbach abseits von Hoffmanns Erzäh­lungen oder Orpheus in der Unterwelt kaum beschäftigt haben, wird das Buch ein wirklich guter Einstieg sein. Vor allem die Preis­ge­staltung lädt ein, sich mit dem Offen­bach­schen Oeuvre ausein­an­der­zu­setzen. Schließlich, geht es nach der Offenbach-Gesell­schaft in Köln, ist das Offenbach-Jahr lediglich ein Auftakt, der in den kommenden Jahren noch viel Aufwind erfahren soll. Über 40 Abbil­dungen, die das Buch bietet, dürften die Kaufent­scheidung nicht nur bei den Kölnern überdies positiv beeinflussen.

Michael S. Zerban

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