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Der Operettenlibrettist Victor Léon

Einer, über den am wenigsten gesprochen wird beim Gesamt­kunstwerk Musik­theater, ist in der Regel der Librettist. Barbara Denscher ändert das und stellt in ihrem 520 Seiten umfas­senden Werk Victor Léon vor. Inzwi­schen ist die einstige Disser­tation überar­beitet und bei Transcript erschienen. Eine gute Entscheidung, findet Karin Coper, die das fakten­reiche Buch gern gelesen hat. Einblick in ein künst­le­ri­sches Werk

Barbara Denscher - Foto © Transcript Verlag

Prima le parole

Prima la musica, poi le parole: Das ist die Regel im Musik­theater. Kompo­nisten gehört die Aufmerk­samkeit, Libret­tisten stehen seltener im Rampen­licht und sind schon gar nicht Gegen­stand einer Biografie. Das macht Barbara Denschers Publi­kation Der Operet­ten­li­brettist Victor Léon - Eine Werkbio­graphie zu einer Beson­derheit. Ungewöhnlich ist auch der Ansatz des umfang­reichen Buches, für das die Autorin ihre 2016 verfasste Disser­tation überar­beitete. Denn sie beschränkt sich nicht darauf, den Lebensweg Léons nachzu­er­zählen, sondern stellt ihn in einen Kontext mit seinen Werken. Gleich­zeitig gibt sie einen Einblick in die Operet­ten­his­torie zwischen 1880 und 1940 mit dem Schwer­punkt Wien, mit Bezug auf die gesell­schaft­lichen und politi­schen Verhältnisse.

Victor Léon wurde 1858 als Sohn des Rabbiners Jakob Hirschfeld in der Slowakei geboren. Schon als Gymna­siast inter­es­sierte er sich für die Bühne und veröf­fent­lichte erste Texte. Da das seinerzeit einem Jugend­lichen verboten war, gab er sich den Nachnamen Léon. 1876 zog die Familie nach Wien. Hier übernahm der Vater eine Zeitung, in der sich auch Victor journa­lis­tisch betätigte. Seine ersten Sporen verdiente er sich als Theater­kri­tiker, doch schon bald folgten erste Versuche als Operet­ten­li­brettist. Nach einigen Talent­proben in der Provinz reüssierte er 1881 in Hamburg mit D’Artagnan und die drei Muske­tiere. In den folgenden Jahren entwi­ckelte er sich zu einem der produk­tivsten Autoren im Operet­tenfach und schrieb Textbücher für zahlreiche Kompo­nisten, unter anderem auch den Simplicius für Johann Strauß. Daneben verfasste er auch Opern­li­bretti und Schau­spiele, sogenannte Zeitbilder, die aktuelle Themen aufgriffen. Darüber hinaus übernahm er weitere Funktionen im Theater­be­trieb, arbeitete als Dramaturg, Regisseur und artis­ti­scher Leiter des Theaters in der Josef­stadt und baute dadurch sein künst­le­ri­sches Ansehen aus.

Die Operette Der Opernball mit der Musik von Richard Heuberger bescherte Léon 1897 den ersten nachhal­tigen Erfolg. 1902 begann die Zusam­men­arbeit mit Franz Lehár, die 1905 im Welterfolg Die lustige Witwe gipfelte. Robert Stolz, Oscar Straus, vor allem aber Leo Fall hießen weitere berühmte Kompo­nisten, mit denen er zusam­men­ar­beitete. Bis 1932 folgte Textbuch auf Textbuch, häufig in Koope­ra­tionen mit anderen Autoren – darunter auch sein Bruder Leo Feld – die aller­dings nicht immer konfliktfrei abliefen und manchen Prozess nach sich zogen.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Mit dem Aufkommen des Natio­nal­so­zia­lismus erhielt Léon wegen seiner jüdischen Herkunft immer weniger Aufträge. 1938 folgte das Berufs­verbot. Operetten-Kassen­schlager, an denen er mitge­ar­beitet hatte, vorneweg Die lustige Witwe, aber wurden weiter­ge­spielt, nur ohne Angabe seines Namens. Die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1940 zog sich Léon fast vollständig aus der Öffent­lichkeit zurück: „Ich bin gesund, aber etwas unnütz in der Welt“, so schrieb er in einem Brief an seine Frau.

Barbara Denschers Publi­kation ist ungemein fakten­reich. Der Inhalt vieler Stücke und deren Wirkung auf Presse und Publikum werden detail­liert beschrieben, einzelne Werke genau­estens analy­siert, beispiels­weise Lehárs Operette Die Rastel­binder in Bezug zum sozialen Milieu und zur damaligen Migra­ti­ons­be­wegung gesetzt. Weniger im Fokus steht Léons Privat­leben, prägende Ereig­nisse aber finden Erwähnung: der familiäre Hinter­grund, das Dreiecks­ver­hältnis mit der Ehefrau und der Geliebten, der frühe Tod der Tochter und das anschlie­ßende Zerwürfnis mit dem Schwie­gersohn, dem Bühnenstar Hubert Marischka.

Eine genaue Auflistung aller aufge­führten Bühnen­werke Léons und des verwen­deten Quellen­ma­te­rials runden den höchst lesens­werten, dazu auch schön illus­trierten Band ab.

Karin Coper

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