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Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm

Joachim A. Lang hat einen Film darüber gedreht, wie Bertolt Brecht versucht, aus der Dreigro­schenoper einen Film zu machen. Da ist mit viel Augen­zwinkern, einer farben­präch­tigen und detail­ver­liebten Ausstattung und einer exqui­siten Besetzung bis in die kleinsten Rollen ein kleines Meisterwerk deutscher Filmkunst gelungen. Unbedingt sehenswert. Sehens­werter, kurzwei­liger Film – nicht nur für Brecht-Fans

Lars Erdinger als Bertolt Brecht - Foto © Stephan Pick

Und der Haifisch, der hat Zähne

Am 13. September kommt Mackie Messer – Brechts Dreigro­schenfilm von Joachim A. Lang in die Kinos. Für Brecht-Fans ein Muss, und alle anderen müssen auch rein. Weil der Film zum Denken anregt, die Sinne erfreut und sensa­tionell gut besetzt ist.

Lars Eidinger spielt die schlech­teste Rolle seines Lebens. Die Masken­bild­nerin hat wenig getan, um aus ihm einen Bertolt Brecht zu machen. Dass der in Augsburg gebürtige Schrift­steller gerne Zigarren rauchte, bricht ihm hier das Genick. Kaum eine Sekunde, in der er sich nicht das dicke Rohr in den Mund schieben muss. Und als reichte das nicht, wirken seine Sprüche wie aufge­setzte Zitate und sind weitab von einer natür­lichen Sprache. Im Vorspann des Films wird darauf hinge­wiesen, dass Zitate verwendet werden, aber muss man sie deshalb auch so sprechen? Besonders bedau­erlich ist das deshalb, weil Brecht so eher vorge­führt wird anstatt mit seiner politi­schen Aktua­lität zu begeistern.

Wer darüber hinweghört, wird mit Mackie Messer – Brechts Dreigro­schenfilm einen künst­le­risch anspruchs­vollen Film erleben, mit dem der Filme­macher Joachim Lang – zu Recht – bis in die Gegenwart langt. Der Film beginnt mit den Proben zur Dreigro­schenoper. Da wird vortrefflich darüber gestritten, was zu streichen ist und was in die „Oper“ gehört. Hier wird vorweg­ge­nommen, was den Streifen ausmacht. Wie kann ein Film aussehen, der die Dreigro­schenoper visua­li­siert? Für die Produk­ti­ons­firma ist das klar. Eine Adaption, die am liebsten wortgenau das Bühnenwerk übernimmt. Brecht sieht darin eine neue Kunstform und will politi­scher werden. Schon 1930 hat die Produk­ti­ons­firma damit ein Problem. Schließlich liegt ihr Haupt­au­genmerk darauf, das Publikum zu unterhalten.

Bildge­waltig und detail­ver­liebt setzt Lang viele verschiedene Ebenen um, scheut auch nicht davor zurück, sie zu mischen. Und während der Macht­kampf zwischen Macheath und Peachum entbrennt, streiten sich Produzent und Brecht über die Inhalte des Dreigro­schen­films. Das Personal ist dabei exzellent besetzt. Tobias Moretti als Macheath, Joachim Król als Peachum, Hannah Herzsprung als Carola Neher und Polly, Claudia Michelsen als Frau Peachum, Robert Stadlober als Kurt Weill, Peri Baumeister als Elisabeth Hauptmann, Britta Hammel­stein als Lotte Lenja und Seeräuber-Jenny, Meike Droste als Helene Weigel, Christian Redl als Tiger Brown und nicht zuletzt glänzt Max Raabe in zwei kurzen Auftritten als Morita­ten­sänger. Mehr Prominenz ist kaum denkbar, und schon dadurch wird der Film zum Erlebnis. Ein schönes Bonbon sind die Tanzein­lagen, die Eric Gauthier mit seiner Compagnie zeigt.

Und natürlich darf auch die Musik in diesem Film nicht fehlen. Einge­spielt wurde sie von Musikern des SWR-Sympho­nie­or­chesters, der SWR-Big-Band und dem SWR-Vokal­ensemble unter Leitung des Dirigenten HK Gruber. Erstaunlich dabei, welche Schau­spieler hier ihr sänge­ri­sches „Talent“ zeigen. Da ist man bei dem einen oder anderen doch ganz froh, dass er sich ansonsten eher auf die darstel­lende Kunst beschränkt. Ein Erlebnis bleibt es aber doch.

Und wenn Brecht am Ende des Films vor Gericht klagt, um die Kunst­freiheit gegen die Profitgier durch­zu­setzen, sind zwei wirklich kurzweilige, mitunter auch durchaus nachdenk­liche Stunden zu Ende gegangen. Deutsche Filmkunst als Gegenpol zum Popcorn-Kino und damit ein echter Grund, mal wieder ins Kino zu gehen. Vielleicht auch, sich mal wieder mit den Gedanken eines Bertolt Brecht ausein­an­der­zu­setzen, die heute mögli­cher­weise mehr Aktua­lität denn je ausweisen. Dass Joachim A. Lang mit diesem Film zeigt, wie gut sich die kommer­zi­ellen Wünsche der Produ­zenten mit künst­le­ri­schem Anspruch verbinden lassen, zeigt durchaus Ironie, schmälert aber nicht den Spaß am Film.

Michael S. Zerban

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