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Meine Reise zu Beethoven

Christian Thiele­manns Reise zu Beethoven ist bei C.H. Beck im Oktober erschienen und ein genuss­voller musika­li­scher und histo­ri­scher Weg zum Universum Beetho­ven­scher Musik. Die teils sehr persön­liche Ausein­an­der­setzung ist gleicher­maßen für Anfänger wie für Fortge­schrittene geeignet. Andreas H. Hölscher hat das Buch gelesen. 

Christian Thielemann - Bildschirmfoto

Reise ohne Ende

Wenn man sich Christian Thiele­manns neuem Buch Meine Reise zu Beethoven nähern möchte, dann fallen zwei Dinge sofort auf. Aufbau, Struktur und Cover ähneln sehr seinem ersten Buch Mein Leben mit Wagner, das vor acht Jahren ebenfalls im C.H. Beck-Verlag und ebenfalls unter der Mitwirkung von Christine Lemke-Matwey erschienen ist. Die Kenntnis dieses Buches ist natürlich nicht unabdingbare Voraus­setzung, um Thiele­manns neues Buch zu verstehen, aber es erleichtert doch so manches. Ein weiterer Aspekt ist Richard Wagners Novelle Eine Pilger­fahrt zu Beethoven, in der Wagner selbst die fiktive Geschichte von sich als jungem Musiker erzählt, der in voller Beethoven-Begeis­terung entflammt sich auf eine „Pilger­fahrt“ nach Wien zu dem „Genius“ begibt, um sich von Beethoven unter­richten zu lassen. In großer Ehrfurcht vor dem lange verstor­benen Meister gerät die Reise zu einer regel­rechten Wallfahrt. Dieser Verweis auf die Wagnersche Novelle ist auch deshalb gar nicht so abwegig, da auch in diesem Buch immer wieder Querver­weise zu Richard Wagner und seinen Werken zu finden sind. Thielemann im Spannungsfeld zwischen Beethoven und Wagner, das ist der thema­tische Leitfaden. „Für mich ist die Beschäf­tigung mit Beethoven mehr als die Aufgabe, geniale Noten zum Leben zu erwecken (was schon nicht wenig wäre): Sie ist eine Existen­z­weise, ein Credo. Davon möchte ich in diesem Buch erzählen.“

Das Buch ist einer­seits Biografie und Rezep­ti­ons­ge­schichte Beethovens, es gewährt aber auch gleich­zeitig tiefe Eindrücke nicht nur in die Biografie Thiele­manns, sondern er lässt, deutlich mehr als in seinem Wagner-Buch, auch Einblicke in sein Seelen­leben gewähren. Da werden selbst­kri­tisch Fehler und Fehlein­schät­zungen offenbart, auch Ängste werden offen angesprochen. Ein durchweg überra­schender Aspekt, da man Thielemann eigentlich als souve­ränen, manchmal etwas überheblich wirkenden Stardi­ri­genten in der Öffent­lichkeit wahrnimmt, der keine Fehler duldet und selbst auch keine macht. Die Einge­ständ­nisse rücken die scheinbar so perfekte Aura in ein anderes, zutiefst mensch­liches Bild Thiele­manns, der nun im gereiftem Alter mit den Fehlern der Jugend koket­tiert. Und noch etwas fällt auf: Ist Mein Leben mit Wagner dem ehema­ligem Bayreuther Festspiel­leiter Wolfgang Wagner „in großer Bewun­derung und Dankbarkeit“ gewidmet, so stehen in Meine Reise zu Beethoven an selber Stelle lediglich drei Buchstaben: LvB. Sein Vorwort ist wie eine Ouvertüre, in denen die wichtigsten Leitmotive thema­tisch anein­an­der­ge­reiht werden und die den Leser auf Thiele­manns lange, bis heute nicht endende Reise mitnimmt: Meine Reise zu Beethoven beginnt mit Herbert von Karajan und den Berliner Philhar­mo­nikern. Mit ihrem hellen, fast apolli­ni­schen Orches­ter­klang bin ich aufge­wachsen. Später kam für mich die Dirigen­ten­ge­neration vor Karajan dazu – dunkleres Timbre, flexi­blere Tempi –, und ich ahnte: Mit Beethoven bist du nicht schnell fertig. So war es auch, so ist es bis heute. Je besser man sein Werk kennt, desto höher schießen die Fragen in den Himmel.

