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Noch normal?

Neuer­dings werden viele Dinge in Deutschland nicht via Gesetz entschieden, sondern von Lobby-Gruppen oktroyiert. Das Unwohlsein, das viele Bürger dabei mehr oder minder deutlich empfinden, äußert sich in einer Sprach­lo­sigkeit der Mehrheit. Birgit Kelle lässt sich davon nicht beein­drucken und ruft in ihrem Buch dazu auf, die Norma­lität zu verteidigen. 

Birgit Kelle - Foto © privat

Den Wahnsinn in die Schranken weisen

Warum wird im öffentlich-recht­lichen Fernsehen neuer­dings so komisch gesprochen, dass man es nicht mehr versteht? Warum ist der Abend­zettel im Theater plötzlich von Sternchen überschwemmt, dass man den Text nicht mehr begreift und ihn deshalb lieber erst gar nicht liest? Und warum fühlt man sich als hetero­se­xu­eller, mehr oder minder glücklich verhei­ra­teter Mann mit zwei Kindern, plötzlich falsch im eigenen Land? Kinder müssen neuer­dings frühest­möglich in irgend­welche Insti­tu­tionen entsorgt werden, damit die Eltern arbeiten gehen. Männer fragen sich, ob es in der gegen­wär­tigen Situation nicht einfacher wäre, das Geschlecht zu wechseln oder wenigstens schwul zu werden, um sich den gesell­schaft­lichen Entwick­lungen anzupassen. Wann hat man den gesell­schaft­lichen Dialog verpasst, in dem all diese Verän­de­rungen disku­tiert und mehrheits­fähig wurden? Die breite Masse ist von solchen Fragen unberührt. Sie beschäftigt sich damit, genug Geld zu verdienen, um zu konsu­mieren und in einer immer engma­schiger überwachten Gesell­schaft unauf­fällig zu bleiben. Auch wenn das immer schwie­riger wird.

Gemein ist allen dieses Unwohlsein, das Gefühl, nicht mehr mitreden zu können und deshalb lieber schweigen zu wollen. Gegen dieses Schweigen der „Normalen“ schreibt Birgit Kelle in ihrem neuen, rund 300 Seiten starken Buch Noch normal? – Das lässt sich gendern! an. Kelle ist in Rumänien geboren und kam mit neun Jahren nach Deutschland. Heute arbeitet sie erfolg­reich als freie Journa­listin und Publi­zistin. Sie ist „begeis­terte Mutter von vier Kindern, langjäh­riges leidendes CDU-Mitglied und weibliche Feministin“. Das klingt ja schon mal danach, als ob sich eine Ewiggestrige gegen die Weiter­ent­wicklung der Gesell­schaft zur Wehr setzt. Bloß keine Verän­derung. Als kosmo­po­li­ti­scher Mensch, modern, weltoffen und zukunfts­ori­en­tiert, geht man ein Buch, das die These „Gender-Politik ist das Problem, nicht die Lösung“ schon auf dem Buchtitel trägt, mit größter Skepsis an. Ab der ersten Seite vermag die Autorin zu fesseln und entführt den Leser in einen Grusel‑, wenn nicht Horror-Roman. Nur, dass sie eben keine Fiktion verbreitet, sondern in überzeu­genden Analysen das aufar­beitet, was die Menschen derzeit nicht verstehen. Überzeugend legt sie dar, dass die Mecha­nismen sich geändert haben vom demokra­ti­schen Diskurs hin zu einer lobby­ge­steu­erten, staatlich alimen­tierten Diktatur. Kelle lässt kaum ein Beispiel aus, um zu zeigen, wie sehr die Gender-Ideologie versucht, die Gesell­schaft unter ihr Gedan­kenjoch zu zwingen, wie unter dem Deckmän­telchen der Weltver­bes­serung Werte wie Toleranz und Respekt einer Weltan­schauung unter­ge­ordnet werden, die vom Opfer­status diktiert wird – und ganz nebenbei dem Feminismus in nie gekannter Weise schadet.

Schon bald fühlt man sich als Leser in den Bann gezogen von einer Frau, die weniger anklagt als genau belegt, in welche Wider­sprüche und Ungerech­tig­keiten sich Lobby­isten begeben, die mit aller Macht versuchen, anderen Menschen ihre Meinung aufzu­zwingen, anstatt sich im gesell­schaft­lichen Diskurs mit anderen Auffas­sungen ausein­an­der­zu­setzen. Nicht immer mag man ihren Argumenten folgen, weil es ja durchaus „gute Ziele“ gibt. Natürlich ist Rassismus falsch, soll die Gleich­be­rech­tigung in der Gesell­schaft voran­schreiten, haben Menschen das Recht auf andere sexuelle Orien­tierung. Wenn Kelle aufzeigt, welche Konse­quenzen das in der derzeit prakti­zierten Übertreibung birgt, hat man das „Ja, aber“ schon auf der Zunge. Aber nein. Sie will nicht das Rad der Zeit zurück­drehen, ist nicht die Konser­vative, sondern verweist dezidiert auf die Wuche­rungen, die uns in die Sprach­lo­sigkeit treiben. Und damit macht sie Mut. Nein, wir müssen uns die perma­nenten Grenz­über­tritte nicht gefallen lassen. Wir müssen sie disku­tieren. Um zu gemein­samen Lösungen zu kommen. Nicht die Schrei­hälse, die von der Regierung bezahlt werden, haben das Recht, unsere Zukunft zu bestimmen. Sie haben weder das Recht, sich über biolo­gische Gegeben­heiten hinweg­zu­setzen, sie haben nicht das Recht, unsere Kinder zu „verstaat­lichen“ und ihnen in der Grund­schule in die Ohren zu plärren, welche sexuellen Gewohn­heiten für Erwachsene wichtig sind, und sie haben noch viel weniger das Recht, uns eine Sprache aufzu­zwingen, die schon Orwell als Neusprech entlarvt hat.

Gerade mit der Sprache ist es aller­dings schwierig in diesem Buch. Es darf bezweifelt werden, dass die „normalen Bürger“ mit dem Vokabular zurecht­kommen. Denn in der argumen­ta­tiven Ausein­an­der­setzung mit den verschie­denen gesell­schaft­lichen Entwick­lungen muss Kelle natürlich auch den „Fremd­sprech“ der Lobby­isten aufgreifen. Und das macht es manches Mal sperrig. Aber auch der Leser wird belohnt, der vielleicht nicht alles versteht und trotzdem am Ende die Botschaft mitnimmt. Wir dürfen uns nicht an unseren Kindern vergehen, um Ideologien durch­zu­setzen. Wir dürfen unsere sexuellen Neigungen ausleben, wenn wir damit andere nicht beläs­tigen. Und wir dürfen weiterhin für die Werte Toleranz und Respekt eintreten. Nein, das dürfen wir nicht. Das müssen wir.

Im Großen und Ganzen sind die „Normalen“ dafür, dass Menschen, egal, ob Mann oder Frau, mit welcher sexuellen Orien­tierung und mit welcher Hautfarbe auch immer, gleich­be­rechtigt neben­ein­ander leben. Und so ist das Thema Gender mitunter anstrengend. Aber das Buch ist erhellend, stimmt nachdenklich und ermutigt, sich gegen die Übergriffe der Schrei­hälse zur Wehr zu setzen. Damit wir wieder in eine Welt zurück­finden, in der das Argument zählt und nicht das Geld. Dieses Buch muss man unbedingt lesen.

Michael S. Zerban

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