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Carmen

2018 hatte die Insze­nierung von Stephan Märki beim Konzert-Theater Bern ihre Premiere. Jetzt ist sie bei Arthaus auf DVD inklusive zweier CD erschienen. Märki führt den Tod als zusätz­lichen Protago­nisten ein. Eine inter­es­sante Idee, die aller­dings in der Umsetzung nicht so richtig begeistern kann. Mehr Spaß hatte Helmut C. Mayer am Dirigenten Mario Venzago. 

Mario Venzago - Foto © Susanne Diesner

Und der Tod tanzt immer mit

Er ist fast immer omnipräsent: Schon von Anbeginn sieht man den Tänzer auf der fast leerge­räumten, durch einen Spiegel nach hinten begrenzten Bühne. Und er trägt immer eine Maske, oft eine Stier­maske, meist aber eine Toten­maske, vor allem zum Finale. Und diese Figur, sie wird als Joker bezeichnet, agiert immer wieder als Strip­pen­zieher, der in das Geschehen eingreift. So führt er Figuren in die Szenerie herein oder heraus. Er mischt anstelle von Frasquita und Mercedes die Karten, versucht Carmens Hände in seine erogenen Zonen zu lenken. Und er drängt sich wiederholt fast penetrant zwischen die Protago­nisten, auch beim Schluss­duett zwischen der Titel­heldin und Don José, dem er zum Finale auch das Messer reicht, in das aber die Titel­heldin selbst hinein­läuft: Diesen offenbar perso­ni­fi­zierten Tod hat der Regisseur Stephan Märki bei Georges Bizets Carmen erfunden, eine Produktion, die am Konzert-Theater Bern 2018 Premiere hatte und jetzt kürzlich auf DVD und CD – beide sind gleich zusammen in einer Box – bei Arthaus Musik erschienen ist.  Die tänze­ri­schen Leistungen von Winston R. Arnon sind großartig, nur allein man versteht nicht die Sinnhaf­tigkeit der Figur. Carmen und Micaëla wirken wie Doppel­gän­ge­rinnen. Sie tragen die gleichen Frisuren und die gleiche weiße Kleidung, die Philipp Führhofer kreiert hat. Der Kinderchor ist wie bei einer Misswahl ausge­stattet. Der Männerchor in Alltags­kleidung singt meist aus den Prosze­ni­ums­logen. Rund um den Orches­ter­graben führen Stege, die immer wieder bespielt werden. Don José sitzt überhaupt im Publikum und tritt von hier auf. Uniformen von Soldaten sucht man vergebens. Und immer flimmern die heute schon mit Penetranz verwen­deten Video­pro­jek­tionen auf einer Leinwand im Hintergrund.

Neuheiten gibt es auch im musika­li­schen Bereich, wo es weder Dialoge noch Rezitative gibt, dafür einige ungewohnte Takte vom Dirigenten neu entdeckter Musik, wie etwa vor dem Kinderchor, vor der Habanera und im Schluss­duett. Mario Venzago dirigiert das Berner Sympho­nie­or­chester zündend und nuancen­reich. Die Sänger, die dem Konzert-Theater Bern meist schon länger verbunden sind, wirken alle sehr anspre­chend. Claude Eichen­berger ist mit ihrem schlanken und flexiblen Mezzo­sopran eine sehr ausdrucks­starke Carmen. Elissa Huber singt die Micaëla teils mit zu viel Forte und etwas zu wenig Innigkeit, aber großer Reinheit. Xavier Moreno ist ein stämmiger, kraftvoll singender Don José, der aber teilweise nicht unange­strengt wirkt. Jordan Shanahan singt den Escamillo mit leichten Tiefen­pro­blemen, aber großer Durch­schlags­kraft. Young Kwon klingt als Zuniga ziemlich mulmig.

Immer am Puls des Geschehens ist die intel­li­gente Video-Regie von Bettina Ehrhardt.

Einhel­liger Beifall für alle.

Helmut Christian Mayer

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