O-Ton im Abonnement ist mehr!

Ein O-Ton Abo ist unsere Einladung an Sie, uns auf unseren Abenteuer- und Entdeckungsreisen durch die reiche Kulturlandschaft Deutschlands zu begleiten und stets aufs Neue zu entdecken.

Als ich den Artikel gelesen habe,
war es, als wäre ich dabei gewesen.

Mit unseren Originalberichten und exklusivem Bildmaterial von Aufführungen in Theater, Musiktheater, Konzert, Ballett und Tanz in all ihren Schattierungen, informieren wir Sie ideologiefrei und kritisch, aber fair. Mit Hintergrundberichten, Hörbeiträgen, Kommentaren, aktuellen Nachrichten und vielem mehr arbeiten wir Tag für Tag daran, bei unseren Besuchern die Lust darauf zu wecken, sich auf diesen kulturellen Reichtum einzulassen.

O-Ton 

3-Monats-Abo

  • +3 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 16,-
 €

für jeweils 3 Monate

Unsere Top-Empfehlung!

O-Ton 

Jahres-Abo

  • +7 Tage gratis testen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 48,-

pro Jahr

O-Ton 

6-Wochen-Abo

  • sofort loslesen
  • keine Werbeanzeigen
  • jederzeit kündbar
  • Benachrichtigung bei neuen Inhalten
nur 9,-

für jeweils 6 Wochen

O-Ton 

Jahres-Mitgliedschaft

  • keine automatische Verlängerung
  • keine Werbeanzeigen
  • Zugang verfällt nach Ablauf
nur 48,-

für ein Jahr

Metropole Ruhr

Fehlende Sicht­barkeit entwi­ckelt sich allmählich zum größten Problem gerade für Solo-Künstler. Der Regio­nal­verband Ruhr bietet Corona-gebeu­telten Künstlern des Ruhrge­biets mit dem Magazin Metropole Ruhr eine bescheidene, aber attraktive Plattform. Pedro Obiera hat in das Blatt hineingeschaut. 

„Kultur – Gerade jetzt!“

Mehr als 10.000 Künstler aller Sparten kämpfen allein im Ruhrgebiet zum großen Teil nicht nur seit Monaten um ihre Existenz. Es droht auch die Gefahr, angesichts wegge­bro­chener Darstel­lungs­mög­lich­keiten, in Verges­senheit zu geraten. Schrift­steller konnten zwar schreiben, aber nicht auf Lesereisen gehen, Musiker üben und kompo­nieren, sich aber nicht live dem Publikum widmen, Maler malen, aber keine Ausstel­lungen ausrichten. Schau­spieler konnten und können oft nicht einmal proben und auch die Arbeits­be­din­gungen und Vorfüh­rungs­mög­lich­keiten der Filme­macher sind stark eingeschränkt.

„Kultur – Gerade jetzt“: Das Motto der zweiten diesjäh­rigen Ausgabe des Magazins Metropole Ruhr, heraus­ge­geben vom Regio­nal­verband Ruhr, möchte daran erinnern, welch pulsie­rende Kultur­land­schaft das Ruhrgebiet mit seinen über fünf Millionen Einwohnern auch außerhalb der großen etablierten Theater, Opern­häuser, Museen und großen Festivals zu bieten hat. Das 32-seitige Heft will sich nicht nur als Zeitschrift verstanden wissen, sondern als „Ersatz­bühne“ für die brach­lie­gende Live-Kultur. Verbunden mit der Absicht, „sich auf andere Formen als das Bekannte einzu­lassen“, wie Olaf Kröck, der Intendant der Ruhrfest­spiele, bei der Presse­prä­sen­tation des Hefts bemerkte. Wobei er nach eigenen Erfah­rungen eine große Bereit­schaft bei Künstlern und Konsu­menten erfahren haben will, auch neue Wege beschreiten zu wollen.

Print-Medien wie Metropole Ruhr könnten nach Ansicht von Karola Geiß-Netthöfel, RVR-Regio­nal­di­rek­torin des Regio­nal­ver­bands Ruhr, zu diesen „anderen Formen“ gezählt werden. Denn das Heft wurde ausschließlich von 34 Künstlern des Reviers aus allen Sparten selbst gestaltet. Wobei das Corona-Thema natürlich eine zentrale Rolle spielt. In den Händen hält man kein Hochglanz­produkt wie das erste Heft aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Regio­nal­ver­bands, sondern eine optisch, stilis­tisch und inhaltlich denkbar bunt gemischte Revue unter­schied­licher Umgangs­formen mit dem Thema. Die Duisburger Lyrikerin Lütfiye Güzel, vor drei Jahren mit dem Litera­tur­preis Ruhr ausge­zeichnet, schildert, wie sie im Lockdown begonnen hat, aus den vielen gesta­pelten Zeitungen auf ihrem Tisch Gedichte zusam­men­zu­schneiden und zu einer marxloh­montage zu montieren. Das Künst­lerpaar Senem Gökce Ogultekin und Levent Duran aus Essen stellt sein während des Lockdowns entstan­denes experi­men­telles Video­projekt zum Zustand des „Zusamen­ge­packt-Seins“ in der Familie vor. Ein Künst­ler­quartett aus Unna stellte eine Foto-Galerie von Gesichtern mit Schutz­masken zusammen, die sie im Mai und Juni in der Unnaer Innen­stadt ausstellten. Wobei die Künstler ihren künst­le­ri­schen Horizont erwei­terten, indem sie Pinsel und Meißel mit dem Fotoap­parat tauschen mussten.

Das Heft präsen­tiert sich insgesamt wie eine kleine Ausstellung, die auch den Anspruch erfüllt, das hohe und vitale Niveau der Ruhrpott-Szene kompri­miert wider­zu­spiegeln. Was aller­dings nur Sinn machte, wenn auch weiteren Künstlern die Möglichkeit zur Selbst­dar­stellung geboten würde. Was nach Meinung von Geiß-Netthöfel wünschenswert, aber nur mit Sponsoren durch­führbar wäre. Denn der Regio­nal­verband Ruhr hat durch die Pandemie selbst einen Verlust von über einer Milliarde Euro zu verkraften.

Die Beiträge zeigen mehr oder weniger ausge­prägt und deutlich durchaus Wege für neue Präsen­ta­ti­ons­formen auf, die auch in „gesün­deren“ Zeiten weiter­ent­wi­ckelt werden könnten. Von beson­derer Bedeutung ist dabei die Öffnung nach außen, die Erschließung neuer Auffüh­rungs- und Ausstel­lungs­stätten, der direktere Kontakt zum Menschen. Die feste Bindung der Kultur an feste Insti­tu­tionen wie Theater und Museen macht sie in Krisen­zeiten erheblich verletz­licher als eine Kultur­szene, die sich flexibler präsen­tiert. Was auch die subven­tio­nierten Kultur­ein­rich­tungen zu neuen Formen anregen könnte.

Die aktuellen wirtschaft­lichen Einbußen der Künstler kann Metropole Ruhr natürlich nicht auffangen, auch wenn die Beiträge honoriert wurden. Auch kann dieses Format den Erleb­niswert der Live-Kultur ebenso wenig ersetzen wie Video-Streams. Berei­chern kann es unsere Landschaft mit Sicherheit.

Das Magazin kann man hier herun­ter­laden oder als Druck­version bestellen.

Pedro Obiera

Teilen Sie O-Ton mit anderen: