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Das Verschwinden des Josef Mengele

Bis heute ist der Name Josef Mengele mit Grusel behaftet. Dass er nach Kriegsende einfach so abtauchen konnte, ist glück­li­cher­weise bis heute vielen ein Dorn im Auge. Olivier Guez hat einen Roman im Aufbau-Verlag vorgelegt, der erzählt, wie es Mengele späterhin ergangen sein könnte. Zwischen Fiktion und Recherche entsteht das Bild eines Mannes, den man nicht kennen möchte. 

Olivier Guez - Foto © Claude Truong-Ngoc

Leidvoll bis zum Schluss

Hätten die Konzen­tra­ti­ons­lager der Natio­nal­so­zia­listen nur zur Ermordung von Menschen gedient, wäre es allemal schlimm genug gewesen. Tatsächlich wurden dort Ärzte einge­setzt, die mit ihren abstrusen Versuchen im Namen der Wissen­schaft weitaus Schlim­meres anrich­teten. Einer dieser Ärzte war Josef Mengele, der absolut alberne Menschen­ex­pe­ri­mente durch­führte, auf die er auch noch stolz war. Schon für die Dämlichkeit dieser Versuche würde heute – hoffentlich – jeder Arzt augen­blicklich seine Appro­bation verlieren. Bis heute hält sich das fatale Gerücht, die abartigen Machen­schaften hätten irgend­etwas für die Forschung in der Medizin bewirkt. Das ist – medizi­nisch betrachtet – kompletter Unsinn.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Mengele abtauchen, wollte er nicht wegen der Gräuel­taten, die er in Auschwitz zu verant­worten hatte, zum Tode verur­teilt werden. Er flüchtet wie viele Nazis nach Südamerika, um sich der Verant­wortung zu entziehen. Und es geht ihm nach schwie­riger Einge­wöhnung gut dort. Aber allmählich sinkt sein Stern. Oliver Guez hat die Geschichte glaubhaft nachge­zeichnet. Bewusst wählt er nicht den Sachbe­richt, weil doch vieles im Ungewissen bleibt, sondern füllt die Lücken der Recherche, indem er einen Roman verfasst. Das füllt die Geschichte dann auch mit Fleisch und Blut. Auf rund 200 Seiten erzählt Guez von dem Wahnsinn eines verblen­deten Akade­mikers mit einer beunru­hi­genden Normalität.

Alsbald schon weiß der Leser nicht mehr, wohin er soll mit diesem Monstrum. Man kann doch bitte kein Mitleid haben mit diesem Mann, mit dem es immer weiter bergab geht – und der immer noch Unter­stützung aus Deutschland erfährt. Nein, man muss sich permanent den Irrsinn der so genannten Konzen­tra­ti­ons­lager vor Augen halten, damit man nicht noch auf das erbärm­liche Schicksal des Mengele in Südamerika herein­fällt. Dass er jämmerlich an einem Strand verreckt, ist das Aller­min­deste, was man erwarten darf.

Es ist ein schwie­riges Buch zumindest für den, der nicht schon alle Wahrheit für sich gepachtet hat. Aber genau deshalb so packend, dass man es unbedingt lesen muss. Und ein wenig beschämend ist es auch, dass ein solches Buch heute notwen­diger ist denn je. Denn längst gehören eigentlich solche Figuren einer Vergan­genheit an, die abgeschlossen gehört. Die Wirklichkeit lehrt uns anderes. Da können wir nicht oft genug von den Mengeles lesen, die unsere Welt in den humanis­ti­schen Abgrund gestoßen haben.

Michael S. Zerban

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