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Komm' aus dem Staunen nicht heraus

80 Jahre ist Brigitte Fassbaender und plant eine Neuin­sze­nierung vom Ring des Nibelungen in Erl. Vorerst aber hat sie im vergan­genen November ihre Autobio­grafie heraus­ge­bracht. Auf mehr als 350 Seiten schaut sie auf ein überreiches, erfülltes Leben als Sängerin, Regis­seurin und Inten­dantin zurück. Lesespaß ist garan­tiert. Karin Coper ist von dem Buch begeistert. 

Brigitte Fassbaender - Foto © O-Ton

Ein Leben für die Kunst

Kaum zu glauben, aber Brigitte Fassbaender feierte im Juli letzten Jahres den 80. Geburtstag. Dabei ist die Jubilarin in der Musikwelt so präsent wie in ihren Zeiten als inter­na­tional gefeierte Mezzo­so­pra­nistin. Denn sie eroberte sich neue künst­le­rische Bereiche, nachdem sie 1994 das Singen, noch im Vollbesitz der Stimme, abrupt aufge­geben hatte. Sie weitete ihre Regie­tä­tigkeit, die sie 1990 parallel zum Gesang aufge­nommen hatte, aus, war ab 1999 13 Jahre lang Inten­dantin des Tiroler Landes­theaters Innsbruck und leitete dazu von 2009 bis 2017 das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Parten­kirchen. Auch als Pädagogin und Jury-Mitglied in Wettbe­werben ist sie gefragt, sie gibt Meister­kurse und, nicht zu vergessen, sie findet beim Malen Erfüllung.

Nun hat sie ihre Memoiren vorgelegt, die sie – natürlich – selbst und ohne Mithilfe geschrieben hat, was einmal mehr ihre künst­le­rische Allround-Begabung unterstreicht.

Die musische Berufung wurde Brigitte Fassbaender von ihren Eltern, der Schau­spie­lerin Sabine Peters und dem Bassba­riton Willi Domgraf-Fassbaender, der sie auch als einziger Lehrer unter­richtete, in die Wiege gelegt. Ihr erstes Engagement führte sie 1961 gleich an die Bayerische Staatsoper. Die wurde zu ihrem Stammhaus und blieb es, ungeachtet ihrer weltweiten Opern- und Konzert­ver­pflich­tungen. Über dreißig Jahre lang galt sie neben Christa Ludwig als bedeu­tendste deutsche Mezzo­so­pra­nistin, sang Mozarts Dorabella und Sesto, Carmen, auch Drama­ti­sches wie Amneris und Brangäne. Maßstäbe setzte sie als Octavian und Orlofsky, eine ihrer Lieblings­partien war die Charlotte in Massenets Werther. Über allem aber stand der Liedgesang mit beson­derer Affinität zu Schubert, dessen Zyklen Die schöne Müllerin und Die Winter­reise sie als eine der ersten Sänge­rinnen inter­pre­tierte. Auch im Aufnah­me­studio war sie überaus präsent. Davon zeugen über 250 Einspie­lungen, die ihr Reper­toire fast vollständig dokumen­tieren. 1990 gab sie ihr Regie­debüt in Coburg. Seitdem hat sie im In- und Ausland über 70 Insze­nie­rungen erarbeitet. Für 2021 ist Wagners Ring des Nibelungen in Erl geplant.

Im ersten und umfang­reichsten Teil des Buches erzählt Brigitte Fassbaender von ihren familiären Wurzeln, ihrer Jugend und ihrem beruf­lichen Werdegang. Er ist gespickt mit Erinne­rungen an private und künst­le­rische Begeg­nungen, an Regis­seure, Dirigenten und Pianisten, die sie prägten, wie Günther Rennert, Wolfgang Sawal­lisch oder Erik Werba, an befreundete Kolle­ginnen, wie Gundula Janowitz oder Lucia Popp, auch an Nachwuchs­ta­lente, die sie förderte, wie Juliane Banse. Einmal aber trügt ihr Gedächtnis. Denn nicht die von ihr bewun­derte Birgit Nilsson sang 1963 bei der Wieder­eröffnung des Münchner Natio­nal­theaters die Färberin, sondern Inge Borkh.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Einen vertie­fenden Einblick in ihre Profession gibt Fassbaender im sogenannten Theater­ta­gebuch, das sie 1993 während der Entstehung ihrer Amster­damer Insze­nierung von Brittens Midsummer Night’s Dream führte und das in gekürzter Form abgedruckt ist. Es verdeut­licht die Hochspannung des Schaf­fens­pro­zesses von den ersten Konzep­ti­ons­ge­sprächen bis hin zur Premiere. Die psychi­schen Belas­tungen, die auch aus der damaligen Doppel­be­lastung und den hohen Ansprüchen an sich und das kolle­giale Umfeld herrührten, werden nicht ausge­spart oder beschönigt, die emotionale und kreative Unter­stützung durch ihre Partnerin Jennifer Selby immer wieder positiv hervorgehoben.

In einer Art Zusatz, Regie­ge­danken genannt, erläutert Fassbaender ihre Sicht vom Insze­nie­rungs­handwerk im Allge­meinen und einige Stück­kon­zepte im Speziellen.

Komm‘ aus dem Staunen nicht heraus ist so lebendig und ehrlich – soweit man es beurteilen kann – geschrieben, dass man das 350-seitige, mit zahlreichen Fotos illus­trierte Buch mit nicht nachlas­sender Spannung liest.

Der Titel, der sich auf einen Ausspruch des Ochs‘ aus dem von Brigitte Fassbaender so geliebten Rosen­ka­valier bezieht, entspricht ihrem Lebens­gefühl, wie sie zum Ende hin schreibt. Und sie wünscht sich, dass es noch eine Weile so weiter­gehen möge. Dem kann man sich nur anschließen.

Karin Coper

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