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Straßenmusik

Markus Behr hat einen Roman geschrieben, der am 1. März bei Picus erschienen ist und von zwei Jugend­lichen erzählt, die sich in Amsterdam treffen. Auf rund 216 Seiten erfährt der Leser, was sie in die nieder­län­dische Metropole treibt, was sie dort erleben und was daraus resul­tiert. Das Buch hat alles, was der Zeitgeist verlangt. 

Markus Behr - Foto © Paul Feuersänger

Zu kurz gesprungen

Markus Behr ist in Hannover geboren, studierte Germa­nistik und Anglistik in Göttingen. Er reüssierte als Kabarettist, produ­zierte mehrere Hörspiele und leitete fünf Jahre lang ein Sprech­theater-Ensemble. Heute lebt Behr im Ruhrgebiet und unter­richtet an einem Gymnasium des zweiten Bildungswegs. Vor vier Jahren erschien sein Debüt­roman Vater­schaftstest. Jetzt legt er sein zweites Werk vor.

Eigentlich läuft es für Jonas ganz gut. Er ist Bassist in einer Band, die kurz vor dem Durch­bruch steht. Das könnte ihn sogar vor dem ungeliebten Studium bewahren. Aber wie in solchen Fällen durchaus üblich, wird die Band vor dem ganz großen Auftritt noch einmal neu aufge­stellt. Was in seinem Fall bedeutet, dass er raus ist. Mit der Freundin ist Schluss. Wie soll es weiter­gehen? Er macht sich auf den Weg nach Amsterdam, um der Wirklichkeit zu entfliehen. Auch Chiara steht vor einer ungewissen Zukunft. Sie packt ihre Gitarre ein und reist ebenfalls nach Amsterdam. Sie will dort Straßen­musik machen. Kurz begegnen sich die beiden im Zug. Während Jonas mehr oder minder orien­tie­rungslos durch die nieder­län­dische Metropole irrt, lernt Chiara in einer Kneipe drei Tänze­rinnen kennen. Auch sie hat eine Beziehung hinter sich – wie es heute zum guten Ton zu gehören scheint, ist sie lesbisch und hat sich von ihrer Freundin getrennt. Die drei Tänze­rinnen sind ebenfalls lesbisch. Sie nehmen Chiara mit in ihre Ferien­wohnung. Dort stellt sie fest, dass sie ihre Gitarre in der Kneipe vergessen hat. Jonas kehrt in dieselbe Kneipe ein und findet die Gitarre. Weil sich im Lokal niemand dafür zuständig fühlt, nimmt der Musiker das Instrument in dem festen Vorsatz mit, es am nächsten Tag wieder zurück­zu­bringen. Bevor er es dort abliefern kann, spielt er auf der Straße, wo ihn Chiara sieht und ihre Gitarre zurückverlangt.

Sie treffen sich wieder, spielen gemeinsam auf der Straße. Könnte alles gutgehen und sich beispiels­weise zu einem Road-Movie entwi­ckeln. Weil aber Jonas offenbar auf dem Stand eines 17-Jährigen ist, bricht er ab und kehrt nach Deutschland zurück. Auch Chiara, die sich nicht zwischen zwei Lesben entscheiden kann, beendet ihren Aufenthalt in den Nieder­landen. Derweil verbreitet sich ein Video von ihrem Straßen­auf­tritt in den sozialen Netzwerken, so dass sie eine gewisse Berühmtheit erlangen. Jonas‘ frühere Band erkennt nun, dass der neue Bassist doch nicht so überwäl­tigend ist, und das neue Label möchte gern Chiara und Jonas in die Band integrieren. Die beiden entscheiden sich dagegen. Das Ende bleibt offen.

216 Seiten lang geht das. Und doch plätschert die Erzählung an der Oberfläche dahin. Für große Gefühle ist kein Platz mehr, aber auch die Zweifel bleiben im Ungefähren. Obwohl alles nett und flüssig im Stil eines Jugend­buchs erzählt ist, gelingt es dem Autor nicht, den Leser zu packen. Das Thema Straßen­musik, das man hätte hinter dem Titel des Buchs vermuten können, findet so gut wie gar nicht statt. Dafür hätte es aller­dings auch einer Recherche bedurft, die der Autor offenbar erst gar nicht angestellt hat. Das Ganze erinnert an einen dieser netten Spiel­filme im öffentlich-recht­lichen Fernsehen. Weich­ge­spült und zeitgeistig plätschern die „Konflikte“ vor sich hin, ein Hauch von Blümchen-Lesben-Sex inklusive, bis die 90 Minuten vorbei sind. Wer so etwas in Leseform mag, ist mit diesem Buch sicher gut aufge­hoben. Genauso wie derjenige, der gerne Klischees bestätigt sieht. Denn von denen gibt es reichlich. Wenn es ganz schlecht läuft, liegt Behr mit seinem Buch im Trend, der den Lesern in naher Zukunft viel Oberfläche mit einer ausrei­chenden Anzahl an Minder­heiten präsen­tieren wird.

Michael S. Zerban

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