Da Thielemann ein großer Anhänger von zeitchro­no­lo­gi­schen Abfolgen ist, ist sein Buch auch entspre­chend in insgesamt neun Kapitel gegliedert, in denen er den Leser auf eine imaginäre Konzert­reise an vier Abenden mit allen neun Symphonien mitnimmt. Die neun Symphonien sind für Thielemann Herz und Gipfel der sympho­ni­schen Tradition und ein Kosmos für sich, den man ein Leben lang erfor­schen kann. Aber auch das Violin­konzert und die fünf Klavier­kon­zerte sind aus seinem Dirigen­ten­leben nicht wegzu­denken. Und ohne die Klavier­so­naten und Streich­quar­tette, die späten zumal, wäre sein Beethoven-Bild ebenso wenig vollständig wie ohne die Missa solemnis. In ihr, findet Thielemann, kristal­li­siert sich der ganze Beethoven. Während die Missa für Thielemann also so etwas wie ein Herzens­stück ist, fremdelt er mit dem Fidelio, hat ihn bisher bewusst gemieden und auch noch nicht dirigiert, was schon bezeichnend ist, steht doch Beethovens einzige Freiheitsoper bei beson­deren Anlässen regel­mäßig auf den Spiel­plänen nahezu aller großer Häuser.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

„Meine Reise zu Beethoven ist eine Lebens­reise, obwohl es natürlich Phasen gibt, in denen ich kaum Beethoven dirigiere, weil andere Projekte im Vorder­grund stehen. Trotzdem bleibt er immer präsent. Auch wenn ich an Bach oder Mozart arbeite, an Wagner, Schumann, Bruckner oder Mahler, kreisen meine Gedanken viel um ihn. Auf Beethoven, denke ich, zielt alles hin, von Beethoven geht alles aus. Und jeder wählt seine eigene Reise­route: Die Geigerin oder der Pianist hat eine andere als der Musik­wis­sen­schaftler, die Streich­quartett-Spieler eine andere als die Sänger, das Publikum oder die Presse. Meine Route als Dirigent führt haupt­sächlich über die Symphonien, die Ouver­türen und Konzerte.“ Immer wieder kommt Thielemann auf das schwierige Thema Tempo und Rhythmus bei Beethoven zu sprechen, den oft nicht zu durch­schau­enden Metro­nom­zahlen, die Thielemann im Vergleich zu anderen Kollegen weniger dogma­tisch sieht. „Ein Leben ohne Beethoven kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Sein 250. Geburtstag bietet mir die Gelegenheit, meiner Beziehung zu ihm ausführ­licher auf den Grund zu gehen. Was faszi­niert mich (immer wieder) am Gang durch die neun Symphonien, warum scheue ich mich bislang vor seiner einzigen Oper Fidelio, und was lernt man als Dirigent von den 32 Klavier­so­naten?“ Diese Fragen, die Thielemann sich stellt, sind nicht rheto­risch, er sucht Antworten, teilt sie mit dem Leser. Sein Erzählstil ist phasen­weise so wechselhaft wie sein Dirigierstil. Fröhlich, heiter, manchmal schon urkomisch, wenn er typische Dirigen­ten­an­ek­doten über Kollegen erzählt. Dabei ist er nie herab­lassend, sondern begegnet vor allem den „Alten“ mit großem Respekt. Dabei taucht ein Name immer wieder auf: Wilhelm Furtwängler. Die Art, wie er alte Aufnahmen Furtwänglers bewertet und analy­siert, lässt schon darauf schließen, dass dieser Dirigent sein großes Vorbild ist, auch im Taktschlagen. Wenn er von Furtwänglers rudernden Armbe­we­gungen spricht, dann muss man fast ein wenig schmunzeln, denn diese Bewegungen sind auch typisch für Thielemann.

