O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Das Rheingold

Auf dem neuen Ring des Nibelungen der Deutschen Oper am Rhein schien in Duisburg zunächst kein Glück zu liegen. Aufgrund eines Wasser­schadens im Theater gab es „nur“ eine konzer­tante Aufführung. Die aller­dings erwies sich später als Glücksfall. Jetzt erscheint das Album Das Rheingold. Dirigent Axel Kober äußert sich zu dem Projekt und der aktuellen Situation der Rheinoper. 

Axel Kober - Foto © Susanne Diesner

Vom Wasserschaden zum Glücksfall

Eigentlich wäre er jetzt lieber in Hamburg, um an der dortigen Staatsoper Verdis Falstaff zu dirigieren. Und besonders gefreut hat er sich auf eine zyklische Aufführung von Wagners Nibelungen-Ring im Düssel­dorfer Opernhaus Anfang April. Das ist jetzt für Axel Kober Makulatur. Der General­mu­sik­di­rektor der Deutschen Oper am Rhein und der Duisburger Philhar­mo­niker verbringt statt­dessen seine Zeit wie die meisten Musiker zu Hause. In seinem Mannheimer Haus studiert er Parti­turen, kommt endlich wieder zum inten­si­veren Klavier­spiel und bereitet die kommende Saison der Rheinoper vor.

Mehr noch als die entgan­genen Termine bewegt ihn aller­dings die Ungewissheit, wie es nach dem 19. April mit der Rheinoper und den Duisburger Philhar­mo­nikern bis zum Ende der Saison weiter­gehen soll. Und von den Bayreuther Festspielen, bei denen er in diesem Sommer den Tannhäuser und den Lohengrin dirigieren soll, hat er auch noch keine einschlägige Nachricht bekommen.

„Bisher soll der Proben­be­trieb am 6. April wieder aufge­nommen werden. Dass der Spielplan nach dem 19. April wie geplant fortge­setzt werden kann, glaube ich nicht. Aber es gibt vielleicht Möglich­keiten, auf kleiner besetzte Stücke zurück­zu­greifen und die Zuschau­er­zahlen zu begrenzen, um die Saison doch noch retten zu können“, äußert sich Kober mit vorsich­tigem Optimismus über das Verfahren der Rheinoper nach dem 19. April im Telefon-Interview.

Und ganz verzichten muss man auf die Angebote der Deutschen Oper am Rhein auch jetzt nicht. Neben verschie­denen Streaming-Übertra­gungen erscheint am 3. April der Live-Mitschnitt des Rhein­golds als Album, des Vorabends zu Wagners Ring des Nibelungen, den Kober mit den Duisburger Philhar­mo­nikern vor einem Jahr konzertant in der Duisburger Merca­tor­halle aufge­führt hat. Schon jetzt kann die Produktion online gestreamt werden. So wie demnächst auch die restlichen drei Teile des Rings.

Mit der Einspielung ist Kober hochzu­frieden. Dabei waren die ursprüng­lichen Bedin­gungen alles andere als glücklich.

„Eine Veröf­fent­li­chung des Rings war zuerst nicht geplant. Nun hat uns der Wasser­schaden im Duisburger Theater gezwungen, in die Merca­tor­halle auszu­weichen. Beginnend mit der ‚Premiere‘ der Götter­däm­merung. Und die wurde ein solcher Erfolg, musika­lisch und klanglich, dass der Tonmeister Holger Urbach, der schon die Düssel­dorfer Mahler-Einspie­lungen betreut hat, bedauerte, dass der Abend nicht aufge­nommen wurde“, erzählt Kober. „Wir konnten die Inten­danten der Oper und des Orchesters davon überzeugen, zunächst den gesamten Ring aufzu­nehmen und dann zu überlegen, wie weiter damit verfahren werden sollte.“ Gern erinnert der Dirigent sich an die Rückmel­dungen nach den Auffüh­rungen. „Die Erfolge beim Publikum waren überwäl­tigend und die Sänger nicht minder begeistert. Die Ergeb­nisse waren so überzeugend, dass wir uns entschlossen haben, die Produktion medial zu verbreiten. Auch als Dank an die Abonnenten, denen aufgrund des Wasser­schadens einige Unannehm­lich­keiten zugemutet wurden“, sagt Kober.

Auch wenn er das Werk im letzten Jahr nicht nur in Düsseldorf und Duisburg, sondern auch an der Wiener Staatsoper dirigiert hat und bis ins letzte Detail kennt, auch wenn er sich den Duisburger Philhar­mo­nikern und der Merca­tor­halle eng vertraut fühlt, ist die Verlegung einer szeni­schen Opern-Produktion in ein Konzerthaus auch für einen versierten Dirigenten wie Kober eine Heraus­for­derung. „Es war schon eine sehr intensive Arbeit aller Betei­ligten, die Stücke dem Konzertsaal anzupassen. Doch genau das führte zu einer ungeheuren Spannung und Atmosphäre, die den Auffüh­rungen ein beson­deres Profil verliehen. Und das veran­lasste uns letztlich, die Abende mitzu­schneiden und zu veröf­fent­lichen. Es handelt sich um echte Live-Produk­tionen“, erzählt der gebürtige Oberfranke.

