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Les Contes d'Hoffmann

Tobias Kratzer gilt als begna­deter Regisseur für das Musik­theater. Vor zwei Jahren insze­nierte er Hoffmanns Erzäh­lungen in Amsterdam und erntete dafür viel Lob. Jetzt ist die Aufzeichnung dieser Regie-Arbeit bei C‑Major erschienen. Helmut C. Mayer hat ein Ensemble ohne Schwach­stellen in einer intel­li­genten Regie gesehen. 

Tobias Kratzer - Foto © Fuchs

Die Kunst im Zentrum

In der Bühnen­mitte „schwebt“ die Behausung des Titel­helden. Sie ist das Zentrum der Szenerie: Ausge­stattet mit Bett, Schreib­tisch, Klavier, zahlreichen Fotos auf einer Wäsche­leine aufge­hängt und einem stets griff­be­reiten Vorrat an Alkoholika. Eben alles, was so ein Künstler braucht. Für seine Freunde stehen Tür und Tor immer offen, zum Saufen, zum Singen, aber auch zum Koksen. Und wenn der elegante Mäzen, kein Gerin­gerer als der Bösewicht selbst, erscheint, bekommt er auch zu trinken. Sicher­heits­halber säubert er jedoch das Glas, bevor er sich einschenken lässt: So einiges ist Tobias Kratzer bei Les Contes d‘ Hoffmann von Jacques Offenbach, eine Insze­nierung aus der Oper in Amsterdam einge­fallen. Es ist eine Produktion aus dem Jahr 2018, die jetzt auf DVD und Blu-ray Disc bei C Major heraus­ge­kommen ist.

Rundherum hat Ausstatter Rainer Sellmaier eine eher schäbige Setzkas­ten­bühne gebaut. Und so öffnen sich um die zentrale Hoffmannsche Bude herum immer wieder Räume, in denen sich die Geschichten seiner drei Frauen abspielen. Olympia wird der glotzenden Menge in einem Keller auf einer kleinen Bühne vorge­führt. Und gleich nebenan treibt sie es dann später in Reiter­stellung. Im etwas besser ausge­stat­teten Haus entpuppt sich für Antonia die Stimme ihrer toten Mutter nur als altmo­di­sches Trichter-Grammophon. Antonia zerbricht die Schel­lack­platte und macht ein scharfes Bruch­stück zu ihrem Selbst­mord­werkzeug. In Hoffmanns Bude verfolgt die „Muse“, die hier immer eine Frau bleibt, die Verar­bei­tungen von Hoffmanns Traumata und leidet auch intensiv mit. Sie erkennt sich auch als Opfer der Bezie­hungs­un­fä­higkeit eines Künstlers. Zur populären Barcarole im letzten Akt gibt es keine schau­kelnden Gondeln, sondern unter­ir­dische Kanäle, quasi ein Ort des Unter­be­wusst­seins. Sie erinnert an ihren Ursprung, nämlich an die fast vergessene Oper Die Rhein­nixen. Schlemihl setzt sich hier einen goldenen Schuss. Schließlich hat Hoffmann im Epilog schon so ein Drogen­problem, dass sich auch seine Saufbrüder von ihm zurück­ziehen und letztlich auch die Muse ihre Bemühungen aufgibt. Die Insze­nierung mag für einige zu wenig poesievoll und dafür zu realis­tisch wirken, sie unter­läuft zwar auch diverse Klischees, bietet aber – klug durch­dacht und technisch prakti­kabel – große Bilder für eine intel­li­gente Annäherung an den Kern dieser Künst­leroper.  Immer am Puls des Geschehens ist die intel­li­gente Video-Regie von Misjel Vermeiren.

Nicht eine Schwach­stelle findet sich im Ensemble: John Osborn ist ein an Stimm­kraft und Höhen­si­cherheit prägnanter Hoffmann. Nina Minasyan ist eine koloratur- und höhen­si­chere Olympia. Ermonela Jaho gibt eine sehr berüh­rende Antonia. Christian Rice singt die Giulietta ideal. Exzellent und dunkel gefärbt ist Irene Roberts als Muse. Ganz Teufel, sänge­risch wie auch darstel­le­risch mit der notwen­digen Dämonie erlebt man Erwin Schrott in den Rollen der Bösewichter, wie Lindorf, Coppélius, Doktor Miracle und Daper­tutto. In den Diener­rollen Andrès, Cochenille, Frantz und Pitichin­accio stellt auch Sunnyboy Dladla – er hat doch tatsächlich diesen Vornamen – seine Wandlungs­fä­higkeit unter Beweis. Alle Neben­rollen stimmen, und im weiten, dicht gefüllten Graben legt sich Carlo Rizzi am Pult des Rotter­damer Philhar­mo­ni­schen Orchesters mit Tempe­rament und Leiden­schaft als Anwalt Offen­bachs ins Zeug.

Einhel­liger Beifall für alle.

Helmut Christian Mayer

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