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Totentanz am Strand

Klaus-Peter Wolf hat Dr. Sommer­feldt wieder­auf­er­stehen lassen, den gefähr­lichsten Mann des Landes. Er hat damit einen der aufre­gendsten Krimis dieses Jahres geschrieben. Sommer­lektüre? Gewiss. Leichte Kost? Sicher nicht. Aber so was von spannend, dass man nicht aufhören wird zu lesen, ehe man erfährt, was hier sicher nicht verraten wird. So richtig gut endet es nicht. Atemlose Spannung über 380 Seiten

Klaus-Peter Wolf - Foto © Gaby Gerster

Verlorenes Glück

▶ https://www.fischerverlage.de/buch/totentanz_am_strand/9783596299195

Es fängt vergleichs­weise harmlos an. Da gibt es diesen Dr. Bernhard Sommer­feldt, der sechs Menschen umgebracht hat. Na gut, in einem Buch ist das vergleichs­weise leicht hinnehmbar. Wenn es nicht um Sommer­feldt ginge. Der zieht den Leser schon auf den ersten Seiten in den Bann seiner Persön­lich­keits­stö­rungen. Der Arzt aus Ostfriesland ist so krank, dass es an Norma­lität grenzt.

Klaus-Peter Wolf ist das, was man einen Erfolgs­autor nennt. Er hat Drehbücher für den Tatort und Polizeiruf 110 geschrieben. Aber was man in seinem, im Juni dieses Jahres erschie­nenen Buch liest, hat mit der sonntäg­lichen Alltagskost wenig zu tun. Wolf versetzt sich in seinem rund 380 Seiten umfas­senden Roman Totentanz am Strand in die Seele des Täters. Und zwar so vehement, dass man sich dem nicht entziehen kann.

Das ist politisch unkorrekt, schließlich geht es um die Opfer, aber gerade das macht die Faszi­nation des Romans aus. Ist ja klar, dass wir alle mehr Mitgefühl für das Opfer empfinden und dass es gemein ist, dass sich alle Welt mehr um den Täter als um das Opfer kümmert. Hier aber geht es nahezu ausschließlich um den Täter. Um seine Sicht­weise. Mit jeder Zeile schwindet der Atem. Und während die Familie sich am Strand tollt, wird man keinen Moment mehr auslassen, die patho­lo­gische Entwicklung des Serien­mörders zu verfolgen. Nach dem Abend­essen, wenn die Familie sich müde vor dem Fernseher versammelt, zieht man sich lieber zurück, um das Schicksal des Täters Sommer­feldt zu verfolgen.

Rasante Ortswechsel zwischen Norden, Gelsen­kirchen und Bamberg, schreck­liche Entwick­lungen, die so unvor­her­sehbar wie atembe­raubend sind, bringen den Täter schließlich zu seinem Lebens­glück. Scheinbar. Natürlich. Selten findet man eine Geschichte, die alles hat, was eine Braut tragen muss, um glücklich in die Ehe zu finden. Da gibt es Neues, Gebrauchtes und Gelie­henes. Neu ist die Sicht­weise, gebraucht sind die Klischees des Schizo­phrenen, geliehen sind die zahlreichen lyrischen Zitate. Keine Sekunde möchte man auslassen zwischen Gelsen­kirchen im Ruhrgebiet und Norden in Ostfriesland. Immer wieder überra­schend die Wendungen, immer enger schließt sich die Spirale.

Angenehm ist dabei die Sprache, die sich vom Umgangs­sprach­lichen abhebt, in kurzen Sätzen ergeht und die Handlung scheinbar neben­sächlich voran­treibt. Ein großar­tiges Buch, das einen keinen Moment auslässt. Wer ganz große Oper ohne Musik erleben will, setze sich an den Strand und beginne die Lektüre. Selten hat ein Buch so gefesselt wie der Totentanz am Strand. Und es gibt kein Ende. Der dritte Teil zu Sommer­feldt, so viel sei schon verraten, wird erscheinen. Vielleicht. Unbedingt. Man weiß es nicht. Denn die nächsten Pläne von Sommer­feldt werden genauso wenig von Glück beseelt sein wie die bisherigen.

Ein großar­tiges, spannendes, atemloses Buch, dass den Sommer dieses Jahres berei­chert. Unbedingt kaufen, sich an den Strand zurück­ziehen und genießen.

Michael S. Zerban

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