Auffallend am Rheingold ist Kobers unpathe­ti­scher, straffer und den drama­ti­schen Impuls betonender Umgang mit der Musik. „Das war mir auch ein Anliegen. Aber es war ohnehin keine rein konzer­tante Aufführung. Die Sänger hatten das Stück alle für die Bühne vorbe­reitet und auch teilweise schon dort gesungen, so dass der szenische Effekt auch in der Merca­tor­halle durch­schlug. Dass die Sänger nicht, wie bei einer konzer­tanten Aufführung üblich, mit Notenpult, sondern auch ohne Soufflage den Text auswendig sangen, steigerte die Inten­sität der Auffüh­rungen ungemein. Und das hat das Publikum gespürt. Ich habe einmal nachge­fragt und war erstaunt, dass sich etwa 90 Prozent der Zuschauer den gesamten Zyklus angehört haben.“

Als vor einem Jahr ein Wasser­schaden das Duisburger Theater für einige Wochen außer Betrieb setzte, herrschte eine Art Ausnah­me­zu­stand in den Inten­danzen der Deutschen Oper am Rhein und der Duisburger Philhar­mo­niker. Aus heutiger Sicht lässt sich die damalige „Katastrophe“ als Bagatelle abhaken. Und der auf den ersten Blick „faule Kompromiss“, die ersehnte zyklische Aufführung des neuen Nibelungen-Rings der Rheinoper nicht szenisch, sondern nur konzertant in der Merca­tor­halle zu präsen­tieren, erwies sich letztlich sogar als Glücksfall. Denn die besseren akusti­schen Bedin­gungen begeis­terte den General­mu­sik­di­rektor so nachhaltig, dass er einen Mitschnitt des gesamten Rings als CD anregte. Der Vorabend des Rings, Das Rheingold, liegt jetzt in einer Box mit zwei CD und einem knapp gehal­tenen Beiheft vor. Online kann der Mitschnitt über die bekannten Verkaufsportale herun­ter­ge­laden werden. Als Album erscheint er am 3. April. Die restlichen drei Teile des Rings sollen demnächst zunächst online herun­ter­ge­laden werden können.

Was die akustische Qualität angeht, recht­fertigt die Aufnahme in der Tat eine Veröf­fent­li­chung auf dem konkur­renz­starken Markt. Der Orches­ter­klang wird voluminös und trans­parent einge­fangen, auch wenn die Singstimmen bisweilen zu dominant in den Vorder­grund gestellt werden. Zu den Pluspunkten der Neuerscheinung gehört auf jeden Fall das hohe Niveau der Duisburger Philhar­mo­niker, das durch Axel Kober, den derzei­tigen Chefdi­ri­genten des Orchesters und der Rheinoper, stabi­li­siert und verfeinert wird. Für Kober, den Bayreuth-erfah­renen Wagner-Kenner, stand das letzte Jahr ohnehin im Zeichen der Nibelungen-Tetra­logie. Den Zyklus dirigierte er nicht nur in Düsseldorf und Duisburg, sondern auch an der Wiener Staatsoper. Der Mitschnitt lässt einen schlanken, unpathe­ti­schen, den drama­ti­schen Gehalt des Werks betonenden Umgang mit dem Werk erkennen. Weihe­volle Ehrfurcht oder tiefgründige Grübe­leien sind nicht Kobers Sache. Damit ist ein straffer, spannender Opern­abend garan­tiert, der auch als rein akusti­sches Erlebnis erstaunlich viel Bühnenluft verströmt.

Dass die Deutsche Oper am Rhein den Ring aus weitgehend eigenen Reihen gleich zweimal besetzen kann, spricht für die vorzüg­liche Ensem­b­le­pflege des Hauses, was den Konkur­renz­druck angesichts der teilweise legen­dären Ring-Einspie­lungen von Solti und Karajan bis Sawal­lisch und Janowski aller­dings nicht mindert. So weist die vokale Qualität des „Rings am Rhein“ unüber­hörbare Schwan­kungen auf, vor allem in den kleineren Partien. Zu den Stärken der Einspielung gehören der Alberich von Jochen Schme­cken­becher und der Mime von Florian Simson, der Loge von Raymond Very und die Erda von Ramona Zaharia. Auch das Riesenpaar ist mit Thorsten Grümbel als Fasolt und Lukasz Konieczny als Fafner ebenso vorzüglich besetzt wie die Fricka mit Katarzyna Kuncio und die Freia von Sylvia Hamvasi. James Rutherford singt den Wotan kulti­viert, gestaltet die komplexe Partie aber etwas gleich­förmig. Im Rhein­töchter-Terzett will sich die härtere Stimme von Roswitha Christina Müller als Wellgunde nicht so recht mit den weicher tönenden Stimmen von Heidi Elisabeth Meier als Woglinde und Anna Harvey als Floss­hilde mischen. David Jerusalem als Donner und Bernhard Berchtold als Froh können kaum markante Akzente setzen.

Insgesamt ein ambitio­nierter, hochwer­tiger Einstieg in eine vielver­spre­chende Neupro­duktion des gewal­tigen Werks, die in nächster Zeit vervoll­ständigt werden soll.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: