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Eigentlich war die Aufnahme schon für das Frühjahr 2016 geplant. Aber im Zuge seiner Vorbereitungen stieß Julian Prégardien auf eine neuere kritische Ausgabe des Bärenreiter-Verlags von Robert Schumanns Dichterliebe. So verschob der Sänger die Aufnahme. Er ist der Sohn des bekannten Sängers Christoph Prégardien. Er studierte die nunmehrigen Varianten und Abweichungen ausführlich, hinterfragte seine bisherige Interpretation und fand viel Neues. Jetzt ist das Ergebnis seiner Forschungen bezogen auf den Liedzyklus auf einer CD beim Label Alpha Classics erschienen. Sie ist atmosphärisch sehr gelungen und ist umgeben mit anderen passenden Liedern, Duetten und auch Klavierwerken von Robert, aber auch von Clara Schumann.
Im wunderschönen Monat Mai: Liebe und Schmerz, Hoffnung und Zweifel liegen schon von Anbeginn bei Schumanns Dichterliebe, auf Gedichten von Heinrich Heine basierend, ganz eng nebeneinander: Melancholisch erklingen sie alle, hoch poetisch und reich an Fassetten. In ungemein subtiler Stimmführung werden sie von Julian Prégardien gesungen, wobei er hier alle emotionalen Klimazonen einer unglücklichen Liebe wunderbar durchschreitet. Helles, weiches Timbre und sichere Höhe sind Vorzüge seines feinen, lyrischen Tenors. Dazu kommen noch eine enorme Lied- und Gesangskultur, gepaart mit der Fähigkeit zu tiefem, innigem Ausdruck und großer Wortdeutlichkeit. Und alles ist weit weg von irgendeiner routinierten Interpretation, wiewohl für unsere Hörgewohnheiten Vieles an neuartigen Interpretationen, speziell beim Liederzyklus zu finden sind.
Weitere Lieder und Instrumentalstücke des Ehepaars Schumanns werden diesem Zyklus zur Seite gestellt, wodurch eine Art Prolog und Epilog entsteht. Dabei hat der junge Tenor bei vier Duetten auch die Unterstützung von Sandrine Piau, die die Duette, wie etwa bei In der Nacht aus dem Spanischen Liederspiel, bei der Löwenbraut sowie gleich zweimal bei Wenn ich ein Vöglein wär‘, mit glasklarem Sopran singt.
Traumverloren und kunstvoll weiß Éric Le Sage den etwas fahl, teils hart, aber immer doch reizvoll klingenden, historischen Blüthner-Flügel aus 1856 zu beherrschen und passend zur Atmosphäre die Sänger immer einfühlsam zu begleiten. Bei mehreren Romanzen von Clara und Robert Schumann kann er auch solistisch glänzen.
Helmut Christian Mayer