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Leicht muss man sein

Anlässlich des 90. Geburtstags der Sängerin Christa Ludwig ist beim öster­rei­chi­schen Amalthea Signum Verlag eine Hommage erschienen. Auf mehr als 200 Seiten wirft die Künst­lerin gemeinsam mit Erna Cuesta und Franz Zoglauer einmal mehr einen Blick auf ihr Leben. Karin Coper hat das Buch gelesen und eine gewisse Leich­tigkeit erkannt. Leichte Kost für Christa-Ludwig-Fans

Christa Ludwig - Foto © Johann Morgenbesser

An der Oberfläche

Leicht muss man sein: mit leichtem Herz und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen … Diese Worte, die die Marschallin am Ende des ersten Akts im Rosen­ka­valier von Richard Strauss singt, durch­ziehen wie ein Leitmotiv das Buch von und über Christa Ludwig, das anlässlich ihres 90. Geburtstags am 16. März dieses Jahres im Wiener Amalthea Verlag erschienen ist. Es heißt, wen wundert’s, Leicht muss man sein, und diese Lebens­weisheit der Feldmar­schallin, die zu den wichtigen Partien der Mezzo­so­pra­nistin gehörte, hat sie sich zu eigen gemacht.

Dabei gehört das Loslas­sen­können zum Schwersten im Leben, wie sie im Vorwort schreibt, und meint dabei vor allem den Verlust von geliebten Mitmen­schen. Vom Singen und vom Bühnen­leben aber nahm sie tatsächlich mit „leichtem Herzen“ Abschied – trotz der großen Anerkennung vom Publikum, die sie während ihrer gesamten Laufbahn erfuhr, und der Dankbarkeit für ihr Schicksal. Der abgedruckte Dialog mit der Stimme, den Christa Ludwig selbst verfasste, bringt auf das Treffendste die Bürden und Entbeh­rungen des Sänger­berufs zum Ausdruck, so wie sie sie erlebte.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Das Singen wurde Ludwig in die Wiege gelegt. Beide Eltern standen auf der Bühne, die Mutter war ihre erste und einzige Lehrerin und neben dem zweiten Ehemann, Paul-Émile Deiber, die wichtigste Bezugs­person. Ihre sorgsam aufge­baute Karriere führte sie von Frankfurt aus in die ganze Welt. Zunächst an die Wiener Staatsoper, an die sie Karl Böhm 1955 engagierte und wo sie noch zum berühmten Mozar­t­en­semble gehörte. Octavian, Cherubino, Prinz Orlofsky und Komponist waren zu Beginn bevor­zugte Partien, zu denen sich bald drama­ti­schere wie Amneris und Eboli gesellten. Später reüssierte sie auch im Sopranfach, sang Leonore, Färberin, Kundry, Lady Macbeth. Von einer Stimm­krise blieb sie nicht verschont, musste deshalb eine Zeitlang kürzer treten und danach auf besonders hochge­legene Partien verzichten.

Ludwig hat fast 50 Jahre auf den Bühnen und Konzert­podien der Welt gestanden. Große Dirigenten wie Böhm, Karajan und Bernstein, in dessen Opern­mu­sical Candide sie die Old Lady verkör­perte, waren wichtige künst­le­rische Wegbe­gleiter. Dabei war nicht nur die Oper ihre Domäne. Gleicher­maßen lagen ihr auch das Oratorium und der Liedgesang am Herzen. Nach Beendigung ihrer Laufbahn sang sie konse­quent keinen Ton mehr, doch gab sie Meister­kurse und im hohen Alter debütierte sie noch mit einem Rezitationsabend.

Leicht muss man sein ist eine flott und flüssig geschriebene Hommage an eine der bedeu­tendsten Sänge­rinnen des 20. Jahrhun­derts. Sie knüpft an die Erinne­rungen von Christa Ludwig an, die 1994 unter dem Titel Und ich wäre so gern Prima­donna gewesen im Henschel-Verlag erschienen, mittler­weile aber vergriffen sind. Verglichen mit ihnen aber liest sich diese biogra­fische Publi­kation, die von Erna Cuesta und Franz Zoglauer aufge­zeichnet wurde, wie eine an der Oberfläche bleibende Essenz, in die zahlreiche Zitate der Sängerin einge­streut sind. Woher und von wann die stammen und um welche Form von Aufzeich­nungen es sich überhaupt handelt, wird aller­dings nicht erklärt.

Zahlreiche Fotos, viele davon aus Ludwigs Privat­archiv, und ein ausführ­liches, chrono­lo­gisch angeord­netes Auftritts-Verzeichnis runden den Band ab, ein disko­gra­fi­scher Überblick fehlt jedoch. Wer mehr über die Mezzo­so­pra­nistin erfahren möchte, sollte im Antiquariat nach ihren ersten,  aufschluss­rei­cheren Memoiren suchen. Eine Neuauflage dieser Erinne­rungen wäre ein schönes nachträg­liches Geschenk.

Karin Coper

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