O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.
Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.
Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.
O-Ton
3-Monats-Abo
für jeweils 3 Monate
O-Ton
Jahres-Abo
pro Jahr
O-Ton
6-Wochen-Abo
für jeweils 6 Wochen
O-Ton
Jahres-Mitgliedschaft
für ein Jahr
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
Kulturmagazin mit Charakter
O-Ton
Abo
Kultur entdecken
2018 wurde der 100. Geburtstag von Leonard Bernstein weltweit gefeiert: auf der Musiktheaterbühne und im Konzertsaal, mit CD-Einspielungen und Wiederauflagen seiner eigenen Plattenaufnahmen. Die Erinnerungen galten einem Ausnahmekünstler. Bernstein war Dirigent und Komponist, Pianist und Pädagoge, dazu ein Weltenbürger und Medienstar, politisch und gesellschaftlich gleichermaßen aktiv. All diese Lebensfacetten betrachtet der Historiker Sven Oliver Müller in seiner Biografie, die letztes Jahr bei Reclam herauskam und kürzlich auch als Taschenbuchausgabe erschienen ist. Wobei Biografie nicht ganz die richtige Bezeichnung ist. Denn der Autor beschränkt sich nicht auf eine chronologische Nacherzählung von Bernsteins Werdegang. In zehn Kapiteln porträtiert er den amerikanischen Tausendsassa unter thematischen Gesichtspunkten und setzt dessen Wirken in Beziehung zu seiner starken Ausstrahlung, die dem Band den Titel gibt: Leonard Bernstein, der Charismatiker.
| Buchidee | ![]() |
| Stil | ![]() |
| Erkenntnis | ![]() |
| Preis/Leistung | ![]() |
| Verarbeitung | ![]() |
| Chat-Faktor | ![]() |
Leonard Bernstein wurde 1918 in New York in eine jüdische Emigrantenfamilie hineingeboren. Die Musik beherrschte sein Leben seit Kindestagen. Er entdeckte das Klavierspiel und entwickelte sich zu einem vielversprechenden Pianisten. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der Harvard-Universität, obwohl sich seine Eltern zunächst aus finanziellen Gründen dem Berufswunsch entgegenstellten. Kapellmeisterlegenden wie Dimitri Mitropoulos und Sergei Koussevitzky erkannten sein Talent und ebneten ihm den Weg in eine Dirigentenlaufbahn, die 1943 spektakulär begann. Der damals 25-Jährige sprang kurzfristig für Bruno Walter ein und leitete ein Konzert der New Yorker Philharmoniker, das landesweit im Rundfunk übertragen wurde und mit der Geburt eines neuen Pultstars endete. 1958 wurde er als erster Amerikaner Chef dieses Orchesters. Er entwickelte eine ungeheure mediale Produktivität und hinterließ, als er 1990 starb, ein riesiges Vermächtnis von über 800 Schallplattenaufnahmen.
Mindestens ebenso wichtig war für Bernstein das Komponieren. Fünfundsiebzig Werke aller Gattungen entstanden im Laufe der Jahre, von der Klaviersonate bis zur ausladenden Sinfonie. Jedoch war ihm mit dem Musical West Side Story nur ein nachhaltiger Publikumshit vergönnt.
Enorm waren seine pädagogischen Fähigkeiten. Die Ausbildungsprogramme, die sich heute jede Kultureinrichtung auf die Fahne schreibt, hatten in Bernstein einen Vorreiter. Mit der im Fernsehen ausgestrahlten Reihe Young People’s Concerts, die von 1958 bis 1972 ausgestrahlt wurde, warb er leidenschaftlich für Musik jeglicher Art und begeisterte damit nicht nur junge Menschen.
Auch in die Politik mischte er sich ein. Er unterstützte John F. Kennedy und die Demokratische Partei, setzt sich für Bürgerrechtler ein, engagierte sich für Hilfsorganisationen, gab Benefizkonzerte für Amnesty International.
Seine Omnipräsenz in vielen öffentlichen Bereichen machte ihn zum Medienstar, der nicht nur die seriöse Kulturkritik, sondern auch die Boulevardpresse beschäftigte. Denn er umgab sich mit den Schönen und Reichen dieser Welt und zelebrierte einen glamourösen und exzessiven Lebensstil. Bernsteins Ehefrau, die chilenische Schauspielerin Felicia Montealegre, gab dem rast- und ruhelosen Künstler Halt. Trotz heftiger Krisen und seiner rücksichtslos ausgelebten Bisexualität stand sie bis zu ihrem frühen Tod bedingungslos hinter ihm.
Sven Oliver Müller ist ein aufschlussreiches, gut lesbares Buch über Leonard Bernstein geglückt. Es vermittelt einen faktenreichen und durch etliche Fotos illustrierten Einblick in ein schillerndes Künstlerleben. Der geht einher mit dem Versuch, Bernsteins Persönlichkeit in all ihren positiven und negativen Aspekten psychologisch zu erfassen und in Einklang zu bringen mit der Faszination, die von ihm ausging. Bernstein selbst fand für seine Erfolge eine lapidare Begründung: „Ich glaube, dass ich als Musiker einfach Glück gehabt habe …!“
Karin Coper