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Josephine Baker

Vom Hausmädchen zum Superstar zur Wider­stands­kämp­ferin: Mona Hardcastle erzählt in ihrer Biografie den Lebensweg von Josephine Baker, der durchaus nicht frei von Wider­sprüchen war. Unterlegt mit zahlreichen Dokumenten, Zitaten und Fotos, gelingt der Autorin eine Lebens­be­schreibung, die spannend zu lesen ist, sagt Karin Coper. 

Mona Horncastle - Foto © Dominik Gigler

Entertainerin mit Kampfgeist

Als 1963 beim Marsch auf Washington zweihun­dert­tausend Menschen für die Beendigung der Rassen­dis­kri­mi­nierung auf die Straße gehen, unter­stützt auch Josephine Baker den Protest. Auf Wunsch von Martin Luther King hält die berühmte Showle­gende eine Rede, in der sie sehr persönlich und emotional von ihren Erfah­rungen mit Ausgrenzung und Abwertung erzählt. Rassis­tische Ausschrei­tungen, die sie als Kind 1917 in ihrer Heimat­stadt St. Louis hautnah mitbe­kommt, sind für sie trauma­ti­sie­rende Erleb­nisse, die ihr weiteres Leben beein­flusst haben. Trotz ihrer Herkunft, die geprägt ist von sozialen Problemen, macht sie als schwarze Tänzerin und Sängerin eine beispiellose Karriere. Ihre Vergan­genheit vergisst sie dabei nicht, sie ist ein Grund für ihr Engagement für Gleich­be­rech­tigung und gegen Intoleranz.

Auszüge dieser bemer­kens­werten Ansprache, in der Josephine Baker quasi die Quint­essenz ihres Lebens offenlegt, sind in der neuen Biografie, die die Publi­zistin Mona Horncastle geschrieben hat, abgedruckt. Sie sind eines von etlichen Dokumenten, Zitaten und Fotos, die dazu beitragen, das Wesen der Künst­lerin sichtbar und lebendig zu machen. Unter­füttert wird das litera­rische Porträt mit Seiten­blicken in die gesell­schafts­po­li­tische Historie und durch Bezüge zur Gegenwart.

Josephine Baker wird 1906 geboren. Sie wächst im Haushalt ihrer Großmutter in ärmlichen Verhält­nissen auf. Der Kontakt zur Mutter, die außerhalb der Familie lebt, ist spannungsvoll, der zum Vater – es ist vermutlich der Musiker Eddie Carson – konflikthaft.

Mit acht Jahren tritt sie eine Stelle als Dienst­mädchen in einem weißen Haushalt an, mit dreizehn Jahren wird sie verhei­ratet. Es ist die erste ihrer vier Ehen, sie endet nach nur einigen Monaten. Es folgt ein Inter­mezzo als Kellnerin in einem angesagten Club. Hier entdeckt sie für sich die Bühne und springt 1920 mit einem Sketch bei der Showtruppe Dixie Steppers ein. 1922 gibt sie ihr Debüt als Chorus-Girl in der Musical­pro­duktion Shuffle Along und tanzt sich mit einer clownesken Einlage buchstäblich in den Vorder­grund. Der nächste Schritt führt sie schon nach Paris, wo sie 1925 in der Revue Nègres trium­phiert: mit energie­ge­la­denen, eroti­schen Choreo­grafien, verbunden mit grotesker Mimik, Augen­rollen und Schielen, aber auch, weil sie fast nackt auftritt. Der Bananenrock wird zu ihrem Marken­zeichen. Mit der Show tourt sie quer durch Europa und erobert dabei das quirlige Berlin der Zwanziger Jahre. Die franzö­sische Haupt­stadt aber wird zu ihrem Lebens­mit­tel­punkt, sie reüssiert als Chanson­sän­gerin und Filmschau­spie­lerin und betreibt daneben noch eigene Clubs.

Ihre Wurzeln machen sie inter­essant, nicht so in Amerika. Bei ihren Gastspielen bekommt sie den tiefsit­zenden Rassismus zu spüren, sie darf in bestimmten Hotels nur den Perso­nal­eingang benutzen. Dazu ist sie wegen ihrer Privi­legien in den eigenen Reihen umstritten. Dennoch gibt sie nicht auf, fordert öffentlich mit einigem Erfolg Rechte für Schwarze, wird jedoch während einer Tournee 1952 nach undiplo­ma­ti­schem Agieren ausge­wiesen. Erst 1963 versöhnt sie sich mit ihrer Heimat.

Politi­sches Ansehen gewinnt Baker während des Zweiten Weltkriegs. Sie schließt sich der Resis­tance an, wird als Spionin zur Befreiung Frank­reichs einge­setzt und ist gleich­zeitig Truppen­un­ter­hal­terin für Soldaten in Nordafrika. Für ihre patrio­ti­schen Verdienste erhält sie mehrere Auszeichnungen.

1947 kauft die Künst­lerin das Schloss Les Milandes. Zur Finan­zierung nutzt sie es in Teilen für Touris­ten­be­sich­ti­gungen, es wird aber haupt­sächlich das Zuhause ihrer Regen­bo­gen­fa­milie, wie sie ihre zwölf adoptierten Kinder unter­schied­lichster Herkunft und Hautfarbe nennt. 1969 aller­dings muss sie es aufgrund von Schulden aufgeben. Doch ihre Popula­rität bleibt ungebrochen und sie feiert weiter auf der Bühne Triumphe, das letzte Mal 1975 bei einer Revue anlässlich ihres fünfzig­jäh­rigen Jubiläums. Als Baker kurz danach stirbt, wird ihr ein offizi­elles Staats­be­gräbnis ausge­richtet, bei dem 20.000 Menschen dem ersten schwarzen Superstar die Ehre erweisen.

Aufregend, extra­vagant, überreich, partiell auch maßlos ist die Vita von Josephine Baker in jeglicher Beziehung. Mona Horncastle verdichtet es zu einer knapp 250 Seiten langen, vielschich­tigen Lebens­be­schreibung, die spannend zu lesen und dazu optisch ausge­sprochen anspre­chend gestaltet ist.

Karin Coper

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