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Ernani

Arthaus Musik hat eine DVD mit einer Aufzeichnung aus der Opéra Monte Carlo aus dem Jahr 2014 heraus­ge­bracht. Musika­lisch packend, mit überwiegend großar­tigen Sängern – in der Titel­rolle glänzt Ramón Vargas – szenisch recht statisch mit optisch reizvollen Effekten. Helmut C. Mayer hat sich die DVD angeschaut und ist ziemlich angetan. 

Ramón Vargas - Foto © N. N.

Intensive, dramatische Racheschwüre

Gleich drei Männer wollen die gleiche Frau. Diese, Elvira, liebt natürlich nur den Tenor, den Banditen Ernani, wird aber auch vom jungen König Karl V. umgarnt und ist mit dem greisen Verwandten Silva sogar schon verlobt: Genügend eroti­scher Konflikt­stoff, das Libretto von Francesco Maria Piave basiert auf Victor Hugo, und viele Möglich­keiten für eine szenische Umsetzung also. Wenn da nicht diese sehr krude, für heute grotesk anmutende und schwer nachvoll­ziehbare Sache mit den Schwüren und der Ehre wäre, die über alles stehen und für die man sich im Bedarfsfall sogar selbst umbringen muss.

Und so erscheint es doch nicht so leicht, Giuseppe Verdis Ernani in Szene setzen zu können. Jean-Louis Grinda, gleich­zeitig auch seit 2007 Opern­di­rektor des Hauses, wählt für die Produktion an der Opéra Monte-Carlo aus 2014, die bei ARTHAUS Musik auf DVD erschienen ist, einen durchaus tradi­tio­nellen Ansatz: Vor überwiegend roten Gemälden mit Kriegs­szenen oder Vorhängen, Rüstungen auf kleinen Podesten, am Grabmal Karl des Großen in einer düster dunklen Stimmung mit stimmungs­vollem Kerzen­licht und zum Finale unter einem blauen Sternen­bal­dachin erzählt er den Plot überwiegend statisch in histo­ri­sierten Kostümen, die von Teresa Acone stammen und vielen, schrecklich falschen Bärten bei Silva und seinen Mannen. Was dieser Szene aller­dings ihren eigent­lichen Reiz verleiht, sind die riesigen Spiegel, in verschie­denen Positionen, schräg von oben oder seitlich aufge­stellt, ein zwar nicht wirklich neuer Einfall aber immer noch wirkungsvoll, die immer wieder eine zweite Perspektive des Betrachters ermög­lichen. Die Bühne hat Isabelle Partiot-Peri kreiert.

Das Frühwerk Verdis mit wunder­baren Arien, Ensembles und Chören wird in Monte Carlo zum Sängerfest: Ramón Vargas singt den Titel­helden mit viel tenoralem Schmelz, müheloser Höhe sowie reich an Emotionen. Über eine flexible, kolora­tur­si­chere Stimme, die auch zu drama­ti­schen, aller­dings teils vibra­tor­eichen Ausbrüchen fähig ist, verfügt Svetla Vassi­lieva als Elvira. Ludovic Tézier kann mit seinem noblen und warmen Bariton als Don Carlo faszi­nieren. Alexander Vinogradov als finsterer, unerbitt­licher Don Ruy Gomez De Silva weiß mit gewal­tigem Volumen und inten­sivem Ausdruck zu faszi­nieren. Auch die kleineren Partien sind alle durchaus adäquat besetzt. Beein­dru­ckend an Stimm­gewalt und Ausdruck ist der Chor der Opéra Monte-Carlo, dessen Einstu­dierung Stefano Visconti besorgt hat, zu hören.

Von hoher Qualität erweist sich das Monte-Carlo Philhar­mo­nische Orchester unter Daniele Callegari, der eine ganz besondere Affinität zu Verdis Musik hat. Es wird mit feinen Tönen, aber auch mit viel Brio, drama­ti­schem Zugriff und Feuer musiziert.

Die Video­regie von Stéphan Aubé wirkt fesselnd und ist immer am Brenn­punkt des Geschehens.

Helmut Christian Mayer

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