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Die Mozarts

Biografien zu Wolfgang Amadeus Mozart gibt es in reicher Auswahl. Am 19. September ist bei Benevento die Biografie Die Mozarts erschienen. Darin schildert Michael Lemster zwar auch das Leben Wolfgang Amadeus Mozarts, aber berichtet auf über 380 Seiten eben auch über die Familie. Für Andreas H. Hölscher ein unbedingt empfeh­lens­wertes Buch. 

Michael Lemster - Foto © Vedat Demirdöven

Der Aufstieg der Familie Mozart

Über Wolfgang Amadeus Mozart gibt es unzählige Biografien, Abhand­lungen, Romane. Wer sich für Mozart und seine Musik inter­es­siert, glaubt eigentlich das Notwen­digste zu wissen, über seine Herkunft, seinen Vater Leopold, seine Frau Constanze und natürlich sein ungeheu­reres Schaffen in dem viel zu kurzen Leben. Doch wo kamen die Mozarts her, wie konnte Wolfgang zu einem bis heute führenden Kompo­nisten weltweit aufsteigen, und was ist aus der Familie nach Mozarts frühem Tod geworden? Die Biografien der Famili­en­mit­glieder sind reich an Höhepunkten und Krisen, Rätseln und Verwick­lungen. War Leopold Mozart wirklich der unnach­giebige Zucht­meister des kindlich-unbeküm­merten Wolfgang? War das „Bäsle“ die große, aber unmög­liche Liebe des Kompo­nisten? Und war Wolfgangs Frau Constanze der Ruin der Familie oder die Mutter ihres Nachruhms? Diese spannenden Fragen versucht der Autor Michael Lemster mit feinem Gespür für das Zeitko­lorit in seinem Mozart-Buch zu beant­worten und erzählt die außer­ge­wöhn­liche Geschichte einer Familie, deren Geist vor allem in der klassi­schen Musik unsterblich wurde.

Die Geschichte der Mozarts beginnt nicht in Salzburg, sondern in einem kleinen Dorf bei Augsburg. Hier liegen die Wurzeln einer Familie, die der Menschheit ein großes Geschenk gemacht hat: drei Genera­tionen an Musikern von europäi­schem Ruhm und den Pianisten, Organisten, Violi­nisten, Musik­un­ter­nehmer und Kompo­nisten Wolfgang Amadeus Mozart. Die erste zeitliche Erwähnung fällt in das Jahr 1487, beschrieben wird eine eher armselige, karge Bauern­siedlung vor den Toren Augsburgs in der Nähe des Lechrains, das heute noch die „Stauden“ heißt, benannt nach dem Gestrüpp, das dort wächst. Und der erste Name der Familie, der urkundlich erwähnt ist, ist Andris (Andreas) Motzhart. In dem Namen Motzhart steckt das Wort „Mot“, es ist das mittel­hoch­deutsche Wort für schwarze Erde, Moder, Sumpf. Die Mozarts waren die, die im Morast wohnten, im Moder, im Schmutz. Und die Stauden sind die Gegend, aus der sie kamen – und aus der sie unbedingt wegwollten. Nach Augsburg, mit etwa 30.000 Einwohnern im 16. Jahrhundert eine Großstadt in Mittel­europa. Und so beschäftigt sich das erste Kapitel mit dem Überle­bens­willen der Gründer der Familie Mozart, ihrer Übersiedlung nach Augsburg und den schweren Zeiten des Dreißig­jäh­rigen Krieges. Der Stammbaum der Familie Mozart ist dann recht schnell aufge­ar­beitet, und schon im zweiten Kapitel ist erstmals die Rede vom 1719 geborenen Leopold Mozart, Sohn des Buchbinders Johann Georg Mozart und Vater von Wolfgang Amadé Mozart. Leopold Mozarts Kindheit und Jugend werden unter der Überschrift Schwabe aus Augsburg – Eine Jugend im Bannkreis von Kirchen und Klöstern ein umfang­reiches Kapitel gewidmet, dessen erste Begegnung mit Salzburg den 16-Jährigen nachhaltig prägen sollte. Sein musika­li­scher Aufstieg und der der Familie als „Compagnie“ wird intensiv beschrieben und natürlich die Liebes­heirat mit Anna Maria Pertl 1747.

