O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Willi Kollo

Gegen die Wider­stände der Familie hat Wolfgang Jansen nach allerlei recht­lichen Ausein­an­der­set­zungen in diesem Jahr eine dezidierte Biografie des Allround­künstlers Willi Kollo veröf­fent­licht. Darin kommt auch seine Rolle in der Nazi-Zeit zur Sprache. Die umfang­reiche Ausstattung des Buchs ist ebenso erfreulich wie der Schreibstil. Karin Coper hat es gelesen. 

Wolfgang Jansen - Foto © privat

Biografie mit Vorgeschichte

Als Sohn eines berühmten Vaters hat man es nicht immer leicht. Davon kann auch Willi Kollo, der Spross des Berliner Operet­ten­königs Walter Kollo, ein Lied singen. In der Autobio­grafie Als ich jung war in Berlin, die Tochter Marguerite 2008 aus seinen Notizen zusam­men­stellte, erzählt er von einer schwie­rigen Kindheit, die durch Strei­tig­keiten mit der Mutter, die häufige Abwesenheit des Seniors und die Ehezwis­tig­keiten der beiden belastet ist. Doch die väter­lichen Bezie­hungen erleichtern ihm auch den Eintritt ins Showge­schäft und den Aufbau einer eigenen Karriere.

Willi Kollos mit vielen persön­lichen Anekdoten gespickte Erinne­rungen reichen bis 1946, die Episoden aus der zweiten Lebens­hälfte hat Marguerite ergänzt. Sie sind teils unter­haltsame Plauderei über die Unter­hal­tungs­branche, teils Abrechnung mit den Umständen, immer aber vermitteln sie das Bild eines aufrechten Künstlers auch in schwie­rigen Zeiten.

Im Vergleich dazu ist der Blick­winkel der ersten offizi­ellen Biografie, die der Theater­wis­sen­schaftler Wolfgang Jansen unter dem schnör­kel­losen Titel Willi Kollo innerhalb der Reihe Populäre Kultur und Musik heraus­ge­geben hat, nicht ganz so ungetrübt. Obwohl die Initiative zu dem Buch von Kollos Witwe stammt, die Jansen 1990 bat, die Lebens­ge­schichte ihres Mannes zu verfassen, passte ihr und der Familie das fertige Manuskript nicht. Die Veröf­fent­li­chung wurde unter­bunden und mit recht­lichen Konse­quenzen gedroht. Erst 2020 waren alle juris­ti­schen Hinder­nisse ausge­räumt und die Publi­kation konnte gegen den Willen der Familie erscheinen.

Einer der Punkte, woran sie sich stößt, ist die Darstellung von Kollos Rolle zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lismus. Während der Künstler sich selbst als regime­kri­tisch charak­te­ri­siert, porträ­tiert ihn Jansen als Mitläufer. Das jedoch stets völlig sachlich, diffe­ren­ziert und unter­füttert durch zahlreiche Quellen.

Dieser Stil zeichnet das gesamte, rund 390 Seiten starke Buch aus. Mit einer Fülle an Details, basierend auf genauen Recherchen und neuesten Forschungs­er­geb­nissen, beschreibt Jansen den Werdegang des 1904 Geborenen. Schon als Jugend­licher tritt er künst­le­risch hervor, zunächst litera­risch mit Gedichten und Novellen, die während seiner Inter­natszeit in Blankenburg bei Vortrags­abenden Erfolg haben. Zurück in Berlin verfasst der noch Minder­jährige Texte fürs Kabarett und für Operetten seines Vaters. Doch Willi Kollo hat auch musika­lisch etwas zu sagen. 1925 entstehen erste Nummern für eine Revue, zunächst unter dem Pseudonym Edgar Allan. Schlager wie Grüß‘ mir mein Hawaii oder Nachts ging das Telefon, Berlin­re­mi­nis­zenzen wie das Zillelied für Claire Waldoff oder Lieber Leier­kas­tenmann machen ihn populär und auch als Sänger tritt er auf.

POINTS OF HONOR

Buchidee
Stil
Erkenntnis
Preis/​Leistung
Verar­beitung
Chat-Faktor

1929 kommt der Film hinzu, bis 1945 ebenso Produk­tionen für den Rundfunk und das frühe Fernsehen. Bei Kriegsende zieht Kollo nach Hamburg und versucht dort einen Neuanfang im Kabarett und als Regisseur. Dort sind seine Insze­nie­rungen mehr oder weniger erfolg­reich, auch seine Rückkehr 1954 nach Berlin bringt nicht den gewünschten künst­le­ri­schen Neuanfang.

So verlagert er seine Aktivi­täten und geht seinem Interesse an Geschichte nach. Das Ergebnis sind histo­rische Schau­spiele und konser­vative politische Schriften, die er 1970 im eigens gegrün­deten Zeitbuch-Verlag herausgibt.

In seinem eigent­lichen Metier wird er noch einmal 1987 geehrt. Das Ostber­liner Metro­pol­theater spielt eine Kollo-Revue, zu der er noch ein neues Berlin-Chanson beisteuert. Kurze Zeit danach, 1988, stirbt er, und seine Tochter Marguerite übernimmt die Vermarktung der Werke. Sohn René hingegen steht stärker in der Öffent­lichkeit. Er mausert sich vom Schla­ger­sänger zum weltweit gefei­erten Wagner-Tenor.

Wolfgang Jansens Biografie liest sich ausge­sprochen kurzweilig. Das liegt auch an der aufge­lo­ckerten Form: In jedes Kapitel sind Kurzbio­grafien von Wegbe­gleitern und Zeitge­nossen Kollos integriert, dazu gibt es jeweils am Ende einen Dokumenten-Anhang, unter anderem aus Zeitungs­kri­tiken, privaten Briefen und Programm­heft­bei­trägen. Im Nachtrag sind alle Bühnen­werke und Filme, an denen Kollo beteiligt war, aufge­listet, weiter eine penibel aufge­führte Disko­grafie. Da kann man verschmerzen, dass Fotos, vermutlich aus urheber­recht­lichen Gründen, vollständig fehlen.

Karin Coper

Teilen Sie O-Ton mit anderen: