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Beethoven maximal

Die drei Labels Naxos, Deutsche Grammophon und Warner Classics bieten „Gesamt­aus­gaben“ zum Jubilä­umsjahr Ludwig van Beethovens an. Alle drei bieten unter­schied­liche Ansätze, das Werk des Kompo­nisten zu erfassen. Pedro Obiera hat sich die opulenten Ausgaben genauer angeschaut, für wen und welchen Geldbeutel was am ehesten geeignet ist. 

118 CD
„Beethoven, The New complete Edition“ Deutsche Grammophon, 118 CD, 3 Blue-rays, 2 DVD

Beethoven maximal

„Beethoven complete Edition“, Naxos, 90 CD

Es ist sicher nicht der Sinn eines Jubiläum-Spektakels, wie es in diesem Jahr zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens gezündet wurde, nur die allbe­kannten Highlights seines Oeuvres noch öfter als sonst schon in Endlos­schlaufen wieder­zu­käuen. Stellt man sich die Frage, ob und wie gut man Beethovens Werk überhaupt kennt, dürfte selbst jeder einiger­maßen kundige Musik­freund einge­stehen, nicht einmal seine 138 offiziell mit Opus-Zahlen dekla­rierten Meister­werke zu kennen. Ganz zu schweigen von den über 200 Werken ohne Opus-Zahl (WoO), die Beethoven nicht für würdig erachtete, sie ins offizielle Werkver­zeichnis aufzu­nehmen. Darunter gewiss etliche Gelegen­heits­werke wie Stücke für Mandoline und derb-banale Scherz-Kanons – Bester Herr Graf, Sie sind ein Schaf! – aber auch kapitale Werke wie die grandiose Trauer­kantate zum Tod von Kaiser Joseph II. aus der Feder des gerade einmal 19-jährigen Bonner Meisters. Nimmt man noch die über 200 alles andere als routi­nierten Bearbei­tungen von Volks­liedern aus Schottland, Wales und vielen anderen Ländern hinzu, gibt es noch eine Menge zu entdecken.

Etliche Labels nahmen die lücken­hafte Rezeption des Gesamt­werks zum Anlass, in dicklei­bigen Schubern mit 80 und mehr CDs den mehr oder weniger „kompletten“ Beethoven zu präsen­tieren. Am ehrgei­zigsten zeigen sich dabei Naxos und die Deutsche Grammophon. Naxos verspricht mit 90 CD die „ultimative Beethoven-Edition“, die DG auf 118 CD sogar die „most complete Edition“. Dass die DG-Box deutlich umfang­reicher ausge­stattet ist als die der Konkurrenz, liegt nicht an dem umfang­rei­cheren Werkka­talog, sondern an der nicht uninter­es­santen Tatsache, dass mehrere Werke in unter­schied­lichen Inter­pre­ta­tionen berück­sichtigt werden. Allein die Fünfte Symphonie kann man sich unter der Leitung von Arthur Nikisch 1913, Wilhelm Furtwängler 1943, Herbert von Karajan 1962, Carlos Kleiber 1974 und Carlo Maria Giulini 1981 zu Gemüte führen. Und für die Klavier­so­naten reicht sich eine ganze Phalanx von Arrau und Gilels bis Uchida bis Pollini die Hand. Für einen Großteil Sammlung greift man auf die Beethoven-Edition von 1997 zurück mit Klassikern wie den Symphonien unter Karajan, den Klavier­so­naten mit Wilhelm Kempf, den Liedern mit Dietrich Fischer-Dieskau oder der Kammer­musik mit bekannten Musikern wie Martha Argerich, Anne-Sophie Mutter und Mstislaw Rostro­po­witsch. Relativ neu sind vor allem Einspie­lungen, die auch histo­rische Auffüh­rungs­prak­tiken berück­sich­tigen, insbe­sondere mit Aufnahmen verschie­dener Orches­ter­werke, der beiden Messen und der Leonore, also der Ur-Version des Fidelio, unter der Leitung von John Eliot Gardiner.

