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Tod auf der Unterbühne

Konstanze Breitebner nimmt in ihrem ersten Theater­krimi die Leser mit in rasante und humoris­tische Ermitt­lungen nach einem Mord an dem Regisseur einer Theater­auf­führung in Nieder­ös­ter­reich. Ist die verdächtige Haupt­dar­stel­lerin wirklich die Mörderin? Andreas H. Hölscher hat im Geiste mitermittelt. 

Konstanze Breitebner - Foto © Sabine Hauswirth

Tod eines Regisseurs

Mord im Theater! Ein in den meisten drama­ti­schen Theater­stücken nicht ungewöhn­licher Aspekt. Insbe­sondere bei William Shake­speares Dramen ist der Mord ein wichtiges Stilelement. Othello erwürgt seine Frau Desdemona, Macbeth ersticht Duncan, Claudius ermordet Hamlet. Die Liste lässt sich beliebig erweitern, der Mord als drama­ti­scher Höhepunkt macht oft den Reiz der Theater­dramen aus. Besonders inter­essant wird es, wenn der Mord nicht auf der Theater­bühne passiert, sondern hinter den Kulissen oder wie in diesem Fall auf der Unter­bühne. Und wenn es dann auch noch den Regisseur einer Freiluft­auf­führung von Shake­speares Ein Sommer­nachts­traum in der Nähe von St. Pölten trifft, dann hat das schon fast etwas von einem gesell­schaft­lichen Ereignis und ist Stoff für ein eigenes Drama. Und genau diesen Stoff hat Konstanze Breitebner jetzt in einem amüsantem Theater­krimi verarbeitet.

Die General­probe für das Sommer­theater in einem kleinen Ort in Nieder­ös­ter­reich hatte gut begonnen. Eine moderne Insze­nierung von Shake­speares Ein Sommer­nachts­traum steht auf dem Spielplan einer kleinen Freiluft­bühne. Alles ist fast perfekt vorbe­reitet für die Premiere. Doch kurz vor Ende des ersten Aktes die grausige Überra­schung, der Regisseur liegt blutüber­strömt und tot auf der Unter­bühne! Vorhang zu für das Stück und gleich­zeitig Vorhang auf für die neue Bezirks­in­spek­torin Antonia Ranik aus St. Pölten, die hier ihren ersten Fall zu bearbeiten hat und sich dabei auch gegenüber Ressen­ti­ments ihrer Vorge­setzten behaupten muss. Die junge Krimi­nal­po­li­zistin ermittelt im Ensemble nach möglichen Verdäch­tigen. Schnell wird ihr klar, fast jeder im Ensemble hatte so seine Schwie­rig­keiten mit dem chole­ri­schen Regisseur, der auch schon mal die Haupt­dar­stel­lerin vor allen anderen Ensem­ble­mit­gliedern bloßstellte und schika­nierte. Der Tote war alles andere als beliebt. Vom egoma­ni­schen Spiel­leiter zum Opfer in einem Mordfall. Wer hatte es auf Mateo Ander abgesehen? Hat jemand aus dem Ensemble versucht, einen perfekten Mord zu insze­nieren? Doch wer hatte genug Wut im Bauch, um bis zum Äußersten zu gehen? Hat die renom­mierte Theater­schau­spie­lerin Liane Blau die Anfein­dungen des Regis­seurs nicht verwinden können und sich gerächt? Doch im Rahmen der Ermitt­lungen kommen immer mehr Details aus dem Privat­leben der Schau­spieler zu Tage, die alle irgendwie eine unglück­selige Verbindung zum Regisseur hatten und sich auch mehr oder wenig verdächtig verhalten.

Von der Wirts­haus­schlä­gerei zum Mordfall im Sommer­theater, es ist ein aufre­gender Auftakt für Antonia Ranik in ihrem neuen Job als Krimi­nal­po­li­zistin. Die Bezirks­in­spek­torin stürzt sich in die Ermitt­lungen und stellt bald fest, dass der Mord viele Motive haben könnte. Der Krimi nimmt bis zu seinem überra­schenden Ende immer neue Wendungen und stellt den im Geiste miter­mit­telnden Leser vor immer neue Heraus­for­de­rungen. Es ist ein packender öster­rei­chi­scher Theater­krimi mit viel Lokal­ko­lorit aus der Feder der bekannten Drehbuch­au­torin und Schau­spie­lerin Konstanze Breitebner, die mit dem Buch ihr Krimi­debüt vorlegt.

