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Am 13. September kommt Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm von Joachim A. Lang in die Kinos. Für Brecht-Fans ein Muss, und alle anderen müssen auch rein. Weil der Film zum Denken anregt, die Sinne erfreut und sensationell gut besetzt ist.
Lars Eidinger spielt die schlechteste Rolle seines Lebens. Die Maskenbildnerin hat wenig getan, um aus ihm einen Bertolt Brecht zu machen. Dass der in Augsburg gebürtige Schriftsteller gerne Zigarren rauchte, bricht ihm hier das Genick. Kaum eine Sekunde, in der er sich nicht das dicke Rohr in den Mund schieben muss. Und als reichte das nicht, wirken seine Sprüche wie aufgesetzte Zitate und sind weitab von einer natürlichen Sprache. Im Vorspann des Films wird darauf hingewiesen, dass Zitate verwendet werden, aber muss man sie deshalb auch so sprechen? Besonders bedauerlich ist das deshalb, weil Brecht so eher vorgeführt wird anstatt mit seiner politischen Aktualität zu begeistern.
Wer darüber hinweghört, wird mit Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm einen künstlerisch anspruchsvollen Film erleben, mit dem der Filmemacher Joachim Lang – zu Recht – bis in die Gegenwart langt. Der Film beginnt mit den Proben zur Dreigroschenoper. Da wird vortrefflich darüber gestritten, was zu streichen ist und was in die „Oper“ gehört. Hier wird vorweggenommen, was den Streifen ausmacht. Wie kann ein Film aussehen, der die Dreigroschenoper visualisiert? Für die Produktionsfirma ist das klar. Eine Adaption, die am liebsten wortgenau das Bühnenwerk übernimmt. Brecht sieht darin eine neue Kunstform und will politischer werden. Schon 1930 hat die Produktionsfirma damit ein Problem. Schließlich liegt ihr Hauptaugenmerk darauf, das Publikum zu unterhalten.
Bildgewaltig und detailverliebt setzt Lang viele verschiedene Ebenen um, scheut auch nicht davor zurück, sie zu mischen. Und während der Machtkampf zwischen Macheath und Peachum entbrennt, streiten sich Produzent und Brecht über die Inhalte des Dreigroschenfilms. Das Personal ist dabei exzellent besetzt. Tobias Moretti als Macheath, Joachim Król als Peachum, Hannah Herzsprung als Carola Neher und Polly, Claudia Michelsen als Frau Peachum, Robert Stadlober als Kurt Weill, Peri Baumeister als Elisabeth Hauptmann, Britta Hammelstein als Lotte Lenja und Seeräuber-Jenny, Meike Droste als Helene Weigel, Christian Redl als Tiger Brown und nicht zuletzt glänzt Max Raabe in zwei kurzen Auftritten als Moritatensänger. Mehr Prominenz ist kaum denkbar, und schon dadurch wird der Film zum Erlebnis. Ein schönes Bonbon sind die Tanzeinlagen, die Eric Gauthier mit seiner Compagnie zeigt.
Und natürlich darf auch die Musik in diesem Film nicht fehlen. Eingespielt wurde sie von Musikern des SWR-Symphonieorchesters, der SWR-Big-Band und dem SWR-Vokalensemble unter Leitung des Dirigenten HK Gruber. Erstaunlich dabei, welche Schauspieler hier ihr sängerisches „Talent“ zeigen. Da ist man bei dem einen oder anderen doch ganz froh, dass er sich ansonsten eher auf die darstellende Kunst beschränkt. Ein Erlebnis bleibt es aber doch.
Und wenn Brecht am Ende des Films vor Gericht klagt, um die Kunstfreiheit gegen die Profitgier durchzusetzen, sind zwei wirklich kurzweilige, mitunter auch durchaus nachdenkliche Stunden zu Ende gegangen. Deutsche Filmkunst als Gegenpol zum Popcorn-Kino und damit ein echter Grund, mal wieder ins Kino zu gehen. Vielleicht auch, sich mal wieder mit den Gedanken eines Bertolt Brecht auseinanderzusetzen, die heute möglicherweise mehr Aktualität denn je ausweisen. Dass Joachim A. Lang mit diesem Film zeigt, wie gut sich die kommerziellen Wünsche der Produzenten mit künstlerischem Anspruch verbinden lassen, zeigt durchaus Ironie, schmälert aber nicht den Spaß am Film.
Michael S. Zerban