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Frank Piontek, Bayreuther Autor und kreativer Künstler, hat zu den diesjährigen Bayreuther Festspielen einen Gedichtband mit 88 Gedichten von Richard Wagner, darunter vier Erstveröffentlichungen, herausgegeben. Piontek hat mit diesem subjektiven Querschnitt der etwa 180 nachweisbaren und teilweise schwer auffindbaren Gedichte Richard Wagners versucht, die Vielfalt der Wagnerschen Töne, seinen Humor, aber auch seine gefühlvolle Seite zu präsentieren. Unter diesen Versen finden sich launige Widmungsgedichte, klassizistisch-leidenschaftliche Gedichte an König Ludwig II. von Bayern, intime Herzensbekenntnisse an seine Frauen Minna Planer und Cosima Liszt sowie an seine Muse Mathilde Wesendonck und politisch-polemische Lyrik aus der Zeit der Dresdner Revolution von 1849. Ob es ein humorvolles Gedicht über die grünen Schuhe seiner Frau Minna ist, ein Festgedicht anlässlich der Beisetzung von Carl Maria von Weber, eine Jubelelegie an den Sänger Joseph Tichatscheck, dieser Gedichtband enthält für den Wagner-Freund eine wunderbare Sammlung von Versen , alle in dem typisch Wagnerschen Lyrikstil verfasst, manchmal sentimental, manchmal irre komisch, aber irgendwie einzigartig. Dass Wagner sich dabei selbst nicht immer ganz ernst nimmt, davon zeugt vielleicht sein berühmtester Vers: „Im wunderschönen Monat Mai kroch Richard Wagner aus dem Ei. Es wünschen Viele, die ihn lieben, er wäre lieber dringeblieben.“ Ein weiteres Zeugnis seines einzigartigen Humors ist der in Versen gepackte Hilferuf an seine Frau Minna aus Zürich im November 1851: „Minna, schicke mir bald Strümpfe! Hier gibt es nicht wie lauter Sümpfe! Davon bekomm ich nasse Klümpfe! Im Whist fehlen mir auch die Trümpfe! Drum bringe Du mich wieder auf die Strümpfe! Schick‘ mir nur ein Paarer Fümpfe!“
Und so ist dieser Gedichtband mit dem treffenden Namen Lass‘ diesen Gruß zu Dir gelangen ein Sammelsurium origineller und zum Teil unbekannter Verse und Lyrik des großen Operndramatikers Richard Wagner. Der Gedichtband, liebevoll von Frank Piontek herausgegeben, erschien im Juli in einer streng limitierten und nummerierten Auflage von 200 Stück in Bayreuth und war unmittelbar nach Erscheinen am 24. Juli 2018 vergriffen. Die Wagner Liebhaber, die Glück hatten, ein Exemplar zu ergattern, werden dieses genussvoll ihrer Bibliothek hinzufügen, alle anderen können nur hoffen, dass es vielleicht eine Neuauflage oder einen Folgeband gibt.
Andreas H. Hölscher