Mit Karajan, dessen Assistent er ja in jungen Jahren war, hat er dagegen mehr Diskre­panzen in Analyse und Inter­pre­tation. Er wird aber dann ernst, manchmal sogar etwas pedan­tisch, wenn er mit kurzen musik­wis­sen­schaft­lichen Abhand­lungen Tonart­wechsel, Tempo- und Rhyth­mus­wechsel analy­siert und erklärt. Das sind die Momente, wenn das Lesen etwas sperrig wird, vor allem für den musika­li­schen Laien, der dann zum Verständnis den einen oder anderen Begriff in einem Musik­le­xikon nachschlagen muss. Das ist zwar manchmal etwas ermüdend, aber man lernt natürlich auch eine Menge dazu. Es ist also nicht nur unter­haltsame Musik­li­te­ratur, sondern auch ernste Musik­wis­sen­schaft. Wenn man dann plötzlich etwas ins Stocken geraten ist, vollführt Thielemann mit einem Schlag einen Tempo­wechsel und überrascht den Leser mit dieser Aussage: „Für mich hatten seine Symphonien früh Farben. Die Vierte ist grün, die Dritte hat ein helles Orange. Wobei das keine spezi­fi­schen Beethoven-Farben sind, sie richten sich mehr nach den Tonarten. A‑Dur ist blau, As-Dur lila, c‑Moll ist schwärzlich oder grau.“ Das ist ein ganz neuer Aspekt, der im wahrsten Sinne des Wortes Farbe ins Spiel bringt und hier einen weiteren Sinn anspricht. Eine Symphonie nicht nur zu hören, sondern sie auch bildlich zu sehen, eine inter­es­sante Variante, auf die man sich einfach mal einlassen muss.

Das erste Kapitel ist mit der martia­li­schen Überschrift In die Todeszone und immer wieder zurück übertitelt. Schon der erste Satz: „Beethoven wird mich bis an mein Grab beschäf­tigen“ impli­ziert ja, dass seine Reise zu Beethoven noch lange nicht zu Ende ist. Warum das so ist, verdeut­licht Thielemann auch mit diesen Aussagen: „Beethoven war mir immer nah, ist mir immer nah. Er ist mir Grund­nah­rungs­mittel wie Bach oder Mozart. Alles, was Beethoven erfunden hat, begegnet uns später wieder. Bei Wagner, bei Brahms, bei Schönberg, bei allen. An Beethoven entscheidet sich alles. Er ist der Orgel­punkt eines jeden Musikerlebens. Mehr als Bach, nein: anders als Bach. Denn Bach wurde in den sechziger Jahren des 20. Jahrhun­derts von der histo­risch infor­mierten Auffüh­rungs­praxis gekapert – und aus dieser Haft nie wieder ganz entlassen. So etwas gibt es bei Beethoven nicht. Beethoven gehört allen: den Auffüh­rungs­prak­tikern wie den Roman­tikern, den Exzen­trikern und auch den politi­schen Exegeten. Das macht ihn modern. Das bringt ihn uns nah.“ Damit stellt er Beethoven in ein musika­li­sches Zentrum, das von Bach bis Schönberg reicht, also in etwa eine Schaf­fens­spanne von 250 Jahren. Gerade in diesem ersten Kapitel lässt Thielemann bildlich gesprochen die Hosen runter und überrascht immer wieder durch offene, manchmal schon intime Äußerungen zu seinem Musik­emp­finden: „Jeder erwachende Mensch sucht nach Extremen, macht Drogen­er­fah­rungen. Meine Droge war die Musik, und Beethoven stellte für mich ein ähnliches Erlebnis dar wie Wagner. Auch Konzert­abende von Maurizio Pollini und Daniel Barenboim mit späten Beethoven-Sonaten zählten dazu. Schwere Kost für einen Schüler, sollte man meinen, aber das Extreme war mir bald geläufig, ich bin ja auch mit Wagners Tristan und Isolde bedenklich früh in Berührung gekommen.

