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Die Meistersinger von Nürnberg

Recht­zeitig zur Wieder­auf­nahme erscheint bei Deutsche Grammophon die Aufzeichnung der Meister­singer von Nürnberg in der Insze­nierung von Barrie Kosky. Hätte das Label die beiden Silber­linge in Zeitungs­papier verpackt, wäre der Infor­ma­ti­ons­gehalt vermutlich höher ausge­fallen. Christoph Broermann ist vom Produkt enttäuscht. Die Ausstattung der DVD ist beschämend.

Klaus Florian Vogt - Foto © privat

Unhöflich

Ein Jahr hatte die Deutsche Grammophon Zeit, sich auf die Veröf­fent­li­chung der Meister­singer von Nürnberg vorzu­be­reiten. Im Sommer 2017 bei den Festspielen aufge­zeichnet, scheint es sich um den Mitschnitt der Premiere am 25. Juli vergan­genen Jahres zu handeln. Passend zur Wieder­auf­nahme in Bayreuth bringt das Label nun DVD und Blue-Ray auf den Markt, was angesichts einer wirklich guten wie diskus­si­ons­wür­digen Produktion auch absolut notwendig ist. Doch wie wird dieses Projekt präsen­tiert? Das schönste Detail ist sicherlich noch das Cover, das den halb im Schatten stehenden Michael Volle als Hans Sachs respektive Richard Wagner zeigt. Ein starkes Bild von Enrico Nawrath und man darf dankbar sein, diesen Namen ganz versteckt irgendwo im Klein­ge­druckten finden zu können.

Es gibt tatsächlich ein Booklet, das aller­dings nur Auskunft über den DVD-Katalog der Deutschen Grammophon gibt. Inhalts­angabe oder ähnliches, vielleicht ein paar Gedanken zu der Insze­nierung sucht man vergeblich. Das ist schon mal ein großes Übel, denn sicherlich hätte das Faktum, dass Barrie Kosky der erste jüdische Regisseur in der Geschichte der Bayreuther Festspiele ist, eine Erwähnung verdient. Und seine recht mutige Idee erst recht. Denn er stellt Wagners Ideal­vor­stellung von Kultur, dass er von allen Einflüssen der Juden und anderen Faktoren befreit sehen möchte, in den Mittel­punkt. Beginnend in Haus Wahnfried, wo Wagner bei einer Hausprobe in die Rolle des Hans Sachs schlüpft, landet er schließlich im Gerichtssaal der Nürnberger Prozesse, wo er selbst als Angeklagter steht. Wie singt Hans Sachs so schön? „Ich bin verklagt und muss bestehn“. Während man im Internet allerhand Beiträge und Inter­views zu Barrie Kosky und seiner Insze­nierung findet, hat man das offen­sichtlich bei der Deutschen Grammophon nicht für nötig befunden. Schließlich geht es hier nicht nur um eine Insze­nierung, sondern das Label hätte in Einklang mit den Bayreuther Festspielen ein Zeichen gegen den Antise­mi­tismus setzen können.

POINTS OF HONOR

Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Kamera
Ton
Chat-Faktor

So steht erst mal der künst­le­rische Eindruck im Mittel­punkt, und da hat Video-Regisseur Michael Beyer alle Hände zu tun, die unzäh­ligen Details auf der Bühne einzu­fangen. Denn Rebecca Ringst und Klaus Bruns haben heraus­ra­gende Arbeiten in Sachen Bühnenbild und Kostümen geleistet. Dazu kommt noch die lebendige Perso­nen­führung, die Kosky erarbeitet hat, mit einem Ensemble, das absolut Lust hat, Theater zu spielen. Wie kann man es der Kamera verübeln, da etwas zu unruhig zu sein oder eben den Kontakt zu den Gesichtern herzu­stellen, was bei Sängern immer etwas proble­ma­tisch ist. Aber so ein tolles Mienen­spiel wie bei Michael Volle und Johannes Martin Kränzle erlebt man eben nicht alle Tage.

Die beiden hochka­rä­tigen Baritone sind live wie auch auf DVD die absoluten Überflieger, deren Leistung aber auch durch die engagierte Haltung der kleinsten Neben­rollen unter­mauert wird. Da gibt es acht Meister, die immer wieder kleine oder größere Einwürfe haben, ansonsten viel auf der Bühne rumsitzen müssen. Beim Anschauen der DVD bekommt man den Eindruck, dass Kosky mit jedem einzelnen geprobt hat, so belebend sind sie auf der Bühne. Auch akustisch sind sie vollkommen rollen­de­ckend und harmo­nisch besetzt. Für die Deutsche Grammophon sind Tansel Akzeybek, Armin Kolarczyk, Paul Kaufmann, Chris­topher Kaplan, Stefan Heibach, Raimund Nolte, Andreas Hörl und Timo Riihonen quasi nicht existent. Ihre Namen werden nur im Vor- und Abspann der DVD genannt, ebenso wie Luxus-Einspringer Georg Zeppe­nfeld als Nacht­wächter. Es ist mindestens eine Frage der Höflichkeit und des Respekts, einen gut einseh­baren Beset­zungs­zettel beizufügen.

Vokale Abstriche muss man bei Anne Schwa­ne­wilms machen, die der Eva entwachsen ist. Die Buh-Rufe am Ende sind aller­dings nicht gerecht­fertigt. Klaus Florian Vogt kann bei der Aufzeichnung seinen Tenor nicht so strahlen lassen wie in diesem Jahr. Dagegen ist Günther Groissböck ein mehr als nur idealer Pogner und auch von Daniel Behle kann man als David nicht genug hören. Das gleiche gilt für den hervor­ra­genden Festspielchor.

Wie so oft ist im Premie­renjahr das Dirigat noch nicht völlig ausge­reift, aber man hört das große Versprechen, das Philippe Jordan dann in seiner Inter­pre­tation von 2018 einlöst. Seine Meister­singer pulsieren dank des großar­tigen Orchesters mit einer wunder­baren Leichtigkeit.

Im Prinzip hat man diese Produktion ein Jahr zu früh aufge­nommen, aber sicher gab es die Sorge, die wesent­lichen Leistungs­träger ein Jahr später nicht mehr zusammen vor die Kamera zu bekommen. Dass die Deutsche Grammophon dieses wirklich aufzeich­nungs­würdige Projekt so lustlos und unter Wert verkauft, ist das größte Ärgernis.

Christoph Broermann

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