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Wilhelm Furtwängler

War er ein Nazi oder war er’s nicht? Bis heute wird disku­tiert, welche politische Einstellung Wilhelm Furtwängler hatte. Herbert Haffner hat in seiner knapp 460 Seiten starken Biografie erneut das Leben und Wirken des Dirigenten unter die Lupe genommen. Karin Coper gefällt vor allem die Akribie, mit der Haffner Material zusam­men­ge­tragen hat. 

Herbert Haffner - Foto © privat

Mythos und Wirklichkeit

Kaum ein Dirigent des 20. Jahrhundert wurde als Orches­ter­leiter von Musikern und vom Publikum so verehrt wie Wilhelm Furtwängler. Kaum einer war aber auch persönlich so umstritten. Was an seiner wider­sprüch­lichen Haltung während des Natio­nal­so­zia­lismus lag, die ihm viel Ablehnung einbrachte.

Bis heute wird darüber speku­liert, ob er Mitläufer war, die Realität nicht wahrhaben wollte oder in den inneren Wider­stand ging. Ein Theater­stück, ein Film und auch ein Buch, verfasst vom ehema­ligen SFB-Musik­re­dakteur Klaus Lang, beschäf­tigen sich ausschließlich mit diesem Thema.

Hingegen hat der Kultur­pu­blizist Herbert Haffner in seiner rund vierhun­dert­sei­tigen Biografie Wilhelm Furtwängler – Im Brenn­punkt von Macht und Musik dessen gesamte Lebens­ge­schichte im Blick. Ergebnis ist ein äußerst vielschich­tiges, exzellent recher­chiertes und nie wertendes Porträt, das nicht nur den Werdegang des Dirigenten im Fokus hat, sondern auch dem Kompo­nisten und Privat­men­schen Beachtung schenkt.

Furtwängler wird 1886 in Berlin geboren, sein Vater ist ein renom­mierter Archäologe. Mit sieben Jahren kompo­niert der musika­lisch Hochbe­gabte sein erstes Stück, mit elf verlässt er die Schule und erhält zu Hause Privat­un­ter­richt mit Musik als Schwerpunkt.

Seine erste Stelle tritt er 1905 als Korre­pe­titor am Stadt­theater Breslau an. 1908 wechselt er in gleicher Funktion an die Münchner Hofoper, dann wird er Kapell­meister in Straßburg, Lübeck und Mannheim. Sein wachsendes Ansehen führt bald zu Konzerten in wichtigen Kultur­zentren. 1920 dirigiert er an der Berliner Staatsoper, und 1922 wird er Leiter der Berliner Philhar­mo­niker. Daneben ist er ständiger Gast bei den Wiener Philhar­mo­nikern, bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen. Als die Natio­nal­so­zia­listen an die Macht kommen, steht Furtwängler schnell im Spannungsfeld zwischen seiner Profession und der Politik. Einer­seits setzt er sich für jüdische Musiker ein, anderer­seits lässt er sich vom Regime, das ihn als kultu­relles Aushän­ge­schild benutzt, hofieren. 1934 macht der Fall Hindemith Schlag­zeilen. Als Reaktion auf das Verbot der Urauf­führung von dessen Oper Mathis der Maler legt Furtwängler seine Ämter als Chefdi­rigent und als Vizeprä­sident der Reichs­mu­sik­kammer nieder. Doch die Verbun­denheit zu den politi­schen Spitzen bleibt, er übernimmt reprä­sen­tative Konzerte und Aufgaben, dazu vertiefen ungeschickte Äußerungen den Eindruck einer Nähe zum natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedankengut.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

Nach dem zweiten Weltkrieg wird ihm seine Verstri­ckung mit den Macht­habern vorge­halten und es gibt teilweise massive Proteste gegen seine Konzerte.

Erst nach der Entna­zi­fi­zierung fast zwei Jahre später kann er wieder überall, mit Ausnahme von Amerika, gastieren, 1952 wird er zum Chef der Berliner Philhar­mo­niker auf Lebenszeit ernannt. Etliche Tondo­ku­mente, die teilweise Kultstatus haben, zeugen von Furtwänglers totaler Hingabe an die Musik und sugges­tiver Kraft.

„Furtwängler brachte eine besondere Aura mit sich. … In der Wider­sprüch­lichkeit der geistigen Existenz lag die Beson­derheit seiner Wirkung, seiner Kunst, seines Erfolgs“, schreibt der Kritiker Hans Heinz Stucken­schmidt, als Furtwängler 1954 stirbt.

Dieser Auszug aus einem Nachruf ist eines der zahlreichen Dokumente, die Haffner in der Biografie zitiert. Weiter sind es Erinne­rungen von Angehö­rigen und Furtwängler selber, Kommentare von Zeitzeugen und Wegge­fährten, die ihr Authen­ti­zität und Leben­digkeit verleihen. Eine Lebens­chro­no­logie, die Disko­graphie, dazu Fotos und sorgfältige Quellen­an­gaben vervoll­stän­digen die empfeh­lens­werte Lektüre.

Karin Coper

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