Beethovens musika­lische Sprache hatte für mich von Anfang an etwas unmit­telbar Vertrautes. Ich habe es nie verstanden und verstehe es bis heute nicht, dass viele Menschen mit dem späten, tauben, ach so verrückten Beethoven ein Problem haben. Bei mir war es eher so, dass ich den jungen, frühen Kompo­nisten nicht begriff, ich dachte, da inter­es­siert Beethoven mich nicht, weil er noch so harmlos ist. Was natürlich nicht stimmt. Und dann habe ich versucht, das Werk von hinten aufzu­dröseln, und habe beim frühen Beethoven vieles gefunden, was mich an den späten erinnerte. In der Klavier­sonate Opus 10 Nr. 3 zum Beispiel entdeckt man, wenn man genau hinhört, gewisse Dinge aus der Missa solemnis! Also kann ich eigentlich jedem Inter­preten nur raten, fangt mit dem späten Beethoven an!“

So arbeitet man sich dann in diesem Buch an vier imagi­nären Konzert­abenden durch die neun Symphonien, erfährt neben allerlei Musik­theo­re­ti­schem auch eine ganze Menge über die unter­schied­lichen Orchester, ihre Musiker und ihren beson­deren Klang. Neben seiner eigenen Dresdner Staats­ka­pelle sind es vor allem die Wiener Philhar­mo­niker, mit denen er vor rund zehn Jahren alle neun Symphonien in einem Live-Zyklus aufge­führt hat. Diese Aufnahmen sind sowohl als CD als auch als DVD erhältlich und bei YouTube zu sehen. Es bewährt sich, nach einigen theore­ti­schen Abhand­lungen beispiels­weise über die Eroica, Beethovens dritte Symphonie in Es-Dur, sich anschließend die Symphonie einmal anzuhören oder besser noch anzuschauen, und das eben Gelesene dann musika­lisch auf sich wirken zu lassen. In dieser dualen Heran­ge­hens­weise lernt man Beethoven noch einmal ganz neu, und auch Thielemann am Pult sehen wir dann wohl mit anderen Augen. Dazu passt auch dieses Statement von ihm: „Mit Beethoven muss man leben als Musiker. Und immer wieder neu kämpfen. Ich halte gar nichts davon, sich erst im vorge­rückten, reiferen Alter die Gipfel­werke des Reper­toires zuzutrauen. Flapsig formu­liert: Mit Mitte fünfzig ist bei Beethovens Neunter der Zug abgefahren! Die Reife dafür erwirbt man, indem man sich von dieser Symphonie gleichsam berieseln lässt und viele, viele Jahre lang weder ein noch aus weiß. Das muss man aushalten. Denn nur so beginnt es in einem zu reifen. Viele junge Dirigenten wollen heute vor allem Mahler dirigieren. Ich würde den Spieß umdrehen: Für Beethoven muss man jung sein, an Beethoven sollte man sich so früh wie nur irgend möglich die Pfoten verbrennen. An Mahler verbrennt man sie sich ohnehin, damit kann man auch noch etwas warten. Beim einen wie beim anderen muss man lernen, die Dinge mit Abstand zu sehen – und nicht in jede Falle zu tappen. Mahler stellt uns eine Falle nach der anderen; Beethoven ist eine einzige Falle. Im Grunde ist er unüberwindbar“.

Zwar bilden die Symphonien wie schon eingangs erwähnt das Haupt­gerüst, aber auch die diversen Ouver­türen und vor allem die Missa Solemnis kommen hier nicht zu kurz: „Auch zur Missa solemnis bin ich sehr früh gekommen, über eine Karajan-Aufnahme mit den Berliner Philhar­mo­nikern, da muss ich zwölf oder dreizehn gewesen sein. Die Missa hat mir sofort einge­leuchtet und gefallen, und im Gegensatz zu vielen von mir hoch verehrten Kollegen habe ich später nie gefunden, dass sie uns dirigen­tisch vor unlösbare Probleme stellt.

