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Prima la musica, poi le parole: Das ist die Regel im Musiktheater. Komponisten gehört die Aufmerksamkeit, Librettisten stehen seltener im Rampenlicht und sind schon gar nicht Gegenstand einer Biografie. Das macht Barbara Denschers Publikation Der Operettenlibrettist Victor Léon - Eine Werkbiographie zu einer Besonderheit. Ungewöhnlich ist auch der Ansatz des umfangreichen Buches, für das die Autorin ihre 2016 verfasste Dissertation überarbeitete. Denn sie beschränkt sich nicht darauf, den Lebensweg Léons nachzuerzählen, sondern stellt ihn in einen Kontext mit seinen Werken. Gleichzeitig gibt sie einen Einblick in die Operettenhistorie zwischen 1880 und 1940 mit dem Schwerpunkt Wien, mit Bezug auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse.
Victor Léon wurde 1858 als Sohn des Rabbiners Jakob Hirschfeld in der Slowakei geboren. Schon als Gymnasiast interessierte er sich für die Bühne und veröffentlichte erste Texte. Da das seinerzeit einem Jugendlichen verboten war, gab er sich den Nachnamen Léon. 1876 zog die Familie nach Wien. Hier übernahm der Vater eine Zeitung, in der sich auch Victor journalistisch betätigte. Seine ersten Sporen verdiente er sich als Theaterkritiker, doch schon bald folgten erste Versuche als Operettenlibrettist. Nach einigen Talentproben in der Provinz reüssierte er 1881 in Hamburg mit D’Artagnan und die drei Musketiere. In den folgenden Jahren entwickelte er sich zu einem der produktivsten Autoren im Operettenfach und schrieb Textbücher für zahlreiche Komponisten, unter anderem auch den Simplicius für Johann Strauß. Daneben verfasste er auch Opernlibretti und Schauspiele, sogenannte Zeitbilder, die aktuelle Themen aufgriffen. Darüber hinaus übernahm er weitere Funktionen im Theaterbetrieb, arbeitete als Dramaturg, Regisseur und artistischer Leiter des Theaters in der Josefstadt und baute dadurch sein künstlerisches Ansehen aus.
Die Operette Der Opernball mit der Musik von Richard Heuberger bescherte Léon 1897 den ersten nachhaltigen Erfolg. 1902 begann die Zusammenarbeit mit Franz Lehár, die 1905 im Welterfolg Die lustige Witwe gipfelte. Robert Stolz, Oscar Straus, vor allem aber Leo Fall hießen weitere berühmte Komponisten, mit denen er zusammenarbeitete. Bis 1932 folgte Textbuch auf Textbuch, häufig in Kooperationen mit anderen Autoren – darunter auch sein Bruder Leo Feld – die allerdings nicht immer konfliktfrei abliefen und manchen Prozess nach sich zogen.
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Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus erhielt Léon wegen seiner jüdischen Herkunft immer weniger Aufträge. 1938 folgte das Berufsverbot. Operetten-Kassenschlager, an denen er mitgearbeitet hatte, vorneweg Die lustige Witwe, aber wurden weitergespielt, nur ohne Angabe seines Namens. Die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1940 zog sich Léon fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück: „Ich bin gesund, aber etwas unnütz in der Welt“, so schrieb er in einem Brief an seine Frau.
Barbara Denschers Publikation ist ungemein faktenreich. Der Inhalt vieler Stücke und deren Wirkung auf Presse und Publikum werden detailliert beschrieben, einzelne Werke genauestens analysiert, beispielsweise Lehárs Operette Die Rastelbinder in Bezug zum sozialen Milieu und zur damaligen Migrationsbewegung gesetzt. Weniger im Fokus steht Léons Privatleben, prägende Ereignisse aber finden Erwähnung: der familiäre Hintergrund, das Dreiecksverhältnis mit der Ehefrau und der Geliebten, der frühe Tod der Tochter und das anschließende Zerwürfnis mit dem Schwiegersohn, dem Bühnenstar Hubert Marischka.
Eine genaue Auflistung aller aufgeführten Bühnenwerke Léons und des verwendeten Quellenmaterials runden den höchst lesenswerten, dazu auch schön illustrierten Band ab.
Karin Coper