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Zauber der Musik

Bei Artemis & Winkler ist 2017 als Nachdruck das Büchlein Zauber der Musik von Jason Martineau erschienen. Der Tausend­sassa in Sachen Musik gibt auf gerade mal 64 Seiten Einblicke in die vielfäl­tigen Facetten der Musik, die er allzu gut aus der prakti­schen Erfahrung kennt. Es ist kein Buch für „Musik­an­fänger“, bietet aber viel Abwechslung und Lesespaß, findet Horst Dichanz. 

Jason Martineau - Foto © privat

Musik zum Nachschlagen

Dass wir oft und gerne dem Zauber der Musik erliegen, ist nicht neu und überra­schend. Das Glück des Verliebt­seins, die tiefe Trauer bei einem Verlust, die ausge­lassene Stimmung in Momenten großer Freude, die nicht endende Despression angesichts großen Unglücks – alles vermag Musik direkt und unmit­telbar auszu­drücken. Wenn dann noch eine gewisse Kenntnis musika­li­scher Zusam­men­hänge hinzu­kommen, ist die Eindrück­lichkeit des Mediums Musik kaum zu übertreffen. Aber Musik­theorie, gar Musik­wis­sen­schaft – das ist gerade für viele Musik­lieb­haber ein Gräuel, ist oft schwer zu verdauende Kost. Mit seinem kleinen Büchlein Zauber der Musik, mit gerade mal 64 Seiten möchte Jason Martineau davon überzeugen, dass das nicht so sein muss. Ob es die verschie­denen Bereiche hörbarer Frequenzen verschie­dener Instru­mente sind, die Struktur einfacher Harmonien, komplexe Rhythmen oder die drei Arten von Moll: Jason Martineau ist in der Lage, diese und mehr als zwei Dutzend weiterer zentraler Begriffe zum Verständnis von Musik in relativ einfachen Worten knapp und verständlich zu erläutern. Dabei nimmt er grafische Veran­schau­li­chungen zur Hilfe, die ebenfalls mit einfachen Strichen den abstrakten Gegen­stand verdeut­lichen. So reicht ein Schema, um die hörbaren Tonfre­quenzen der wichtigsten Instru­mente zu illus­trieren, den Quinten­zirkel übersichtlich zu zeigen oder weiter­ent­wi­ckelte Harmonien mit Noten­bei­spielen zu erläutern.

Martineau, seit 1995 in der San Francisco Bay Area als Musiker, Komponist und Dozent aktiv, scheint ein musika­li­sches Multi­talent zu sein. Die University of Berkley stellt ihn auf ihrer Website als „an award-winning composer, pianist, arranger, and instructor“ vor. Zusätzlich weist sein Oeuvre Orches­ter­mu­siken, Kammer­mu­siken, Konzerte für Soloklavier, Chorwerke, Musical, Filmmu­siken sowie über 200 Songs auf, er hat mehr als zwölf Alben veröf­fent­licht und ist als Autor, Dozent, Solopianist, Dirigent und Produzent tätig – ein Künstler und Macher, der offen­sichtlich mit und in der Musik lebt.

Ihm traut man gern eine Antwort auf die zentrale Frage seines kleinen, von Artemis & Winkler bibliophil ausge­stat­teten Büchlein Zauber der Musik zu, das schon 2008 in New York veröf­fent­licht wird, bei Artemis & Winkler auf Deutsch 2010 erscheint und 2017 nachge­druckt wird. Er stellt die Frage „Was ist Musik?“ und beant­wortet sie aus vielen Perspek­tiven, physi­ka­lisch ebenso wie psycho­lo­gisch, bildhaft oder in der knappen Definition „Sie ist Form gewor­dener Geist.“ Seine bildhafte Sprache macht es dem Leser leicht, Martineau in seinen Gedanken zu folgen: „Vermählt sich die Musik der Sprache, wird das Gespro­chene zum Gesang … Musik besänftigt Seelen und Bestien.“

Seine theore­ti­schen Einfüh­rungen und Erläu­te­rungen bleiben anschaulich und verständlich. So fügt er der abstrakten Kapitel­über­schrift Akustik und Obertöne die ermun­ternde Zeile „Von einem Ton zu sieben Tönen und darüber hinaus“ hinzu, erläutert das Tonleitern Verstehen durch den Zusatz „Straßen und Treppen“ und stellt zum Kapitel Tonalität und Modulation fest: „Daheim ist´s doch am schönsten“. Dabei bleiben seine Erläu­te­rungen genau, spezi­fisch und fachlich korrekt, wenn er beispiels­weise von den Tonleitern spricht. „In der tonalen Musik dient der Leitton immer dazu, auf die Tonika zu verweisen.“

In dem Kapitel In vier Liedern um die Welt stellt er anhand mehrerer Beispiele anschaulich dar, dass Notati­ons­systeme eine „Art Zeitlinie von Schall­ereig­nissen“ sind, die erst allmählich die vorher übliche mündliche Überlie­ferung ersetzt haben. Seine Beispiele reichen von 200 vor Christus bis zu einem Beispiel aus Indien aus dem frühen 20. Jahrhundert. Überra­schend dabei ist, dass die sehr unter­schied­lichen Systeme viel mitein­ander gemeinsam haben. „Auf dem Weg zu einer Kompo­sition“ sieht Martineau vor allem zu Beginn eines Musik­stückes das „intel­lek­tuell anspruchs­vollste Material“.

Wenn Martineau in seiner Zusam­men­fassung davon spricht, dass „Musik als ein Entfalten von Epigrammen, Sinnmo­le­külen, Einheiten von Gegen­sätzen“ verstanden werden kann, an der man ihre „narrative Qualität“ erkennt und bewerten kann, wird deutlich, dass sein aufschluss­reiches Buch nicht für musika­lische Analpha­beten gedacht ist, dazu setzt der Autor doch zu vieles selbst­ver­ständlich voraus. Auch das sehr klein gedruckte Glossar, eine Übersicht zu den Notati­ons­sym­bolen und drei weitere Anhänge gehören eher zum Handwerkszeug eines Musizie­renden als zu einem Alltags-Leser. Dieje­nigen Leser aber, die mit einem gewissen Grund­wissen und einiger Hörerfahrung zu diesem Buch greifen, werden es mit viel Gewinn und Lesefreude zur Hand nehmen und immer mal wieder gern hinein­schauen, um sich noch einmal genau zu verge­wissern. Ein gut leser­liches Fachbuch mit erstaun­lichem Unterhaltungswert.

Horst Dichanz

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