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Die drei Leben der Jetty Treffz

Beim Seifert Verlag hat Peter Sommer­egger eine Biografie über die Sängerin Jetty Treffz veröf­fent­licht. Sie war die erste Ehefrau des Walzer­königs Johann Strauss. Vieles im Leben der sieben­fachen Mutter, die vor allem in London Erfolge feierte, bleibt in dieser Biografie im Dunkeln, trotzdem empfiehlt Karin Coper das Buch als inter­es­sante Lektüre. Biografie mit Fragezeichen

Peter Sommeregger - Foto © Seifert Verlag

An der Seite des Walzerkönigs

2018 wäre Jetty Treffz 200 Jahre alt geworden. Nur wenige dürften aller­dings mit diesem Namen etwas anfangen können, mehr dafür mit dem ihres Ehemanns: Sie war die erste Frau von Johann Strauss, dem Walzer­könig, und weit mehr als nur sein Anhängsel. Ihre Lebens­ge­schichte ist für eine Frau des 19. Jahrhun­derts sehr ungewöhnlich. Deshalb ist die kleine, 150 Seiten starke Biografie, die der Autor Peter Sommer­egger über sie vorgelegt hat, zu begrüßen.

Henriette – sie nennt sich später Jetty – Treffz wird 1818 in Wien als Tochter gutsi­tu­ierter Eltern geboren. Ihre Gesangs­aus­bildung beginnt sie mit noch nicht einmal 20 Jahren, später wird sie von der deutschen Prima­donna Wilhelmine Schröder-Devrient unter­richtet, mit der sie zusammen 1838 in Dresden als Bellinis Giulietta auch ihr Bühnen­debüt gibt. 1841 tritt sie das erste Engagement im Wiener Theater nächst dem Kärth­nertore an, drei Jahre später wechselt sie an andere Bühnen der Stadt, um bessere Rollen zu bekommen. Größere Anerkennung als in der Heimat erhält sie in England bei ausge­dehnten Gastspielen. Dort singt sie neben Stars wie Giulietta Grisi und Pauline Viardot und unter der Leitung von Hector Berlioz. In Wien aber stagniert ihre Karriere, und das bleibt so bis zum Ende ihrer Gesangs­laufbahn 1867. Die letzten großen Konzerte finden denn auch bezeich­nen­der­weise in London statt.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Jetty Treffz ist eine gute, wenn auch nicht überra­gende Sopra­nistin. Aufse­hen­er­re­gender als ihr künst­le­ri­scher Werdegang ist ihr Privat­leben. Als 19-Jährige geht sie eine Liaison mit einem italie­ni­schen Kaufmann ein und bekommt von ihm ihre erste Tochter. Sie trennt sich, wird die Geliebte des reichen jüdisch-stämmigen Fabri­kanten Moritz Tedesco und hat mit ihm sechs weitere Kinder – die wegen ihrer häufigen und längeren Auslands­auf­ent­halte in seiner Obhut bleiben. Eine Heirat kommt aus religiösen Gründen nicht in Frage, doch die Verbindung hält auch ohne Trauschein 20 Jahre. 1862 beendet Jetty das Verhältnis und geht im gleichen Jahr mit dem deutlich jüngeren Walzer­könig Johann Strauss eine Ehe ein. Sie begleitet ihn auf seinen Konzert­reisen, die quer durch Europa bis nach Amerika führen, kümmert sich um geschäft­liche und organi­sa­to­rische Angele­gen­heiten und animiert ihn zur Kompo­sition von Bühnen­werken – aus Gründen der höheren Tantiemen. Daneben hält sie die Strauss-Familie zusammen, sorgt sich um ihre Schwie­ger­mutter und die drei Schwager und muss dazu Konflikte mit ihren Kindern bewäl­tigen. 1878 stirbt sie. Nur sieben Wochen nach ihrem Tod heiratet Strauss wieder.

Sommer­egger beschränkt sich nicht darauf, die Lebens­ge­schichte von Jetty Treffz nachzu­er­zählen, sondern berichtet zugleich vom Musik­leben in den europäi­schen Zentren, in denen sie und Strauss wirkten. Zeitge­nös­sische Kritiken, viele davon in Englisch und nicht übersetzt, sowie Auszüge aus der privaten und geschäft­lichen Korre­spondenz Jettys vertiefen die Ausführungen.

Gleichwohl bleibt gerade im persön­lichen Bereich manches im Dunkeln, im Speku­la­tiven oder wird nur angerissen. Gerne wüsste man beispiels­weise mehr darüber, wie sich die Beziehung zu Tedesco gestaltete oder wie Treffz als unver­hei­ratete Frau mit sechs Kindern ihre gesell­schaft­liche Stellung behaupten konnte. Sommer­egger erklärt im Vorwort die Infor­ma­ti­ons­lücken mit fehlenden oder unzurei­chenden Quellen. Der Einschränkung zum Trotz ist Die drei Leben der Jetty Treffz eine inter­es­sante Lektüre, die flüssig geschrieben ist und im Anhang durch einige histo­rische, teils farbige Stiche und Fotos abgerundet wird.

Karin Coper

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