Meine erste Missa habe ich mit dem Chor und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin im Schau­spielhaus am Gendar­men­markt dirigiert (wie es damals hieß). Und schon da dachte ich: Die Missa ist kein unbezwing­barer Berg. Inzwi­schen habe ich sie an die fünfzehn Mal dirigiert. Vielleicht darf man vor diesem Typen mit der grimmigen Miene und den wilden Haaren einfach keine Angst haben. Jeden­falls ist und bleibt die Missa solemnis mein absolutes Herzensstück.“

Immer wieder tritt Thielemann mit Beethoven in ein imagi­näres Zwiege­spräch, stellt ihm Fragen, und erhält im Konzert durch die Musik die Antworten. „Deshalb muss Beethoven über Jahre und Jahrzehnte in einem gären. Sobald ich eine Beethoven-Partitur zur Hand nehme, trete ich in einen Dialog mit mir selbst: Immer hast du an dieser Stelle ein Ritar­dando gemacht – jetzt machst du es einmal nicht. Oder: Diesen oder jenen Satz hast du immer sehr schnell genommen, nimm ihn doch einfach langsamer!“ Thielemann liebt Wagner, zweifelsohne. Aber Beethoven verehrt er, und diese fast schon kosmische Spannung zwischen diesen beiden Kompo­nis­ten­ti­tanen zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch mit seinen 271 Seiten, das mit 18 Schwarzweiß-Fotos eher etwas sparta­nisch bebildert ist. Wer die Werke der beiden Kompo­nisten gut kennt, der wird in diesem Buch viele Berei­che­rungen finden. Aber auch für Einsteiger, die sich vielleicht durch die musik­wis­sen­schaft­lichen Abhand­lungen etwas quälen müssen, werden dann wieder durch den offenen und teilweise urkomi­schen Erzählstil Thiele­manns fürs Durch­halten belohnt. So schreibt er über den späten Beethoven: „Von Anfang an hat mich der späte Beethoven besonders beschäftigt. Ein Streich­quartett wie Opus 131 in cis-Moll ist im Grunde ja der helle Wahnsinn. Sieben Sätze – und keiner stimmt! Das Scherzo steht an der falschen Stelle, einen richtigen langsamen Satz gibt es auch nicht, alles scheint sich aufzu­lösen, ist bloß mehr Rezitativ. Ähnliches gilt für die späten Klavier­so­naten. Ist die Auflösung der Form die Konse­quenz aus den Freiheiten, die Beethoven sich als Komponist nimmt – und auch seinen Inter­preten zugesteht?“

Einen großen Anteil an diesem Buch hat aber auch sicher die Zusam­men­arbeit mit Christine Lemke-Matwey, denn das Buch entstand durch viele Gespräche der beiden Autoren im Zeitraum von 2016 bis 2020. Das Buch ist für Beethoven-Freunde und Thielemann-Fans gleicher­maßen ein Muss, und berei­chert die zum 250. Geburtstag von Beethoven umfang­reich neu erschienene Literatur, und lässt vieles, was über Beethoven schon bekannt war, in einem anderen Licht erscheinen. Deshalb gehört Thielemann auch das Schlusswort: „Beethoven entlässt uns nie aus der Pflicht. Das gilt auch für eher lebens­welt­liche Themen. Ein Musiker, der sein Gehör verliert und weiter­macht? Ein Sympho­niker, von dem so gut wie keine politische Äußerung überliefert ist – der aber bis heute hochpo­li­tisch rezipiert wird? Das regt die Fantasie an, bei Biographen, bei Inter­preten und bei den Zuhörern. Genauso wie die Frage, die mich partout nicht loslässt: Wie soll man Beethoven bloß einordnen? Als Klassiker, als Roman­tiker? Oder steht er über allen Kategorien?“

Andreas H. Hölscher

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