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Turandot

Musika­lisch packend, mit überwiegend tollen Sängern, szenisch recht statisch mit optisch reizvollen Effekten: So hat Robert Wilson die Turandot insze­niert, die jetzt auf DVD und Blue-Ray-Disc erschienen ist. Wer den Wilson-Stil mag, wird diese Aufnahme lieben. Helmut Mayer hat sie sich angeschaut und kann sie empfehlen. 

Robert Wilson - Foto © Molly Glentzer

Magisch ästhetische Bilder

Hoch oben, scheinbar schwebend erscheint die chine­sische Prinzessin, symbolhaft in eine blutrote Robe gehüllt, nur auf einem winzigen, flachen Brett stehend und befielt, obwohl das Volk sie um Gnade anfleht, mit einer wegwer­fenden, abrupten Handbe­wegung die Hinrichtung des jungen, schönen, persi­schen Prinzen, der ihre Rätsel nicht lösen konnte: Es ist ein Bild von ungeheurer magischer Schönheit, die uns am Teatro Real in Madrid in Giacomo Puccinis Turandot, einer Produktion aus 2018, gezeigt wird und die jetzt brandneu als DVD und Blue-ray Disc bei BelAir classiques erschienen ist.

Hier in der spani­schen Haupt­stadt hat Robert Wilson Puccinis letzte Oper erstmalig in Szene gesetzt, eine Kopro­duktion mit der Opéra national de Paris, der Canadian Opera Company aus Toronto, dem Natio­nal­theater in Litauen und der Houston Grand Opera, wo diese Produktion dann später auch gezeigt wurde.

Auf Wilson muss man sich einlassen, denn er wählt immer dieselben Stilmittel und man weiß, was einen erwartet, und so ist es auch hier in Madrid: Typisch für ihn ist das statische Steh- und Schreit­theater von reinen Kunst­fi­guren mit weißen Gesichtern, die kaum inter­agieren und fast immer frontal zum Publikum stehen. Die Haltung der Arme und die spärlich reduzierten Bewegungen und Gestik wirken unnatürlich und gespreizt und sind völlig durch­cho­reo­gra­fiert. Histo­ri­siert futuris­tisch sind die Kostüme, die von Jacques Reynaud stammen. Streng geome­trisch sind die abstrakten Kulissen, meist Vierecke, die immer wieder verschoben werden. Besonders beein­dru­ckend gelingt dem Regisseur, der wie immer auch für die gesamte Szenerie und das Licht­design verant­wortlich zeichnet, die Rätsel­szene: Bei der schwebt der Kaiser auf einer Art Schaukel von einem Licht­schein umgeben am Himmel über dem Volk. Und immer wieder erscheint bei den Fragen ein undurch­dring­liches Gestrüpp. Die Abläufe sind bis ins letzte Detail präzise durch­ge­plant. Und seine so entste­henden Bilder sind von ungemeiner Ästhetik und Leucht­kraft, die gefangen nehmen. Es ist eine bildhafte Wirklichkeit, fern von der Realität, die das Rätsel­hafte und Unbewusste ahnbar macht. Diese gesamte Kombi­nation mit Licht, Farben und Formen erzeugen eine überwäl­ti­gende Faszi­nation. Man erlebt hier die heute üblich gespielte und vom Puccini-Schüler Franco Alfani vollendete Fassung, mit Strichen von Arturo Toscanini.

Bei der Reali­sierung dieser Opern­pro­duktion ist der Dirigent Nicola Luisotti ein konge­nialer Partner. Er leitet das Orchester des Teatro Real mit der gleichen Präzision und Detail­freu­digkeit. Da werden alle musika­li­schen Fassetten, viele Akzente bei den Lyrismen, aber auch bei den drama­ti­schen Passagen, ganz besonders bei der Rätsel­szene mit enormer Sogwirkung herausgearbeitet.

Die Wagner-erprobte Iréne Theorin singt die Haupt­rolle kraftvoll und mit allen Höhen. Gregory Kunde ist ein Calaf mit großer Strahl­kraft und allen Spitzen­tönen, ganz besonders bei seinem Hit Nessun dorma. Anrührend innig hört man Yolanda Auyanet als die sich völlig aufop­fernde Sklavin Liù. Andrea Mastroni ist eine kerniger Timur. Die drei Minister mit Joan Martín-Royo als Ping, Vicenc Esteve als Pang und Juan Antonio Sanabria als Pong, die als einzige ständig mit Hüpfen und Zappeln in Bewegung sein dürfen, und Gerardo Bullón als Mandarin singen alle ohne Tadel. Raúl Giménez als Kaiser Altoum hört man mit reifem Timbre. Wunderbar erlebt man auch den Chor des Teatro Real, besonders einfühlsam beim berühmten „Mondchor“ sowie den Kinderchor.

Die Video­regie von Andy Sommer ist sehr profes­sionell, präzise und immer im Mittel­punkt des Geschehens.

Helmut Christian Mayer

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