„Beethoven, The New complete Edition“ Deutsche Grammophon, 118 CD, 3 Blue-rays, 2 DVD

Mit derart promi­nenten Namen kann die Naxos-Box nicht prunken. Auch histo­rische Inter­pre­ta­ti­ons­fragen spielen keine Rolle. Mit der Naxos-Box ist vor allem der gut bedient, der die derzeit wohl umfang­reichste Werksammlung erwerben und sich auf die Suche nach dem „unbekannten“ Beethoven machen möchte. 150 Erstein­spie­lungen werden versprochen, und es dürfte nahezu alles bis hin zu skizzenhaft entwor­fenen Fragmenten berück­sichtigt sein, was von Beethovens Musik erhalten ist. Ob man jeden der banalen Scherz-Kanons oder jede der über 200 Volkslied-Bearbei­tungen kennen muss, bleibt dem Hörer überlassen. Aber die Vielfalt der Genres, die Beethoven bediente, einschließlich höfischer Tänze und Militär­märsche, sorgt für manche Überra­schung. Vor allem, was die Werke aus Beethovens früher Bonner Zeit angeht sowie das enorme Oeuvre an Vokal­musik, das immer noch im Schatten seiner Instru­men­tal­musik steht. Dabei hat Beethoven mit dem Lieder­zyklus An die ferne Geliebte den Boden für die großen Lieder­zyklen der Roman­tiker geebnet. Sechs unter mehr als 120 meist unbekannten Klavier­liedern des Komponisten.

Die musika­lische Qualität der Naxos-Einspie­lungen ist durchweg vorzüglich. Das Klavierwerk ist bei Jenö Jandó bestens aufge­hoben, wie auch die Cello-Sonaten bei Maria Kliegel, die Violin­so­naten bei Takako Nishikaze, die Streich­quar­tette beim Kodály-Quartett und die Klavier­trios bei Violi­nistin Ida Bieler, Pianistin Nina Teichmann und der Cellistin Maria Kliegel. Einen Höhepunkt bietet die „klassische“ Einspielung der Leonore unter Herbert Blomstedt mit Theo Adam, Edda Moser und Helen Donath.

Nicht ganz überzeugen können dagegen die Symphonien mit dem Nicolaus-Esterházy-Orchester unter Leitung von Béla Drahos und die Klavier­kon­zerte mit dem Pianisten Stefan Vladar. Doch der Haupt­gewinn der Naxos-Bos liegt ohnehin in den kaum bekannten Raritäten, während die DG-Box das Schwer­ge­wicht auf unter­schied­liche Inter­pre­ta­ti­ons­an­sätze legt. Für die teureren Namen der DG-Inter­preten muss der Käufer aller­dings fast dreimal so tief in die Tasche greifen wie der Naxos-Interessent.

Mit 80 CD fast bescheiden nimmt sich dagegen die recht preis­günstige Box von Warner Classics aus, die ebenfalls größere Aufmerk­samkeit verdient. Wie bei den Konkur­renten stammen die Aufnahmen aus mehreren Jahrzehnten, vereinen aber ausnahmslos promi­nente Künstler. So ist Nikolaus Harnon­court mit den Symphonien vertreten, András Schiff mit den Klavier­kon­zerten, Stephen Kovacevich mit den Klavier­so­naten und Rudolf Buchbinder mit den Varia­ti­ons­zyklen. Für die Streich­quar­tette wurde das Artemis-Quartett gewonnen und für die Lieder griff man auf Aufnahmen mit Dietrich Fischer-Dieskau und Hermann Prey zurück. Und zwei kapitale Werke Beethovens, den Fidelio und die Missa Solemnis, bediente man mit den legen­dären Einspie­lungen von Otto Klemperer. Damit sorgen die zeitlich und stilis­tisch denkbar gegen­sätz­lichen Inter­pre­ta­ti­ons­sätze Klemperers und Harnon­courts für einen weiten gestal­te­ri­schen Horizont und geben einen aufschluss­reichen Einblick in die sich ständig wandelnde Rezeption des Bonner Geburtstagskinds.

Pedro Obiera

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