Beschrieben werden das Leben und Wirken von Wolfgang Amadeus Mozarts Eltern immer im gesell­schaft­lichen Kontext zu der damaligen Zeit. Der Leser erfährt dadurch sehr inter­es­sante Begeben­heiten, die in den üblichen Biografien sonst eher zu kurz kommen. Somit ist das Buch mehr als nur eine Lebens­be­schreibung, es ist auch eine sozial­kri­tische Abhandlung über gesell­schaft­liche Gepflo­gen­heiten, Standes­dünkel und religiöse Abhän­gig­keiten. Eine insgesamt lebens­prall erzählte Famili­en­ge­schichte, einge­bunden in die Geschichte Europas. Lemster vermeidet im Übrigen, streng chrono­lo­gisch die Geschichte der Familie abzuhandeln, sondern springt immer wieder in der Lebens­ge­schichte von Leopold Mozart hin und her, erwähnt hier den Wolfgang, dort dessen Frau Constanze, was insgesamt die Lektüre auflo­ckert und den Leser doch stärker an das Buch fesselt.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Erst im Kapitel drei wird ausführlich auf die Kindheit Wolfgang Amadeus Mozarts einge­gangen. Lemster fasst das Leben Mozarts wie folgt zusammen: Wolfgang Amadé Mozart – so nannte er sich, nicht Amadeus – war zeit seines Lebens ein kränk­licher Mann. Er wurde nur 35 Jahre alt. In dieser Zeit machte er 30 Jahre Musik und schrieb mehr als mancher, der 60 Jahre Zeit zum Kompo­nieren hat. Er dachte einfach immer an Musik. Nach jedem Rückschlag, körperlich oder seelisch, erholte er sich schnell und machte weiter. Diese Vitalität ist für Lemster das Erstaun­lichste. Und die scheint ihm kennzeichnend für die ganze Familie. Mozarts Vorfahren waren Bauern oder halfen als Handwerker und Baumeister, das neuzeit­liche Augsburg erbauen. Denen wurde nichts geschenkt. „Die Mozarts wollten immer nach oben“, bedeutet das für Lemster. Über Leopold Mozart schreibt der Autor, dass er deutlich mehr war als ein angepasster, mäßig begabter Höfling. Er opferte sich als Baumeister der Karrieren seiner Kinder auf. Dafür nahm er erheb­liche Risiken auf sich, verschuldete sich, setzte seine Stelle aufs Spiel. Vor allem brachte er seine Familie auf die Straße zu mehrjäh­rigen Tourneen. Wolfgang war mehr als zehn Jahre unterwegs. Das wäre den meisten seiner Zeitge­nossen nicht einge­fallen. Inter­essant sind auch Lemsters Thesen zu den vielen Reisen, die Mozart machte und die als Mitur­sache für seinen kränk­lichen Zustand und seinen frühen Tod gelten. Laut Lemster waren diese Reisen auch eine „Quelle des Glücks und des Zusam­men­halts, wie man sie im 18. Jahrhundert selten findet.“ Ob sie Wolfgang Amadeus Mozart wirklich krank machten, ist nicht erwiesen. Sie brachten aller­dings einen anderen schwer­wie­genden Nachteil mit sich. Sie wurden gesell­schaftlich zweifelhaft. Und das, obwohl sie alles auf einen seriösen Auftritt setzten. Man reiste damals eben nicht herum, um seine Talente anzupreisen. Das taten im wesent­lichen nur Schau­steller und Abenteurer. „Unnütze Leute“, wie Habsburger-Kaiserin Maria Theresia sie nannte. „Die Kaiserin persönlich versaute Wolfgangs Karriere.“ Das ist schon eine nicht nur inter­es­sante, sondern auch höchst provo­kante These, ging man doch bisher davon aus, dass Wolfgang Amadeus Mozart, das Wunderkind, von Kaisern und Königen eher begünstigt wurde.

Das vierte Kapitel beschreibt Wolfgangs Werdegang vom aufge­klärten Höfling zum Individuum. Das ist jetzt die spannende Lebens­phase Mozarts, die den Großteil seiner enormen Schaf­fens­pe­riode ausmacht. Hier ändert sich der Stil Lemsters, er wird präziser, detail­lierter, zitiert aus vielen Briefen von und über Wolfgang A. Mozart und lässt den Leser so direkt teilhaben an seinem Lesen und seinen nicht immer standes­ge­mäßen Äußerungen wie „Was mich aber halb desperat macht, ist, daß ich an dem nemlichen Abend, als wir die Scheis-Musick da hatten, zur Gräfin Thum invitiert war …“ Insbe­sondere der umfang­reiche Brief­verkehr mit seinem Vater lässt enorme Rückschlüsse auf die Vater-Sohn-Beziehung zu. Auch sein schwie­riges Verhältnis zu Wien wird ausführlich beschrieben, und natürlich auch das nicht immer ungetrübte Eheleben von Wolfgang und seiner Constanze. Das letzte Unter­ka­pitel des vierten Abschnitts beschreibt Mozarts letzte Lebens­jahre und seinen frühen Tod sowie die rätsel­haften, bis heute nicht geklärten Umstände, einschließlich des immer wieder erhobenen Verdachtes, Antonio Salieri hätte Mozart vergiftet. In diesen Passagen liest sich das Buch fast wie ein Krimi­nal­roman. Im fünften und letzten Kapitel geht es vor allem um die Nachlass­pflege und das Wirken seiner Witwe Constanze sowie den beiden Söhnen Carl und Franz und den weiteren Nachkommen.

Dieses Buch über die Mozarts ist nicht nur eine Famili­en­bio­grafie, sondern gleich­zeitig auch ein Panorama der europäi­schen Geschichte. Hier unter­scheidet sich das Buch am meisten von den herkömm­lichen Biografien, denn Mozarts reich­liche Werke, seine Opern, Symphonien, seine vielen Klavier‑, Violin- und Hornkon­zerte, sie spielen in diesem Buch eine unter­ge­ordnete Rolle und werden nur am Rande erwähnt. Für den reinen Musik­lieb­haber ist diese Biografie dann eher zäh, für den gesell­schaftlich und histo­risch inter­es­sierten Leser ist das Buch dagegen ein Füllhorn von Infor­ma­tionen und Inter­pre­ta­tionen und sollte im Bücher­schrank eines Mozart­freundes nicht fehlen.

Andreas H. Hölscher

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