Breitebner, geboren am 31. Dezember 1959 in Wien, absol­vierte die Schau­spiel­schule Krauss in ihrer Heimat­stadt und die École inter­na­tionale de Théâtre Jacques Lecoqin Paris. Die profes­sio­nelle Schau­spiel­kar­riere begann am Wiener Ensemble-Theater. 1983 erhielt sie ein Engagement am renom­mierten Wiener Volks­theater, in den 1990-er Jahren folgten Engage­ments in Bonn und Frankfurt, 1998 kehrt sie nach Wien zurück, um am Theater in der Josef­stadt zu arbeiten. In dieser Zeit begann ihre Arbeit in TV-Filmen, dazwi­schen spielte sie unter anderem am Landes­theater St. Pölten, im Wiener Lustspielhaus, im Stadt­theater Walfisch­gasse und gastierte regel­mäßig im Theater zum Himmel. Im Sommer ist sie Ensemble-Mitglied in den Sommer­nachts-Komödien Rosenburg.

Neben Engage­ments in namhaften Theater­häusern wie dem Wiener Volks­theater und dem Theater in der Josef­stadt wirkte sie in zahlreichen Kinofilmen sowie TV-Produk­tionen mit, unter anderem in Der Salzbaron, Schloss­hotel Orth, Traum­schiff und Tatort. Sie schreibt Theater­stücke und war zuletzt auch als Drehbuch­au­torin fürs Fernsehen aktiv. Die renom­mierte Schau­spie­lerin und mehrfach ausge­zeichnete Drehbuch­au­torin wagt sich in neue Gefilde und bringt mit Tod auf der Unter­bühne ihren ersten Krimi in den öster­rei­chi­schen Buchhandel. Das Buch ist für Breitebner auch eine Liebes­er­klärung ans Theater mit tiefen Einblicken in die Abgründe und Hinter­gründe und die unsicht­baren Vorgänge, die das Leben der Theater­men­schen bestimmen.

„Ich entführe die werte Leser­schaft in meine geliebte Theaterwelt – hinter die Kulissen, in die Garde­roben und hinunter auf die Unter­bühne. Ein Ort, den ich immer schon faszi­nierend fand. Zumeist dunkel und verwinkelt, laufen dort während der Vorstellung oft Umbauten ab, Schau­spieler huschen von einem Auftritt zum nächsten, wechseln oft auch noch in rasendem Tempo ihre Kostüme … dann steigt man auf eine Hebebühne und schwebt in wenigen Augen­blicken hoch ins gleißende Licht der Schein­werfer … all das läuft wie ein Ballett ab, gut eingeübt, aufein­ander abgestimmt und zumeist lautlos, weil wenige Meter darüber ja eine Vorstellung gespielt wird. Das muss jeden Abend perfekt ablaufen, eine kleine Unacht­samkeit kann alle in Gefahr bringen, so wie ein Sandkorn im Getriebe alles zerstören kann. Ja, dort unten lauern auch Gefahren, wenn man nicht gut aufpasst oder einen falschen Handgriff macht oder zu spät kommt oder …“, macht Breitebner Lust auf ihr Buch.

Man merkt als Leser sofort, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht bezie­hungs­weise worüber sie schreibt. Das Theater ist ihr Metier, und auch sie hat natürlich in ihrer langjäh­rigen Karriere Disso­nanzen und Strei­te­reien mit Regis­seuren gehabt, ohne die aller­dings in Jenseits zu befördern. Und die Haupt­dar­stel­lerin Liane Blau in diesem Krimi scheint dabei, nicht nur wegen des Alters, eine Art Alter Ego Breitebners zu sein. Mit der jungen Bezirks­in­spek­torin Antonia Ranik, einer aufstre­benden Polizistin mit Theater­er­fahrung und Migra­ti­ons­hin­ter­grund, fiebert man bei den Ermitt­lungen förmlich mit. Und da ist dann noch Strei­fen­po­lizist Ferdl Berger, der Ranik zugeteilt wird, noch nie in einem Theater war und mit den Theater­leuten fremdelt. Hier geht es auch um Verständnis und Loyalität.

Die 320 Seiten lesen sich leicht und schnell, man taucht tief ein in die Welt des Theaters. Breitebner bedient viele gängige Klischees, um die meisten davon auch zu wider­legen. Der Schluss ist überra­schend und nicht vorher­sehbar, so wie sich das für einen guten Krimi gehört. Mit ihrem Debüt­krimi Tod auf der Unter­bühne hat Konstanze Breitebner ihrem Reper­toire eine neue, spannende Facette hinzu­gefügt, der gerne weitere folgen dürfen. Der spannende Theater­krimi ist die perfekte Urlaubs­lektüre für diesen Sommer.

Andreas H. Hölscher

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